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Bitteres Zückerchen für Wacker

Die Thuner verlieren ihr erstes Heimspiel in der EHF-Cup-Gruppenphase. Wacker unterliegt dem französischen Traditionsclub Chambéry trotz perfektem Auftakt 25:29 und gibt dabei phasenweise Rätsel auf.

Kein Durchkommen für den Thuner Lenny Rubin gegen die französischen Abwehrspieler.
Kein Durchkommen für den Thuner Lenny Rubin gegen die französischen Abwehrspieler.
Patric Spahni

Es ist eine Aktion, die das Geschehene ganz gut wiedergibt. Die Thuner haben eben einen Treffer kassiert, jenen zum 14:19, dreiundzwanzig Minuten sind noch zu spielen, und Wacker droht auf einmal eine Klatsche. Keeper Marc Winkler hat es eilig, er ergreift den Ball, will ins Zentrum des Feldes passen, wo Rechtsflügel Jonas Dähler wartet, um die sogenannte schnelle Mitte zu praktizieren: den sofortigen Angriff nach dem Erhalt eines Tores. Der Ball aber wird nicht bis zu ihm gelangen. Winkler trifft damit versehentlich den ein paar Meter vor ihm stehenden Regisseur Roman Caspar am Rücken.

Es ist bloss eine von vielen ­Aktionen, die den Thunern am Samstagabend in der Partie gegen Chambéry misslingen. Ihre Darbietung ist zu fehlerhaft, als dass sie den Traditionsclub aus dem Land des Weltmeisters besiegen könnten. Der Gast ist ganz bestimmt kein Widersacher, gegen den die Berner Oberländer per se chancenlos sind. Um ihn zu schlagen, bräuchten sie einen guten Tag. Den aber ziehen sie nicht ein.

Der in dieser Saison oft sehr stark aufspielende Winkler pariert lediglich viermal. Im Angriff offenbart Martin Rubins Team, in erstaunlichem Masse abhängig von den beiden künftigen Bundesligaspielern Lukas von Deschwanden und Lenny Rubin zu sein. Die Abschlüsse der Regisseure Caspar und Nicolas Suter sind erneut von unzureichender Qualität. Suter ist gerade sehr weit weg davon, der Eckpfeiler zu sein, der er im ersten Saisonviertel war. Der Zuzug fand sich in Thun im Nu zurecht, in seinen ersten Auftritten überzeugte er stets, womit er sich erste Aufgebote für die Nationalmannschaft verdiente. Am Samstag wirft er zunächst zweimal daneben, in der Folge wirkt er verunsichert. Die Dynamik, der Zug zum Tor, die Leichtigkeit – all die Dinge, die Suter, diesen exzellenten Handballer, auszeichnen: Weg sind sie.

Die 8:3-Führung

Die Begegnung startet mit einem Feuerwerk. Wacker erweist sich als prima Veranstalter, das erste Heimspiel im Rahmen der EHF-Cup-Gruppenphase ist hervorragend organisiert und gut besucht. 1070 Leute sind in der Halle, obwohl der Match im Fernsehen übertragen wird. Die Thuner liegen nach elf Minuten 8:3 vorn.

Dann beginnen die Probleme.

Die Führung hält bloss acht Minuten an. Zeitstrafen und technische Fehler aufseiten der Gastgeber begünstigen die Aufholjagd der soliden, abgezockten Franzosen. Und als es Mitte zweiter Hälfte 19:25 steht, ist eine Kanterniederlage wahrscheinlicher als ein Punktgewinn. Wacker gelingt in dieser Phase: gar nichts. Der Tabellenführer in der Schweizer Liga vermag sein Potenzial nicht annähernd abzurufen, er enttäuscht, ja, er irritiert. Die Berner Oberländer sind nun wütend, steigern sich, erinnern jetzt an die Startphase, sie machen Boden gut und dürfen vorübergehend doch wieder davon träumen, einen Zähler zu gewinnen. Sie verlieren, 25:29 – bewahren aber ihre Ehre.

Leerer Tank, volles Programm

Die Teilnahme am EHF-Cup ist umstritten, primär weil sie Geld kostet. Die Spieler mögen die Vergleiche mit den teils prominenten Gegnern, sie sprechen dabei gerne von einem «Zückerchen», vom Lohn für die in der Vorsaison und in der Qualifikation erbrachten Leistungen. Das Zückerchen aber schmeckt bisher nicht sonderlich süss. Wacker erlitt in zwei Partien zwei unnötige Niederlagen – und verlor dazwischen das Meisterschaftsspiel gegen ersatzgeschwächte Winterthurer.

Die Oberländer kassieren gegenwärtig zu viele Treffer, sie wirken müde. Coach Rubin erzählt an einem Talk im Anschluss an die Partie, der Tank einzelner Akteure sei leer oder zumindest längst nicht mehr voll. Die nächste Begegnung folgt am Donnerstag.

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