Die Professionalisierung beginnt immer früher

Orientierungslauf

An der Weltspitze markieren die Berner seit langer Zeit Präsenz. Die künftigen Aushängeschilder stehen ab heute in Finnland im Einsatz, die 23-fache Weltmeisterin Simone Niggli ist als Trainerin zurückgekehrt.

Auf Juniorenstufe überragend: Simona Aebersold und Joey Hadorn dürften den Kanton Bern künftig in der Weltspitze vertreten.

Auf Juniorenstufe überragend: Simona Aebersold und Joey Hadorn dürften den Kanton Bern künftig in der Weltspitze vertreten.

(Bild: zvg)

Orientierungslaufen und der Kanton Bern – das passt zusammen. An der WM von letzter Woche in Estland stammten vier der elf Schweizer Teilnehmer aus dem Bernbiet, obwohl die Mutterfreuden entgegenblickende Weltmeisterin Judith Wyder fehlte. Der Einzelmedaillengewinn blieb aus, Sabine Hauswirth und Florian Howald gehörten aber der auf Rang 3 gelaufenen Sprintstaffel an.

Heute fällt in Tampere die erste Entscheidung an der Junioren-WM, und es erstaunte, sollte erneut kein Berner Vertreter auf dem Podest eines Einzelwettkampfs stehen. Begründen lässt sich die Einschätzung mit zwei Namen: Simona Aebersold und Joey Hadorn.

Demut und akribische Vorbereitung

Vergangenen Sommer, als die Junioren-WM im Engadin aus­getragen wurde, liessen sich die Maturaabsolventin aus Brügg bei Biel und der Fahrradmechaniker aus Fahrni bei Thun je drei Goldmedaillen umhängen. Die 19-jährige Seeländerin und der 20-jäh­rige Oberländer heben unabhängig voneinander den Mahnfinger, stellen klar, sie hätten in Scuol vom Heimvorteil profitiert und im finnischen Gelände werde es nicht in diesem Stil weitergehen.

Wer sie auf ihre Ziele anspricht, bekommt das Wort «Medaille» trotzdem zu hören – spätestens im dritten Satz. Wer sich länger mit ihnen unterhält, registriert rasch, dass die Junioren-WM-Teilnahme in der Randsportart OL wenig bis nichts mit einem Abenteuer zu tun hat. Die Athleten wissen, was sie erwartet; sie haben sich ­akribisch darauf vorbereitet.

Das Know-how und das NLZ

Hadorn hält fest, er habe acht Trainingswochen in skandinavischem Gelände verbracht, und spricht vom Minimum. Aebersold erzählt von einer Wohnung in Tampere, die sie ein Jahr lang gemietet hat, gemeinsam mit Valérie Aebischer, einer Nationalkaderkollegin aus Schmitten. «Wir waren nicht permanent dort, aber oft.» In dieser Zeit habe sie mehr oder weniger ein Profileben geführt, sagt Aebersold.

Die stete Präsenz des Kantons Bern an der Weltspitze führt Hadorn auf das «erstklassige Know-how» zurück. «Die Spitzenathleten engagieren sich nach ihrer Karriere wieder, sorgen für eine gute Nachwuchsförderung.» Aebersold erwähnt das Nationale Leistungszentrum (NLZ) in Bern, sagt, es werde «fast täglich» ein OL-Training angeboten. Hadorn spricht über Simone Niggli, die «eine Inspiration» sei und wie viele andere zurückgekehrt sei.

Der Hunger und der Rost

Die 23-fache Weltmeisterin amtet seit November als Assistentin ihrer langjährigen Nationalteamkollegin Vroni König-Salmi, welche die Schweizer Frauenequipe betreut. Im Rahmen eines 15-Prozent-Pensums kümmert sich die 39-Jährige um die jüngeren Kadermitglieder. Der zeitliche Rahmen der Tätigkeit ist überschaubar, als dreifache Mutter hat die Münsingerin wichtigere Aufgaben zu meistern.

Auf Aebersold und Hadorn angesprochen, betont Niggli die rasante Entwicklung, sagt, «Simona und Joey trainieren wesentlich höhere Umfänge als ich in diesem Alter». Zudem sei die Vorbereitung auf dieser Stufe professioneller geworden, längere Skandinavien-Aufenthalte seien in ihrer Nachwuchszeit kein Thema gewesen. «Im Winter legten wir die Karten und den Kompass zur Seite.» Was den Vorteil gehabt habe, dass sie im Frühling wieder hungrig gewesen sei. «Heute laufen die Jungen dafür nicht mehr Gefahr, dass die Technik im Winter Rost ansetzt.»

Niggli sagt, das NLZ Bern sei eine zentrale Stütze, wer in der Region wohne, habe einen Standortvorteil. Die Basis jedoch blieben die Vereine und in vielen Fällen das Elternhaus. Wie Figura zeigt: Joey Hadorns Vater Daniel Hadorn ist Präsident des in Schlosswil ansässigen Vereins OL Norska, Simona Aebersolds Vater Christian Aebersold drei­facher Staffel-Weltmeister.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt