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Brutalo-Boxen: Zähne fliegen ins Publikum

Während man hierzulande auf die WM-Kämpfe im Schwergewichtsboxen wartet, hat sich in den USA Ultimate Fighting als neue Kampfsportart etabliert. Jetzt kommt das umstrittene Spektakel nach Europa.

Die Amerikaner haben jahrelang das Schwergewichtsboxen dominiert. Während Jahrzehnten stellten sie praktisch alle Weltmeister in der Königsklasse und das grosse Geld verdienten die heimischen Kämpfer und Promotoren. Heute ist das amerikanische Boxen in jeder Hinsicht auf absteigendem Ast. Die Weltmeister kommen allesamt aus der ehemaligen Sowjetunion, ihr amerikanischer Herausforderer ist der 46-jährige Oldie Evander Holyfield, der in den Ring zurückkehrt, weil ihm das Geld ausgegangen ist.

Da verwundert es wenig, dass das Publikum in den Vereinigten Staaten längst etwas anderes entdeckt hat und begeistert neue Helden feiert. Ultimate Fighting hat sich wie ein Virus über den Halbkontinent ausgebreitet. Vor zwölf Jahren vom gescheiterten Präsidentschaftskandidaten, Senator John McCain als «menschlicher Hahnenkampf» gebrandmarkt und fast im ganzen Land verboten, macht die «Ultimate Fighting Championship» (UFA) im laufenden Jahr fast 250 Millionen Dollar Umsatz. Der Wert des Unternehmens soll mittlerweile eine Milliarde betragen. Es gehört den beiden Brüdern Lorenzo und Frank Fertitta, welche zum Ende des Jahres 2000 das marode Geschäft für 2 Millionen kauften.

Zähne fliegen ins Publikum

«As real as it gets» lautet der Slogan der UFC. Echt ist das Blut, das bei Kämpfen in rauen Mengen fliesst, echt sind ausgeschlagene Zähne, die manchmal bis ins Publikum fliegen. Die neuen Stars beherrschen verschiedene Kampfkünste, kombinieren Judo, Muay Thai, Boxen, Ringen und Jiu-Jitsu. Wobei im Gegensatz zu der K1-Serie die europäischen Sportarten dominieren, auf Karateschläge wird vielfach verzichtet. Vier Ärzte stehen am Ring, die Krankenwagen stehen in Bereitschaft und der Weg zur nächsten neurologischen Klinik ist kurz.

Ernsthafte Verletzungen sollen bis heute ausgeblieben sein, aber man will für alle Fälle bereit sein. Die hauptsächlich jungen Zuschauer – ein «tits-'n-tats»-Publikum (Frauen mit grossen Brüsten und Männer mit Tatoos) – werden vom Blut scheinbar nicht abgeschreckt, die Einschaltquoten steigen stetig. Bis zu 1,2 Millionen schauen sich die Titelkämpfe in den fünf Gewichtsklassen an. Bei einem Preis von 44,95 Dollar für die «Pay per view»-Übertragung können die Promotoren frohlocken. Von solchen Zahlen können die Box-Promotoren im Moment nur träumen.

Zwei Männer in den Ring – einer kommt raus

Während maximal fünf Runden stehen sich die Gegner im achteckigen Ring — dem Oktagon aus dem Schwarzenegger-Film «Conan der Barbar» — gegenüber. Er wird von einem 1,75 m hohen Zaun umgeben und hat einen Durchmesser von fast zehn Metern. Eine Flucht oder das Verstecken in der Ecke ist keine Option und natürlich nicht erwünscht. Das Motto heisst: Zwei Männer gehen in den Ring und nur einer kommt raus. Der Sport, der anfangs mit ganzen zwei Regeln (keine Bisse und nicht ins Auge stechen) sowie ohne Schiedsrichter auskam, hat sich weiterentwickelt. Mittlerweile gibt es 29 Regeln; Drogen-, HIV- und Hepatitistests und eine Tomografie des Gehirns werden vorgängig verlangt.

Die «Fighter» machen diesen Sport so ungewöhnlich. Während Boxen als korrupt angesehen wird und grosse Duelle nur noch selten stattfinden – oder erst dann wenn sie uninteressant sind –, treten die Champions im Ultimate Fighting regelmässig gegeneinander an. Viele Boxer beginnen ihre Karriere, um nicht als Disco-Türsteher oder im Knast zu enden. Ganz anders die neuen Helden: Von 202 bei der UFC registrierten Athleten haben 164 studiert oder eine abgeschlossene Ausbildung; unter ihnen sind auch Anwälte, Mathematik-Lehrer und IT-Experten.

Bald auch auf «Pro Sieben»

Zum Trendsport wurde Ultimate Fighting dank einer Reality-Show. Vor vier Jahren hatten Lorenzo Fertitta und sein Manager Dana White die zündende Idee, mit einer Art «Big Brother» die Kämpfer einem grösseren Publikum vorzustellen. Die Fernsehsendung Ultimate Fighter geht mittlerweile in die achte Saison. Das Konzept ist denkbar einfach: Sechzehn Kämpfer leben gemeinsam in einem Haus, wo sie abgeschirmt von der Aussenwelt trainieren und jede Woche gegeneinander antreten. Der Sieger erhält am Ende einen Vertrag mit der UFC. Der Erfolg ist durchschlagend. Die Show konnte in über hundert Länder verkauft werden, und nächstes Jahr soll sie gemäss «Spiegel» in Deutschland auf «Pro Sieben» zu sehen sein. Gerade rechtzeitig, um die im Juni nächsten Jahres geplanten Kämpfe in Deutschland gebührend zu promoten.

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