Der VBC Uni Bern zieht sein Team per sofort zurück

Das einzige Berner NLA-Männer-Volleyballteam wird diese Saison nicht zur Meisterschaft antreten. Für den Verein hat dies eine Busse sowie eine mehrjährige Sperre zur Folge.

Das darf doch nicht wahr sein – Uni Bern zieht sein NLA-Team zurück.

Das darf doch nicht wahr sein – Uni Bern zieht sein NLA-Team zurück.

(Bild: Manuel Zingg)

Marco Spycher

Am Montagabend beschloss der Vorstand des Volleyball-Clubs Uni Bern den Rückzug seines Männerteams aus der NLA. Der Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte ist damit Tatsache, das einzige Berner Männer-Volleyballteam der NLA weg. «Ich versuchte alles, konnte aber nichts mehr ändern», sagt Jan Wenger, Präsident des VBC Uni Bern. Das Unheil hatte schon Monate zuvor seinen Lauf genommen. Per Ende Februar müssen die Clubs jeweils im Rahmen der Club­lizenzierung gegenüber Swiss Volley bestätigen, dass sie die nachfolgende Saison in der NLA spielen wollen. Der damalige Uni-Bern-Vorstand tat dies.

Nun zieht sich der Club fünf Monate später doch zurück. Weil der Rückzug verspätet erfolgt, hat er für Uni Bern eine Busse in Höhe von 14'000 Franken und eine vierjährige Sperre für die NLA zur Folge. «Wir haben den Anschluss verpasst», sagt Wenger. Warum der Vorstand nicht früher eingriff und das Gespräch mit neuen Spielern suchte, bleibt auch für ihn ein Rätsel.

Erst seit sechs Wochen amtet Wenger als Präsident. Er bildete eine Gruppe, die das sinkende Schiff retten sollte. «Wir hatten in der vergangenen Saison zu viel Arbeit auf zu wenig Schultern verteilt. Dadurch waren wir mit allem zu spät.» Das summierte sich. Wenger versuchte noch, Sponsoren zu akquirieren, Geldquellen zu erschliessen. Ohne Erfolg. Bei seinem Einstand als Präsident waren noch fünf Spieler Teil des Teams. Es war unmöglich, in derart kurzer Zeit eine NLA-Mannschaft zu bilden.

Verband sieht Probleme

Bereits letztes Jahr hatte Volley Köniz das Frauenteam zurückgezogen. Nun trifft es also die Männer von Uni Bern. «Wir haben Lehrgeld bezahlt. Aber hoffentlich sehen die Verbandsverantwortlichen ein, dass es als Volleyballclub in der Schweiz nicht so einfach ist», sagt Wenger.

«Wir stellen aus der Distanz fest, dass der Schritt zur Professionalisierung für viele Vereine eine grosse Hürde darstellt», erklärt Werner Augsburger, CEO von Swiss Volley. Aus diesem Grund wurde 2018 vom Zentralvorstand eine Taskforce ins Leben gerufen. Unter der Leitung von Dominik Joos, Mitglied des Zentralvorstandes, prüfen mehrere Clubvertreter die NLA und arbeiten an Vorschlägen, wie die Nationalliga künftig ausgerichtet und organisiert werden könnte. Im Herbst sollen erste Ergebnisse vorliegen. «Wir wollen dadurch die Idealbilder der Liga wie auch der NLA-Clubs analysieren. Und auch die Idealfunktion von uns als Verband», sagt Augsburger. So sei es möglich, dass die NLA bald nur noch aus acht und nicht wie bis anhin aus zehn Teams bestehe.

Die am 12. Oktober beginnende NLA-Meisterschaft wird durch den Rückzug von Uni Bern von neun statt wie geplant von zehn Mannschaften bestritten. Der Modus wird beibehalten. Die Spiele gegen Uni Bern entfallen für die restlichen Clubs. «Leider mussten wir in der Vergangenheit schon unsere Erfahrungen mit einer Neunerliga machen», sagt Augsburger. «Den Teams, die auch international im Einsatz stehen, könnte ein spielfreies Wochenende sogar entgegenkommen.»

Wenger hat eine Vision

Zumindest die nächsten vier Jahre wird das Männerteam von Uni Bern also nicht mehr der höchsten Liga angehören. Trotzdem sei nicht alles schlecht, berichtet Wenger. «Sonst geht es uns eigentlich gut, sehr gut. Der neue Vorstand ist mit jungen und motivierten Leuten besetzt.» Er sagt sogar, der Verein sei so gut aufgestellt wie schon lange nicht mehr. Man wolle das Beste aus der Situation machen.

Der Club verfügt immer noch über zwei weitere Männermannschaften, die in der 1. und der 2. Liga spielen. «Wir wollen mit unserer 1. Mannschaft in die NLB aufsteigen», hält Wenger optimistisch fest. «Zudem konnten wir viele Leute für unsere Organisation gewinnen, und die Eltern der Junioren engagieren sich.» Der VBC Uni Bern ist einer der Vereine im Kanton Bern, die junge, begeisterte Volleyballspieler im grossen Stil ausbilden. In den fünf Nachwuchsequipen befinden sich rund 60 Junioren.

Wengers Vision ist klar: «Da wir jetzt nicht mehr in der NLA spielen können, setzen wir den Fokus auf unsere Nachwuchsabteilung. In diesen Bereich wollen wir investieren.»

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