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Cancellara: «Doper sind wie Raser»

Betrüger habe es immer gegeben, Betrüger werde es immer geben, sagt Fabian Cancellara. Der 27-jährige Ittiger spricht über den Kampf gegen Doping, die Folgen des Olympiasiegs und den Titel «Schweizer Sportler des Jahres».

Herr Cancellara, wann ist Ihnen bewusst geworden, was Sie in Peking erreicht haben? Nach der Rückkehr ging alles ziemlich schnell: Hier ein Empfang, dort ein Auftritt, dazu die Diskussion um meine WM-Teilnahme, im Kopf die vielen Eindrücke und Emotionen, deren Verarbeitung noch nicht abgeschlossen war. In diesen Tagen realisierte ich, wie müde ich war. Abschalten und geniessen konnte ich erst in den letzten Augusttagen.

Hat sich in Ihrem Leben seit Olympia etwas verändert?Ging ich vor Peking mit der Familie einkaufen, in ganz normalen Kleidern, wurde ich nur von Leuten erkannt, die sich mit Radsport befassen. Nun erkennen mich auch Leute, die mit Sport nicht viel am Hut haben, bei Olympia jedoch vor dem Fernseher sitzen. Olympia ist eine andere Dimension, da will jeder wissen, was läuft. Die Fanpost hat zugenommen, ich bin eine gefragtere Person geworden. Ich selbst jedoch habe mich nicht verändert.

Im Vorfeld der letzten Saison war allseits ein neuer Radsport proklamiert worden. Nun wurden mit Ricco, Piepoli, Schumacher und Kohl etliche bekannte Fahrer als Betrüger entlarvt, das Tour-de-France-Podest musste erneut nachträglich umgestaltet werden. Ist der Radsport überhaupt in der Lage, sich selbst zu helfen?Die genannten Fälle zeigen, dass das Kontrollsystem funktioniert; die Blutpässe tragen zu einer weiteren Verbesserung bei. Ich glaube, wir befinden uns auf dem richtigen, dem einzigen gehbaren Weg. Mit den Dopern ist es wie mit den Rasern: Es gibt sie seit x Jahren, und es wird sie auch in Zukunft geben – selbst wenn man die Sperren verlängert respektive die Autos verschrottet. Wichtig ist, dass die Missstände auf bestmöglichem Weg bekämpft, sprich möglichst gezielte Doping- respektive Radarkontrollen gemacht werden.

Ist das im Radsport der Fall? Die UCI wird seit Jahrzehnten von alt eingesessenen Funktionären geführt, ehemaligen Fahrern, die tief mit dem System verwurzelt sind. Müsste man sich nicht für einen unabhängigen Manager als Verbandschef stark machen?Ich denke, dass ein Quereinsteiger Probleme bekommen würde, weil er weder Verbindungen noch Erfahrung hat.

Heisst das, ein Externer wäre chancenlos?Ich denke, er würde sowieso attackiert – egal, was er unternähme. Es geht um viel Geld, die Interessen der Beteiligten sind nicht die Gleichen. Wir sehen das bei den Teams. Auch dort schaut jeder primär für sich, obwohl es häufig mehr brächte, wenn man gemeinsam nach Lösungen suchen würde.

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