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Der Goldfisch im Haifischbecken

Leander Strupler ist der neue Veranstalter des ­Boxing Day im Kursaal. Der 33-Jährige will die Berner Boxszene einigen und den Sport in der ganzen Schweiz populärer machen.

Boxen im Vordergrund, der Kursaal im Hintergrund: Leander Strupler will als Veranstalter des Boxing Day den Sport in den Fokus rücken.
Boxen im Vordergrund, der Kursaal im Hintergrund: Leander Strupler will als Veranstalter des Boxing Day den Sport in den Fokus rücken.
Christian Pfander

Im Winter, wenn die Plätze schlecht, das Wetter garstig und die Motivation tief ist, bedienen sich Fussballer bisweilen spezieller Trainingsmethoden. Leander Strupler ging einst als YB-Junior mit Kollegen in den Boxkeller.

Aus der Fussballerkarriere ist für den heute 33-Jährigen nichts ­geworden, und auch im Boxring hat er nicht zur grossen Karriere angesetzt, doch dieses spezielle Wintertraining löste bei Strupler etwas aus – es weckte in ihm die Faszination fürs Boxen.

Der Zwischenschritt

«Boxen setzt Emotionen frei, die in anderen Sportarten nicht erlebt werden können», sagt Strup­ler und erwähnt die spezielle Ausgangslage, dass Boxer viel weniger Möglichkeiten hätten, sich zu beweisen, als beispielsweise Fussballer – in einem einzelnen Kampf also ungleich mehr auf dem Spiel stehe.

Lange Zeit konnte der Berner diese Emotionen nur als Zuschauer erleben, im ­Oktober letzten Jahres wurde er aber erstmals zum Veranstalter eines Boxevents, als unter anderen Viviane Obenauf sowie sein guter Freund Gabor Vetö im Kubus von Konzert Theater Bern auf dem Waisenhausplatz kämpften. «Kultur im Ring» heisst das Konzept, das Boxen und Kultur an ­bisweilen ungewöhnlichen Orten vereint und dank des speziellen Rahmenprogramms auch für Nicht-Boxfans interessant sein soll.

Dreimal hat Strupler einen solchen Event durchgeführt, die Resonanz war durchwegs positiv. Ein grosser Erfolg sei «Kultur im Ring» gewesen, sagt Strupler, bezeichnet diese Veranstaltungstrilogie aber ganz bewusst als «Zwischenschritt». Nun steht der nächste an.

Der Vermittler

In diesem Jahr amtet Strupler erstmals als Veranstalter des traditionellen Boxing Day, der auch in diesem Jahr am Stephanstag im Kursaal über die Bühne gehen wird (siehe Kasten). Strupler hat die Geschicke von Daniel Hartmann übernommen, der sich nach zwölf Jahren aus dem Profiboxgeschäft zurückgezogen hat, um sich dem Schreiben seines Romans zu widmen.

«Ich fühle mich geehrt, dass ich diese Tradition weiterführen kann», sagt Strupler. Anders als sein Vorgänger kommt er nicht aus der Boxszene, sondern betreibt seit vier Jahren seine eigene Kommunikationsagentur LS Creative. Diese Position als Aussenstehender will Strupler zu seinem Vorteil nutzen, die Berner Boxszene einigen, in der in den letzten Jahren immer wieder Konflikte und Machtkämpfe zwischen den einzelnen Klubs aufflammten.

«Ich bin ein Goldfisch in einem Haifischbecken», sagt Strupler mit einem Augenzwinkern und fügt an, dass es manchmal sicherlich eine Herausforderung werden könne, zwischen den Klubs als Vermittler zu fungieren.

Aber er habe mit allen einen guten Austausch. Für Nebenschauplätze bleibt sowieso keine Zeit, auch am Boxing Day verzichtet Strup­ler bewusst darauf, den Event mit einem künstlerischen Rahmenprogramm für ein breiteres ­Publikum zu öffnen.

«Boxen steht ganz klar im Vordergrund.» Strupler will jedoch nicht nur die Berner Tradition des Boxing Day aufrechterhalten, sondern den Sport als Ganzes weiterbringen.

Für ihn ist klar: «Boxen ist in der Schweiz unterentwickelt. Ich sehe viel Potenzial.» Strupler hat Visionen, behält die aber meist lieber für sich. Er träumt davon, mal im Stadttheater einen Box­event zu organisieren. Und dass er in Bälde auch Titelkämpfe wird durchführen können.

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