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Die NBA-Saison droht auszufallen

Weil sich Liga und Spielergewerkschaft nicht über einen neuen Tarifvertrag einigen können, ist in den USA nach der Football- auch die Basketball-Saison 2011/12 gefährdet.

Billy Hunter pessimistisch: Schon vor der letzten Verhandlungsrunde glaubt der Gewerkschaftsführer, dass keine Einigung erzielt wird.
Billy Hunter pessimistisch: Schon vor der letzten Verhandlungsrunde glaubt der Gewerkschaftsführer, dass keine Einigung erzielt wird.
Keystone

Im Tarifstreit in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA ist der erste Spielausfall (Lockout) seit dreizehn Jahren perfekt. Wenige Stunden vor Ablauf des alten Tarifvertrags erklärten die NBA und die Spielergewerkschaft NBPA die Verhandlungen für gescheitert. Seit Mitternacht (Ortszeit) ruht daher der Basketball-Betrieb. Bis sich die Parteien auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt haben, bleiben die Spieler, unter anderen der Deutsche Dirk Nowitzki, ausgesperrt.

Liga und Spieler liegen nach Aussage der Spieler-Gewerkschaft NBPA derzeit noch etliche Milliarden Dollar auseinander. NBA-Commissioner David Stern hatte am Donnerstagabend erklärt, er werde dem Gewerkschaftsausschuss den Lockout zu seinem eigenen Kummer wohl empfehlen. Es ist den Teams damit untersagt, jedweden Kontakt mit den Spielern aufzunehmen. Beim letzten Spielausfall in der Saison 1998–99 fanden nur 50 Spiele statt. Es war das erste Mal, dass die NBA wegen einer Arbeitseinstellung Spiele verpasst hatte.

Klubs wollen strengere Obergrenze

Stürmerstar Antawn Jamison von den Cleveland Cavaliers gab sich kampfbereit. Die Spieler seien bereit, eine ganze Saison zu opfern, statt sich den Forderungen der Eigentümer zu beugen. Anders als 1999, als die Spieler «einknickten», gebe es jetzt mehr Zusammenhalt. Er nannte Stars wie LeBron James und Dwyane Wade, die das Anliegen der Gewerkschaften voll unterstützten.

Im Kern geht es um die Verteilung der Einnahmen. Derzeit fliessen 57 Prozent der Gelder in die Taschen der NBA-Profis. Die Gewerkschaft bietet eine Reduzierung auf 54,3 Prozent für die kommenden fünf Jahre an. Die Liga-Offiziellen wollen stattdessen einen Zehnjahresvertrag abschliessen und eine strengere Gehaltsobergrenze (Salary Cap) durchsetzen. Im vergangenen Jahr durften die Klubs offiziell 58 Millionen Dollar ausgeben, eine strikte Grenze gab es aber nicht. Champion Dallas Mavericks beispielsweise zahlte deutlich über 70 Millionen Dollar an seine Spieler. Die Differenz von sieben Milliarden Dollar gibt die NBPA für einen Zehnjahreszeitraum an.

Klassenkampf made in USA

Erst zum zweiten Mal in der Geschichte kommt es gleichzeitig zum Aussperren der Spieler in zwei der vier grossen US-Sportarten. 1994 führten Lockouts in der NHL und MLB im Eishockey und Baseball zu Saisons mit einem reduzierten Spielbetrieb. Derzeit ruht der Betrieb nicht nur in der NBA, sondern auch in der NFL (American Football). Derweil die Footballer ihren viermonatigen «Streik» noch vor den ersten Vorbereitungsspielen aber beenden werden, droht den Basketballprofis und mit ihnen dem Schweizer Thabo Sefolosha mehr Ungemach: Die Liga und die Spielergewerkschaft liegen in ihren Vorstellungen in praktisch allen Bereichen noch sehr, sehr weit auseinander.

Den letzten erheblichen «Lockout» produzierte vor gut sechs Jahren in Übersee die National Hockey League (NHL). Damals fiel eine gesamte Saison ins Wasser, was viele Profis zu einem Abstecher in eine europäische Liga nutzten. Im Gegensatz zum Hockey (Joe Thornton bei Davos etc.) ist im Basketball aber nicht damit zu rechnen, dass sich die Schweizer Spitzenklubs, falls die nächste NBA-Saison gestrichen wird, Söldner vom Kaliber eines Dirk Nowitzki leisten würden.

dapd/ si/ot

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