Der Aufbau hat begonnen

Einst waren die Schweizer Männer eine Macht, heute kämpfen sie um den Anschluss. Das Problem ist vielschichtig, es geht um fehlende Geduld und Misswirtschaft.

Marco Krattiger / Nico Beeler: Die neuen Hoffnungsträger.

Marco Krattiger / Nico Beeler: Die neuen Hoffnungsträger.

(Bild: Andreas Blatter)

Marco Oppliger@BernerZeitung

In knapp drei Wochen beginnt in Wien die Weltmeisterschaft. Und, so viel steht bereits fest, es wird in der österreichischen Hauptstadt ein Novum geben. Erstmals überhaupt wird bei den Männern kein Schweizer Team vertreten sein. Das Problem: Das beste helvetische Duo, Nico Bee­ler / Marco Krattiger, steht derzeit auf Rang 36 des Entry Rankings, hat somit die WM-Qualifikation über die Weltrangliste verpasst und auch keine Wildcard vom Veranstalter erhalten.

Derzeit ist es sehr schwierig, Punkte auf der World Tour zu sammeln. Denn auf diese Saison hin wurde der Turnierkalender massiv zusammengestrichen; einerseits wegen finanzieller Probleme bei den Veranstaltern, ­andererseits durch fragwürdige Massnahmen des Weltverbandes selbst.

Erst klassierte die FIVB die Turniere neu (von einem bis fünf Sterne), dann strich sie bei den drei untersten Kategorien die Hauptrunden weg, sie begannen so gleich mit der K.-o.-Phase. Das hatte zur Folge, dass ein Team aus Europa im Extremfall für nur ein Spiel nach China flog. Mittlerweile wurde dieser Schritt zumindest teilweise rückgängig gemacht.

Trotzdem: Weil es viel weniger Spielgelegenheiten gibt, nehmen nun auch Topduos an kleineren Turnieren teil – auf Kosten der jungen Teams. «So kommst du natürlich nicht in einen Spielfluss, es ist sehr mühsam», sagt Marco Krattiger. Immerhin: Der Thurgauer ist zusammen mit Nico Beeler nun in Gstaad zum zweiten Mal in dieser Saison an einem 5-Stern-Event in den Achtelfinal eingezogen. Damit dürften die beiden bald wieder in den Hauptfeldern der Topturniere startberechtigt sein.

Anders sieht es beim Belper Mirco Gerson aus. Weil er nun mit Michiel Zandbergen – einem jungen, unerfahrenen Blocker – zusammenspielt, ist er öfter zu Hause, als ihm lieb ist. «Mir war bewusst, dass es schwierig werden würde. Aber so wie es jetzt läuft, das war nicht absehbar», sagt Gerson. Gemäss Cheftrainer Markus Egger gibt es aber Anzeichen, dass auf die zweite Saisonhälfte hin noch einige kleinere Turniere durch­geführt werden.

Zurück nach oben

Nach den Olympischen Spielen 2012, als die Spieler der goldenen Generation um Martin Laciga, Sascha Heyer und Co. zurücktraten, wäre das Feld für den Nachwuchs offen gewesen. Doch dann kam es praktisch in jeder Saison zu Spielerwechseln, und letztlich traten Hoffnungsträger wie Sébastien Chevallier zurück, weshalb Swiss Volley vor zwei Jahren von vorn anfangen musste.

«Es fehlte die Geduld», sagt Egger. Doch damit soll nun Schluss sein. Der Verband strebt eine langfristige Lösung an. «Rein physisch sind wir so gut besetzt wie lange nicht mehr. Aber nun muss noch das andere kommen», hält der Cheftrainer fest. Will heissen: Lernen, mit Niederlagen und Drucksituationen umzu­gehen – oder kurz gesagt: Teamfähig werden. Egger hält fest, in zwei bis drei Jahren wolle er wieder dort stehen, wo die Schweizer Männer vor zehn Jahren einmal waren – mit einem Team in den Top Ten. Das würde letztlich zur Qualifikation für Olympia 2020 führen.

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