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Balanceakt zwischen Sand und Halle

Keine Testspiele, kaum Hallentraining – Sébastien Chevallier und seine Teamkollegen bei Swica Volley Münsingen werden zum NLA-Start ins kalte Wasser geworfen. Beachvolleyball geniesst bei den Aaretalern erste Priorität.

In der Halle gelangt Sébastien Chevallier zu einem wettkampfmässigen Training.
In der Halle gelangt Sébastien Chevallier zu einem wettkampfmässigen Training.
Hans Wüthrich

Buchstäblich in letzter Sekunde entging Swica Volley Münsingen im Sommer dem Grounding. Sechs Spieler hatten die finanziell arg gebeutelten Aaretaler verlassen, sie hatten in erster Linie die ungenügende Kommunikation der Verantwortlichen bemängelt. Der Verein zog daraufhin in Betracht, das NLA-Team zurückzuziehen (diese Zeitung berichtete). Hilfe boten sechs Schweizer Beachvolleyballer, welche seit diesem Frühling im nationalen Leistungszentrum in Bern beheimatet sind. Ihnen ist es zu verdanken, dass das sinkende Münsinger Schiff wieder den richtigen Kurs eingeschlagen hat.

Für- statt gegeneinander

Einer davon ist der gebürtige Genfer Sébastien Chevallier. Der 22-Jährige, welcher bereits seine achte NLA-Saison in Angriff nimmt, lebt seit Anfang Mai in Bern und trainiert täglich im Weissenbühlquartier. Mit seinem Partner Roman Sutter gehört er zu den grössten Schweizer Zukunftshoffnungen. «Ich habe mich bereits früh für Münsingen entschieden und damit geliebäugelt, gelegentlich das junge 1. Liga-Ensemble zu verstärken», erklärt der mehrfache Schweizer Meister. Nach dem spätsommerlichen Wirrwarr sei plötzlich die NLA wieder ein Thema geworden. «Ich habe Verstärkungen gefordert, damit wir konkurrenzfähig sind. Jetzt haben wir eine tolle Truppe beisammen.» Während die Beacher im Sand direkte Konkurrenten sind, hechten sie in der Halle den Bällen füreinander hinterher. «Wir schätzen uns. Der Teamgeist ist ausgezeichnet.»

Die Münsinger Verantwortlichen hinter den Kulissen kennt Chevallier nicht, bisher hatte er kaum Kontakt mit dem Verein. Es wirke alles noch ziemlich unprofessionell, sagt der Passeur, welcher mit Lausanne UC 2007 das Double gewann.

Prioritäten klar gesetzt

Beachvolleyball geniesst bei Sébastien Chevallier erste Priorität. «Die Hallenmeisterschaft bietet mir die Möglichkeit, auch in den Wintermonaten Ernstkämpfe bestreiten zu können. Das Kraft- und Athletiktraining ist jedoch ganz auf die Sommersaison ausgerichtet.» Zweimal wöchentlich werden die Münsinger in der Halle schuften – Schweizer Meister Amriswil absolviert dieses Pensum an einem Tag. Es erstaunt daher nicht, misst der Student der morgen beginnenden NLA-Meisterschaft nur einen geringen Stellenwert bei. «Die Platzierung ist sekundär, obwohl wir natürlich immer gewinnen und zumindest den Abstieg vermeiden wollen.» Testspiele bestritten die Münsinger keine. «Wir sind eine spezielle Mannschaft in einer speziellen Situation. Dass wir ins kalte Wasser geworfen werden, ist kein Problem.»

Im Sand traut sich Chevallier dereinst den Sprung in die Weltspitze zu. «Im nächsten Jahr werden wir vorwiegend internationale Turniere bestreiten und versuchen, näher an die Schweizer Spitzenteams Heyer/Heuscher und Laciga/Bellaguarda heranzukommen. Fernziel des 1,93 Meter grossen Athleten sind die Olympischen Spiele 2016.

Gersons Rückkehr

Dass sich Beachvolleyball-Junioren-Nationaltrainer Marc Gerson um die Geschicke des Münsinger NLA-Teams kümmert, erscheint sinnvoll. Brisant ist sein Engagement dennoch: Der Luxemburger beendete Ende Januar seine Tätigkeit bei den Aaretalern nicht ohne Nebengeräusche und hätte diese Saison nur das 1. Liga-Team coachen sollen. «Ich wollte verhindern, dass der Klub Konkurs geht und zahlreiche Junioren-Nationalspieler keine Perspektive haben», erklärt der 54-Jährige. «Deshalb habe ich den Beachvolleyballern den Wechsel in die Halle schmackhaft gemacht.» Ein konkretes Ziel hat sich der Teamchef nicht gesetzt. «Wir können ohne Resultatdruck agieren.» Swica Volley Münsingen steigt mit einem stark reduzierten Budget von rund 70'000 Franken (vormals 240'000) in die neue Spielzeit. Neben Cracks wie Jan Schnider und Philip Gabathuler, welche vorerst noch auf der Beachvolleyball World Tour engagiert sind, werden junge Akteure die Mannschaft ergänzen. «Ich werde ein Rotationsprinzip anwenden», erklärt Gerson.

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