Beachsoccer: Clubs ziehen alternative Liga in Betracht

Sport

Die Liga darbt, das Nationalteam boomt – in der Beachsoccerszene herrscht ein Ungleichgewicht.

Die nationale Beachsoccer-Liga am Boden: Winterthurs Benjamin Schellenberg (l.) gegen Thuns Dario Aebersold.

Die nationale Beachsoccer-Liga am Boden: Winterthurs Benjamin Schellenberg (l.) gegen Thuns Dario Aebersold.

(Bild: Markus Grunder)

Peter Berger@PeterBerger67

Noch elf Männerteams haben diese Saison an der Swiss Beach Soccer League, der nationalen Meisterschaft, teilgenommen. 2010 waren es noch fast 30. Eine zweite Liga gibt es nicht mehr. «Aktuell ähnelt die Meisterschaft einer Plauschliga. Früher gab es Tribünen, Speaker und Stände, heute fehlt oft sogar eine Fahne», erzählt Tino Fraschina, Coach und Präsident vom BSC Barracudas Biel.

Ähnlich tönt es beim BSC Thun: «Die Liga geht den Bach runter, leider scheint das den Verband nicht zu interessieren», sagt Severin Eggenschwiler, Spieler, Trainer und Vorstandsmitglied bei den Oberländern. Der Ärger ist indes national. «Weil die Vereine nicht unterstützt werden, ist auch keine nachhaltige Nachwuchsförderung möglich», ergänzt Benjamin Schellenberg, Präsident der Panthers aus Winterthur.

Pioniere am Pranger

Der Frust der Vereinsfunktionäre richtet sich vor allem gegen die Swiss Beach Soccer GmbH (SBS) mit Geschäftsführer Reto Wenger und dem sportlichen Leiter Angelo Schirinzi. Das Duo hat Beachsoccer in der Schweiz vor bald 20 Jahren aufgebaut, konzentriert sich aber mittlerweile auf die Nationalmannschaft, deren Coach Schirinzi ist. Den Ligabetrieb hat die SBS an die Eventfirma Zone B ausgelagert, die Beat Wenger gehört, dem Bruder von Reto. Diese kassiert von den Clubs rund 35'000 Franken Lizenzgebühren und organisiert mit der SBS das Saisonfinale in Spiez. Die Durchführung der Meisterschaftsspiele obliegt den Clubs.

Vom Schweizerischen Fussballverband erhält die SBS als offizieller Partner in einem Vertrag festgehaltene 60'000 Franken pro Jahr für die Förderung des Breitensports, des Nachwuchses und des Frauen-Nationalteams. Das Männerteam hat einen eigenen Leistungsvertrag mit dem SFV. Dass die SBS die Verwendung der Gelder nicht öffentlich macht, stösst den Vereinsfunktionären sauer auf.

«Weil die Transparenz fehlt, ist das Vertrauen in die SBS weg», sagen Fraschina, Eggenschwiler und Schellenberg unisono. «Was nützen coole Kids-Events mit Natispielern, Nachwuchsförderung muss in den Clubs stattfinden, aber an uns fliesst kein Geld», sagt Ligavertreter Schellenberg.

«Wir rapportieren dem SFV jeden Franken», erklärt Reto Wenger und sagt nur, «ein Grossteil ist für den Event in Spiez, an die Zone B geht jedoch kein Geld.» Ihn stört die Kritik: «Statt zu jammern sollten wir uns alle zusammen freuen, dass es uns als kleine Randsportart mit 300 Lizenzierten gelingt, mit dem Männer-Nationalteam die Nummer 8 der Welt zu sein.» Dennoch weiss Wenger: «Es ist an der Zeit, über Modelle zu reden.»

Runder Tisch geplant

Ein runder Tisch mit allen Parteien ist geplant. Statt einem Meisterschaftsbetrieb stellt sich Wenger ein, zwei Turniere vor. Das ist nicht im Sinne der Clubs, die möchten, dass Beachsoccer dem SFV-Amateurbereich angegliedert wird. Sonst ist für Schellenberg die Lancierung einer eigenen Liga «ein realistisches Szenario». Er meint: «Das wäre eine schlechte Lösung. Doch vielleicht muss es Scherben geben, damit etwas Neues aufgebaut werden kann.» Die Parteien tun gut daran, genug Zeit für die Aussprache einzuberechnen.

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