Die Stoos-Wirkung

Am Sonntag treten die Berner Schwinger auf dem Stoos erstmals in dieser Saison als Mannschaft an. Ihre letzte Teilnahme am Bergkranzfest in der Innerschweiz war eine mit Folgen.

«Zäme si mir starch»: Die Berner Schwinger bei der mittäglichen Aussprache am Stoos-Schwinget 2014.

«Zäme si mir starch»: Die Berner Schwinger bei der mittäglichen Aussprache am Stoos-Schwinget 2014.

(Bild: Keystone)

Reto Kirchhofer@rek_81

In der Ferne falten sich der Kleine und der Grosse Mythen auf. Im Vordergrund entsteht ein kleiner Kreis mit grosser Wirkung. Es ist Mittag auf dem Stoos. Für die Besucher des ersten Bergkranzfests im Jahr 2014 gibt es Wurst und Bier – für die Berner Schwinger eine Aussprache, die Christian Stucki später als «Krisensitzung» bezeichnen wird.

Zum ersten Mal treten die Berner unter neuer Führung an einem Bergfest an. Der Oberaargauer Peter Schmutz hat das Amt des Technischen Leiters von Samuel Feller übernommen, der rekonvaleszente Schwinger Stefan Sempach und der frühere Ringer Dieter Haller wurden als Betreuer installiert. In dieser Zusammensetzung starten die Berner in einen neuen Zyklus. Doch die Leistungen korrespondieren sogleich nicht mit den Ansprüchen.

Nach drei Gängen sind nur fünf BKSV-Athleten in den Top 20 zu finden. Und so kommt es zum Rendez-vous am Mittag. Im Kreis finden die Berner Halt und die richtigen Worte. Am Abend dürfen sich Kilian Wenger und Stucki als Festsieger feiern lassen. Wenger sagt: «Wir haben gesehen, dass es wirklich jeden benötigt, damit wir als Mannschaft erfolgreich sein können.»

Das Bild zum Leitspruch «Zäme si mir starch»

Vier Jahre später sagt Peter Schmutz: «Der Stoos war für uns ein Startschuss mit Signalwirkung. Wir waren im Vorfeld supernervös gewesen, und trotz des Festsiegs wurde uns im Nachgang bewusst: So wird es nicht funktionieren.» Aufgrund der Erfahrungen wurden Änderungen in die Wege geleitet, die der Teamchef unter dem Begriff «Professionalisierung» zusammenfasst.

«Der Stoos war für uns ein Startschuss mit Signalwirkung. Trotz des Festsiegs wurde uns im  Nachgang bewusst: So wird es nicht funktionieren.»Peter Schmutz

Es handelt sich etwa um ein koordiniertes Aufwärmprogramm vor den Festen und eine verbesserte Kommunikation. Zudem wurde das eingangs beschriebene Sujet zum Symbolbild des Berner Leitspruchs «Zäme si mir starch». Seither wird das Foto vom Stoos samt Schriftzug und Berner Wappen an jedem grösseren Fest in der Garderobe als Zeichen des ­Zusammenhalts aufgehängt.

Am Sonntag kehrt die Berner Mannschaft auf die Stooswiese zurück. Dazwischen liegen vier Jahre des Erfolgs. Sämtliche Anlässe mit eidgenössischem Charakter endeten mit einem Berner Triumph: Matthias Sempach gewann den Kilchberg-Schwinget 2014, Matthias Glarner das «Eidgenössische» 2016, Stucki das Unspunnenfest 2017.

Zudem stellten die Berner in dieser Zeitspanne bei 15 Teilnahmen an Bergfesten nur in zwei Fällen keinen Gewinner: 2015 am Schwarzsee (Sieger Joel Wicki) und im Vorjahr auf der Schwägalp, als der Emmentaler Thomas Sempach im Schlussgang dem Nordostschweizer Daniel Bösch unterlag.

Jüngeres Team, gleiches Ziel:

Der Festsieg

«Das ist eine schöne Bilanz – aber sie spielt für mich keine Rolle», sagt Schmutz. Für ihn sind Gegenwart und Zukunft von Relevanz. Und der Teamchef ist sich bewusst, dass die Erhaltung des Status quo zu einer immer grösseren Herausforderung wird.

Einerseits wird dem Gros der stärksten Berner Schwinger in absehbarer Zeit die Schlussminute in der Karriere angesagt. Andererseits besitzen die konkurrierenden Teilverbände einige Ausnahmetalente, die den Schwingsport in den nächsten Jahren prägen werden. Als Erstes sind Samuel Giger, Armon Orlik und Wicki zu nennen.

«Auch unser Team ist jünger geworden», sagt Schmutz. «Natürlich werden wir nicht mehr diese Dominanz erreichen. Aber hinter den Arrivierten haben sich einige Athleten sehr gut entwickelt.» Er denkt an Ruedi Roschi, der «einen grossen Schritt gemacht hat»; an Curdin Orlik, «der uns stärker macht»; an Matthias Aeschbacher, an Kilian von Weissenfluh. «Und Remo Käser ist als mehrfacher Festsieger erst 21 Jahre alt.»

Das Quintett soll am Sonntag mithelfen, dass die Berner das Duell mit den Innerschweizern für sich entscheiden. «Unser Ziel ist der Festsieg», sagt Schmutz – verbunden mit der Hoffnung, dass seine Schützlinge auf 1300 Meter über Meer dieses Mal von Beginn an auf der Höhe sein ­werden.

bernerzeitung.ch ­berichten am Sonntag ab 8.30 Uhr live vom Stoos.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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