Die perfekte Kombination

Ilona Hannich hat sich kontinuierlich in die erweiterte internationale Voltige-Spitze vorgearbeitet. Die 23-jährige Bernerin steht kurz vor der ­Selektion für die Weltreiterspiele in den USA.

Akrobatin zu Pferd: Ilona Hannich bereitet sich auf den Heimwettkampf in Bern vor.

Akrobatin zu Pferd: Ilona Hannich bereitet sich auf den Heimwettkampf in Bern vor.

(Bild: Christian Pfander)

Reto Pfister

Wie viele Mädchen liebte auch Ilona Hannich Pferde. Und als Kind turnte sie in der Wohnung herum. Das führte sie als 8-Jährige erstmals ins Nationale Pferdezentrum (NPZ) in Bern. Und sie hatte ihre Sportart gefunden. Voltige, das Turnen auf dem Pferderücken, ist für sie bis heute die perfekte Kombination.

23 ist sie mittlerweile, und sie ist kontinuierlich Richtung gutes internationales Niveau vorgestossen. Zwanzig Stunden pro Woche beträgt der Trainings­umfang ­inzwischen, geübt wird täglich ausser sonntags. Und bald könnte sie ein grosses Ziel erreicht haben. «Es wäre ein riesiger Traum, dessen Realisierung in greifbare Nähe gerückt ist», sagt sie. Mit Nadja Büttiker, Ma­rina Mohar, Pascale Wagner und Hannich sind vier Schweizerinnen Kandidatinnen für drei Startplätze an den Weltreiterspielen in Tryon (USA) im September; Hannich besitzt als ak­tuelle Neunte der Weltrangliste gute Karten.

Wenig Geld im Spiel

Voltige ist kein Sport, in dem viel Geld verdient werden kann. Selbst die Spitzenleute sind Amateure. Ilona Hannich studiert Psychologie, hat die Zeit bis zum Erwerb des Bachelorabschlusses auf vier Jahre ausgedehnt. «Bis jetzt ist alles gut nebeneinander vorbeigegangen», sagt sie. Hannich meint, dass es einerseits schön wäre, Voltige zum Beruf machen, davon leben zu können. «Ich liebe den Sport, ich würde die Chance wohl ergreifen», sagt sie. Andererseits bleibe durch den Amateurstatus die Sportart unverdorben, etwa in Bezug auf die Dopingproblematik. «Und die anderen Voltigierer sind Kollegen, nicht Gegner», spricht sie einen wichtigen Punkt an.

Man hilft sich aus, wenn etwa ein für internationale Wettkämpfe taugliches Pferd benötigt wird. Im NPZ Bern wird der Wallach Colonel ausgebildet, für ganz grosse Aufgaben wie Welt- und Europameisterschaften ist er noch nicht bereit. So wird Hannich, am CVI von Bern, der am Wochenende stattfindet, erstmals auf Acardi starten, einem Pferd der in der Schweiz füh­renden Ostschweizer Voltigegruppe Lütisburg. «Ich bin sehr flexibel», sagt sie. «Ich kann mich darauf einstellen, auf verschiedenen Tieren meine Übungen zu machen.»

Der Wettkampf vom Wochenende ist für Ilona Hannich in vielerlei Hinsicht ein spezieller Anlass. Die Voltigierer des NPZ Bern können ihn in einer Halle bestreiten, die sie sehr gut kennen. Als Mitglied des organisierenden Vereins muss die Bernerin jedoch auch Helferdienste leisten. «Verkehr, Festwirtschaft, Auf- und Abbau», zählt sie die Bereiche auf, in denen sie eingesetzt ist. In sportlicher Hinsicht ist der Berner CVI ebenfalls sehr wichtig. Die Ergebnisse fliessen in den ­Selektionsentscheid für die ­Weltreiterspiele mit ein. Kurz ­danach sollte bekannt sein, wer nach Nordamerika fliegen kann. Und ob Hannichs Traum zur Realität werden wird.

Sollte es so weit kommen, könnte ihr die Flexibilität zum Vorteil gereichen. Der Schweizer Verband finanziert den Transport von fünf Voltigepferden, innerhalb der Schweizer Dele­gation muss nach der Selektion festgelegt werden, wer auf wem antritt. Der letzte Höhepunkt soll eine allfällige Teilnahme an den Weltreiterspielen für Hannich auf jeden Fall nicht sein. «Ich möchte noch einige Jahre voltigieren. Es gibt mittlerweile Spitzenleute, die mit 30 noch mit dabei sind.» Die perfekte Kombination aus Turnen und Pferdesport wird noch einige Jahre zu ihrem Leben gehören.

Berner Zeitung

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