Beachvolleyballerin auf Achse

Die World Tour der Beachvolleyballer beinhaltet Turniere rund um den Erdball. Die 25-jährige Bernerin Anouk Vergé-Dépré gewährt Einblick in ihr Leben aus dem Koffer.

Anouk Vergé-Dépré ist das Kofferschleppen gewohnt.

Anouk Vergé-Dépré ist das Kofferschleppen gewohnt. Bild: Raphael Moser

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Flugreisen sind für grosse Menschen eine Herausforderung. Lange Flugreisen sind für grosse Menschen eine noch grössere Herausforderung. Anouk Vergé-Dépré weiss Bescheid. Die Beachvolleyballerin aus Bern misst 185 Zentimeter, hat entsprechend lange Beine und daher in der «Holzklasse» wenig Platz. Doch hat sie einen Vorteil, den der grosse Durchschnittspassagier nicht hat.

Wegen ihres Sports ist die 26-Jährige ab Februar und bis August mehrere Wochen unterwegs, ein Grossteil der Reisen absolviert sie im Flugzeug, und die angesammelten Meilen zahlen sich aus. So wie vergangene Woche, als Vergé-Dépré und ihre Partnerin Joana Heidrich – sie ist 1,90 Meter gross – das 4-Stern-Turnier im chinesischen Xiamen bestritten.

Dank der Meilen kam die Bernerin in den Genuss eines ­Upgrades und konnte dadurch den Grossteil der Hinreise, die 9300 km nach Hongkong, in der Business-Klasse fliegen. «Gerade für lange Flüge ist es natürlich besser, wenn du liegen kannst, anstatt eingepfercht zu sitzen», hält Vergé-Dépré fest. Wobei diese Reise eher die Ausnahme als die Regel war, das Budget hauptsächlich Flüge in der Economy-Klasse vorsieht.

Luzern contra Jetlag

Anouk Vergé-Dépré ist seit 2011 als Profi tätig, reiste entsprechend schon als 18-Jährige rund um die Welt und von Turnier zu Turnier. «Es waren extrem viele Eindrücke, die auf mich einprasselten. Das Essen, das Klima, die Leute, an alles musstest du dich zuerst gewöhnen», erzählt sie.

Mit Isabelle Forrer hatte sie damals zwar eine erfahrene Spielerin an ihrer Seite, doch mussten sich die beiden erst etablieren und in der Weltrangliste nach vorne arbeiten. Das bedeutete, dass sie alles selber organisieren mussten. «Wir verglichen Dutzende Flüge, um den für uns besten und günstigsten zu finden», sagt Vergé-Dépré.

Selbiges galt für die Unterkunft. «Welche Hotels sind in der Nähe der Spielstätten, was hat es vor Ort, was muss man mitnehmen? Diese ­Erfahrungen musste ich zuerst sammeln», sagt Vergé-Dépré.

89'859 Kilometer wird sie bis Ende August zurücklegen (siehe Grafik), nicht eingerechnet sind dabei die jeweilige An- und Rückreise zum und vom Flughafen Zürich. Weil diese Saison noch nicht zur Olympiaqualifikation zählt, ist das vergleichsweise wenig.

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2016 etwa trat Vergé-Dépré mit ihrer vorherigen Partnerin Forrer – die Olympischen Spiele eingerechnet – weltweit an siebzehn Turnieren an, heuer sind es drei weniger.

«Wegen des Jetlags hat es keinen Sinn, lediglich für ein paar Tage zurückzukommen.»

Trotzdem gilt es, die Saison vernünftig zu planen. Aus diesem Grund verzichten Vergé-Dépré/Heidrich im Mai auf den Auftritt am 3-Sterne-Turnier in Luzern. Dies, weil sie unmittelbar davor in Huntington Beach (USA) und danach in Itapema (BRA) an besser klassierten Turnieren antreten. «Wegen des Jetlags hat es keinen Sinn, lediglich für ein paar Tage zurückzukommen», sagt Vergé-Dépré.

Das mühsame Warten

Anouk Vergé-Dépré und Joana Heidrich haben es innerhalb eines Jahres geschafft, sich in der erweiterten Weltspitze (Rang 10) zu etablieren. Was überrascht, weil sich die Bernerin zur De­fensivspielerin umfunktionieren lassen musste.

Die beiden Athletinnen sind auch abseits des Sandes gut aufgestellt; sie können auf die Dienste eines Managements zählen und werden von hochkarätigen Sponsoren unterstützt, dazu gehört etwa der Reisekonzern TUI. Dies ist für die Beachvolleyballerinnen äusserst wichtig, weil sie dadurch die zuweilen mühsame Planung der Reisen ­abgeben können.

Das Leben aus dem Koffer ist gewöhnungsbedürftig, Vergé-Dépré hat sich damit arrangiert. Sie schätzt es, Länder und Kulturen kennen zu lernen, die den meisten anderen Menschen vorbehalten bleiben.

An etwas allerdings wird sich die Bernerin kaum je gewöhnen, wie sie lachend erklärt: die vielen Wartezeiten während der Reisen, ge­rade an den Flughäfen. «Klar kannst du manchmal ein Spiel analysieren, eine Serie schauen oder ein Buch lesen», meint sie, «aber Ende Saison geht mir das Warten jeweils ziemlich auf den Wecker.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.04.2018, 11:50 Uhr

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