Beruf Schützin

Petra Lustenberger übt einen nicht alltäglichen Beruf aus. Die 27-jährige Luzernerin lebt als Profischützin in Magglingen.

Petra Lustenberger  aus Rothenburg ist  eine der vier  jungen  Schweizer ­Berufsschützen.

Petra Lustenberger aus Rothenburg ist eine der vier jungen Schweizer ­Berufsschützen. Bild: David Avolio (Cut & Shoot, PD)

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Fussballprofi, Eishockeyspieler oder Skirennfahrer sind in der Schweiz längstens anerkannte Berufe aus der Sportwelt. Die Bezeichnung Berufsschütze ist dagegen höchstens Insidern bekannt. Erstens ist Schiessen eine Randsportart, zweitens gibt es den Beruf hierzulande noch nicht lange. Aktuell haben fünf Schweizer Sportschützen den Profistatus. Eine davon ist Petra Lustenberger. «Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen. Das ist ein Privileg», sagt sie.

Möglich gemacht hat das vor zwei Jahren einerseits die Armee und andererseits der Schweizerische Schiesssportverband. Nachdem die 27-jährige Luzernerin die Spitzensport-Rekrutenschule absolviert hatte, zog sie als Berufssportlerin ins Nationale Leistungszentrum in Magglingen. Entlöhnt wird Lustenberger vom Verband. Genau wie der St. Galler Christoph Dürr (22). Dagegen sind die Nidwaldnerin Nina Christen (24) sowie der Solothurner Jan Lochbihler (26) als Zeitsoldaten Angestellte der Armee.

«Ich konnte  mein Hobby zum  Beruf machen.  Das ist ein  Privileg.»Petra Lustenberger

Auch Heidi Diethelm (49), Bronzegewinnerin an den Olympischen Spielen 2016 in Rio mit der Pistole, ist Profischützin, wohnt aber im Thurgau und wird im Gegensatz zum jungen Quartett nicht vom Militär unterstützt. Denn auch Lustenberger und Dürr profitieren nach wie vor von der Armee. «Wir können zu Trainingszwecken oder für Wettkampfvorbereitungen bis zu 130 WK-Tage pro Jahr beziehen», sagt Lustenberger. Für diese Tage erhalten sie Erwerbsersatz (EO-Entschädigung). Wer Militärsport betreibt, darf auch an der CISM-WM teilnehmen. Diese beginnt heute in Thun (vgl. Kasten).

20 000 Schüsse pro Jahr

Lustenberger, Dürr, Christen und Lochbihler richten den Fokus im Seeland ausschliesslich auf den Schiesssport. «In Magglingen verfügen wir über eine optimale Infrastruktur, werden sportpsychologisch betreut und haben mit Massage und Sauna perfekte Regenerationsmöglichkeiten», erzählt Lustenberger. Den grössten Teil des Trainings absolviere sie am Schiessstand.

Pro Jahr gebe sie mit dem Kleinkalibergewehr über 20 000 Schüsse ab, Wettkämpfe nicht eingerechnet. «Mentales Training, Kraft und Ausdauer stehen ebenfalls auf dem Programm. Eine starke Rumpfmuskulatur hilft, in der Stehend-Disziplin ruhig zu bleiben, und eine gute Grundfitness ist Bedingung, um im Wettkampf den Druck und das Adrenalin im Griff haben zu können», erklärt die Innerschweizerin.

Bescheidenes Gehalt

Die EM-Bronzegewinnerin betreibt das Sportschiessen der olympischen Gewehrdisziplinen. Dies sind: Kleinkalibergewehr Dreistellungsmatch 50 Meter (Königsdisziplin) sowie Luftgewehr 10 Meter. Reich wird man als erfolgreiche Profischützin in der Schweiz indes nicht. Sie erhält vom Verband ein Gehalt und wird von der Sporthilfe unterstützt. «Schiessen ist ein teurer Sport, ich bin weiterhin auch auf die Unterstützung der Eltern angewiesen», gesteht Lustenberger.

«So komme ich mit meinem bescheidenen Lebensstil über die Runden.» Ein Kleinkalibergewehr kostet mindestens 6000, ein Luftgewehr 4000 Franken. Auch die Kleider verschlingen mit 1800 Franken eine beträchtliche Summe. «Dazu kommen die Munition und viele weitere, kleinere Dinge, mehrheitlich Verschleissteile, die immer wieder ersetzt werden müssen.»

Weil der Schiesssport wenig Medienpräsenz habe, sei es zudem schwierig, Sponsoren zu finden. Preisgeld gibt es in den seltensten Fällen. «Aber ich betreibe diesen Sport nicht des Geldes wegen. Vielmehr ist das Schiessen meine Leidenschaft.» Lustenberger möchte deshalb auch nach ihrem grossen Ziel, den Olympischen Spielen in zwei Jahren in Tokio, Berufsschützin bleiben. Vorerst läuft ihr Profivertrag bis 2020. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.05.2018, 10:45 Uhr

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