«Die Formel E ist cool, die Rennen sind interessant»

Sébastien Buemi war 2014 Langstrecken-Weltmeister, 2016 Formel-E-Weltmeister und gewann 2018 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Am E-Prix in Bern ist der 30-jährige Waadtländer die Schweizer Hoffnung.

«230 bis 240 km/h in einer Stadt ist ziemlich schnell»: Rennfahrer Sébastien Buemi freut sich auf das Formel-E-Rennen in Bern. Video: Peter Berger
Peter Berger@PeterBerger67

Sébastien Buemi, Sie haben am Donnerstag erstmals Abschnitte der Formel-E-Strecke in Bern gesehen und mit dem Privatauto abgefahren, darunter den Aargauerstalden. Ihre Eindrücke?
Als ich sah, wie steil es da hinabgeht, war ich beeindruckt. So eine Passage wird für alle Fahrer ein Novum sein. Ich glaube, hier werden wir die Höchstgeschwindigkeit der ganzen Saison realisieren.

Mit was für Tempi rechnen Sie?
Schwierig zu sagen, mindestens 230, 240 km/h dürften es schon sein. In einer Stadt ist das viel, ich freue mich darauf. Aber die gesamte Strecke, auch mit den engen Kurven, wird eine grosse Herausforderung für alle Teams und Fahrer. Wir werden uns im Simulator sehr gut vorbereiten müssen.

Bisher lief Ihre Saison durchzogen. Sie lagen zwar in mehreren Rennen schon öfters in Führung, besser als auf Platz 5 waren Sie jedoch nie klassiert.
Das ist eine schwierige und frustrierende Saison für mich. Wir haben zwar gezeigt, dass wir schnell sein können, doch wir begingen zu viele Fehler und beklagten technische Probleme. Dazu kam Pech, etwa in Paris, als ich in Führung liegend einen Reifenschaden erlitt. Trotzdem bin ich weiterhin zuversichtlich und freue mich auf die Rennen in Berlin und Bern, denn irgendwann werden wir erfolgreich sein. Ich hoffe spätestens in Bern.

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Nach vier Jahren für das Team Renault e.dams, mit dem Sie 2015/16 Weltmeister geworden sind, fahren Sie nun für Nissan e.dams. War die Umstellung schwierig, oder gab es keine spürbaren Veränderungen?
Natürlich war es eine Umstellung. Ich möchte nicht sagen, dass diese schwierig war, aber Nissan ist neu in der Formel E. Und ein Anfang ist nie einfach. Startschwierigkeiten waren deshalb vorprogrammiert. Aktuell belegen wir Rang 5 von 11 Teams, wir wollen mehr und streben so schnell wie möglich einen Podestplatz an.

Eine Woche vor dem E-Prix in Bern fahren Sie mit Toyota in der Langstrecken-WM noch das 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Zusammen mit ihren dortigen Teamkollegen Fernando Alonso und Kazuki Nakajima führen Sie diese Wertung an. Kommen Sie als Weltmeister nach Bern?
Das wäre optimal. Le Mans wird jedoch wie immer schwierig. Klar wäre es ein cooles Feeling, wenn wir gewinnen könnten.

Reicht danach eine Woche, um vom Langstrecken-Boliden auf das Formel-E-Auto umzustellen?
Ja, ich werde sofort nach dem Rennen umschalten. Montag und Dienstag verbringe ich im Simulator für den E-Prix. Am Mittwoch treffe ich schon in Bern ein.

Es gibt Kritiker, die sagen, Formel E sei kein Motorsport, weil es keinen Motorenlärm und keine Abgase gebe. Sie kennen beide Seiten, was sagen Sie diesen Leuten?
Mir ist es egal, was die Leute sagen. Ich finde, die Formel E ist cool, die Rennen sind interessant. Immer mehr Hersteller stossen hinzu. Nächstes Jahr steigen Porsche und Mercedes ein. Klar ist es kein herkömmlicher Motorsport, aber wir haben bewiesen, dass wir einen Platz in der Szene verdient haben.

Sie fahren die Langstrecken-WM und die Formel E. Dazu sind Sie auch noch Formel-1-Testfahrer für Red Bull Torro Rosso. Wie sieht die Zukunft aus?
Das bleibt weiterhin so.

Berner Zeitung

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