«Capela kratzt erst an der Oberfläche»

Der Genfer ist fester Bestandteil der erfolgreichen Mannschaft aus Houston. Einer seiner Förderer verspricht noch mehr – und vergleicht ihn mit einem der Grössten.

Clint Capela spielt derzeit die beste Saison seiner Karriere.

Clint Capela spielt derzeit die beste Saison seiner Karriere.

(Bild: Keystone Kelvin Kuo)

Die Houston Rockets sind das beste Team der Regular Season in der nordamerikanischen Basketballliga NBA – zumindest statistisch gesehen. Die Qualifikation für das Playoff ist bereits seit längerem Tatsache, auch vor dem abschliessenden Spiel gegen die Sacramento Kings kann die Rockets kein Team mehr von der Spitze verdrängen.

Die Texaner schielen auf ihren ersten Titel seit 1995, es wird den Rockets sogar zugetraut, die seit Jahren herrschende Dominanz der Golden State Warriors und der Cleveland Cavaliers zu sprengen. Grossen Anteil am Erfolg haben die beiden Superstars der Mannschaft, James Harden und der auf die aktuelle Saison neu verpflichtete Chris Paul. Und ein Schweizer: Clint Capela.

Der 23-jährige Genfer spielt nicht nur regelmässig mit, er ist eine feste Grösse im Team. Von allen NBA-Spielern hat keiner bei den Field Goals eine präzisere Quote als Capela: Er trifft seine Würfe – viele davon sind auch Dunks – mit einem Prozentsatz von 65,4. Noch besser sogar seine Block-Statistik: Capelas 137 Blocks in der laufenden Saison werden nur vom 2012 als Nummer 1 gedrafteten Anthony Davis (New Orleans Pelicans, 189 Blocks) getoppt.

Ein holpriger Start

Dass der 2,08 m grosse Center Capela in der NBA jemals so einschlagen wird, das war noch vor vier Jahren nicht absehbar. In einem langen, komplett dem Schweizer gewidmeten Artikel der «New York Times» äusserte sich dieser Tage sein Entdecker und Houston-Manager Dary Morey zum Shooting-Star. «Es war ein holpriger Start», erinnert er sich.

Morey hatte Capela 2014 in Frankreich entdeckt, als dieser noch für Élan Sportif Chalonnais spielte. Der damals 19-Jährige sei für einen jungen Mann von seiner Grösse schon erstaunlich geschickt gewesen. Morey machte sich aber auch Sorgen. Er beschrieb Capelas Defensivverhalten als «sehr roh» und seine Freiwürfe als «ein kleines Fragezeichen».

Morey sollte recht behalten. Nachdem er Capela im gleichen Jahr in die NBA gelotst hatte, musste dieser vornehmlich bei den Rio Grande Valley Vipers ran, einem Partnerteam der Rockets, das in der NBA Development League spielt. So kam Capela in der NBA lediglich zu zwölf Einsätzen.

250 Bälle jeden Morgen

In seinen sporadischen Einsätzen für die Rockets deutete zunächst nicht viel darauf hin, dass Capela einst ein treffsicherer Center werden würde. Seinen ersten Korb erzielte er nach vier Monaten, nach ganzen elf Fehlversuchen. «Ja, es war nicht einfach», sagt der Genfer heute.

Er sagt auch: «Es brauchte Zeit. Ein neues Land, ein neues Team, ein neues System. Ich war so beeindruckt von allem.» Die Rockets gaben Capela nicht auf, und als sie mit John Lucas einen neuen Trainer in ihrem Coaching-Staff aufnahmen, kam der Stein ins Rollen. Lucas’ erste Aufgabe war, Capelas Wurftechnik zu verbessern. Das war 2016, vor seiner dritten NBA-Saison. Zu seiner Morgenroutine gehörte neu, 250 Bälle zu werfen.

«Ich sagte ihm, wenn er ständig daran arbeitet, könnte er einer der besten Center der Liga werden», sagt Lucas heute. «Er kratzt erst an der Oberfläche». Lucas geht sogar noch weiter und vergleicht Capela mit Hakeem Olajuwon, einem der besten Center der NBA-Geschichte und zweimaligem NBA-Champion mit den Rockets (1994 und 1995).

Im Team der Houston Rockets hat Capela seinen Platz gefunden. Im Schatten vom wahrscheinlichen MVP der Saison James Harden und dem neunmaligen Allstar Chris Paul entwickelt er sich zuverlässig weiter. Im Sommer winkt der neue Vertrag, mit einem Jahresgehalt von bis zu 25 Millionen Dollar wird er zum bestbezahlten Schweizer Teamsportler der Geschichte. Nicht schlecht für einen Mann, der vor knapp vier Jahren zwölf Versuche für seinen ersten erfolgreichen Wurf brauchte.

mro

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