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Ein «Böser» will böser werden

Zwei Kranzfeste, zwei fünfte Plätze: Bis anhin ist Christian Stucki der grosse Wurf noch nicht geglückt. Das soll sich möglichst schnell ändern. «Ich muss mehr angreifen», sagt der Lysser vor dem «Seeländischen» am Sonntag in Meinisberg.

Gigant mit Reserven: Christian Stucki möchte am Sonntag in Meinisberg zeigen, wer im Ring der Chef ist.
Gigant mit Reserven: Christian Stucki möchte am Sonntag in Meinisberg zeigen, wer im Ring der Chef ist.
Andreas Blatter

Ein «Böser» ist Christian Stucki zweifellos. So werden bekanntlich die besten Schwinger bezeichnet, und mit 112 Kränzen gehört der Seeländer ohne Frage zu dieser Gilde. Doch obwohl er mit seinen 1,98 Metern Grösse und rund 150 Kilogramm furchteinflössend wirkt: Stucki ist keineswegs böse. Vielmehr ist er ein Sympathieträger; nicht zuletzt, weil er sich nicht so ernst nimmt, ihm Verbissenheit fernliegt.

Und so überrascht es kaum, reiste der Lysser im April mit seiner Familie und Freunden im Camper drei Wochen lang durch die USA, derweil sich die Konkurrenz den letzten Schliff für die Saison holte. Die Ferien hätten ihm gutgetan, hält Stucki fest: «Ich konnte die Zeit mit meinen Kindern und meiner Frau geniessen, während der Saison müssen sie wieder etwas hintenanstehen.»

Wegen des Wetters habe er nicht zu früh nach Florida reisen wollen. «Nun hatten wir drei Wochen lang Sonnenschein, das tat Körper und Geist gut.» Aber war der Zeitpunkt, so kurz vor dem Auftakt, richtig gewählt? Stucki mag sich darüber nicht zu viele Gedanken machen, meint in seiner typisch gelassenen Art: «Ma foi, tant pis.»

«Etwas mehr Mut haben»

32 Jahre alt ist Stucki mittlerweile, das Alter mache sich zuweilen bemerkbar, meint er lächelnd. «Ich bin froh, wenn ich am Morgen nach einem Schwingfest einigermassen anständig aufstehen kann.» Er spüre, dass sein Körper mehr Regenerationszeit brauche. «Dafür kann ich das mit der Erfahrung wettmachen.»

«Ich bin froh, wenn ich am Morgen nach einem Schwingfest einigermassen anständig aufstehen kann.»

Christian Stucki

Zwei Kranzfeste hat Stucki nun bestritten. Vor zwei Wochen in Heimenschwand belegte er ebenso Rang 5 wie am «Bern-Jurassischen» vom letzten Sonntag. Mit je zwei Gestellten brachte er sich jeweils um die Schlussgangteilnahme. «Ich bewegte mich noch nicht auf meinem Toplevel, es fehlte manchmal die Aggressivität. Aber das werde ich an den kommenden Festen ändern können», sagt er.

Die Aggressivität – sie ist ein altbekanntes Thema bei Stucki. Schon oft hat sich der Hüne um ein Topresultat gebracht, weil er im entscheidenden Moment einen defensiv eingestellten Schwinger nicht zu bodigen vermochte. «Es ist nicht so einfach, wie es von aussen aussieht», meint Stucki. «Aber klar, in solchen Situationen muss ich etwas mehr Mut haben, mehr angreifen, den Gegner bearbeiten.» Oder anders gesagt: Der «Böse» muss böser werden.

«Nicht verunsichern lassen»

Eine erste Gelegenheit, den Gegnern einzuheizen, erhält Stucki am Sonntag – ausgerechnet in seiner Heimat. Am «Seeländischen» in Meinisberg treten neben den Schwingerkönigen Kilian Wenger und Matthias Glarner weitere ambitionierte «Eidgenossen» an, Spannung ist garantiert.

Viermal vermochte Stucki das «Seeländische» bereits zu gewinnen, der letzte Erfolg liegt allerdings sechs Jahre zurück. «Ein Heimfest ist immer etwas Spezielles, die Erwartungen der Zuschauer sind höher. Aber darob darfst du dich nicht verunsichern lassen», sagt er. Es versteht sich von selbst, will der Lokalmatador am Sonntag vorne mitmischen, zumal es ihm gesundheitlich gut geht, er voll angreifen kann.

«Ein Heimfest ist immer etwas Spezielles, die Erwartungen der Zuschauer sind höher. Aber darob darfst du dich nicht verunsichern lassen.»

Christian Stucki

Das war vor einem Jahr nicht der Fall: Zunächst wurde er monatelang von einer Schambeinentzündung geplagt, später kam eine Oberschenkelblessur hinzu, weshalb er nur fünf Kranzfeste bestreiten konnte. «Verschissen» sei das gewesen, meint der 32-Jährige.

«Mit dem reduzierten Pensum war es schwierig für mich, aber ich habe das Beste daraus gemacht, stand dreimal im Schlussgang.» Klar habe ihn der 7. Rang am «Eidgenössischen» geärgert, doch mittlerweile habe er diesen abgehakt und schaue nach vorne. Zumal Stucki bis 2019 weiterschwingen will.

In diesem Sommer steht mit dem Unspunnen-Schwinget wieder ein Fest von eidgenössischem Charakter auf dem Programm. In Interlaken vermochte sich Stucki noch nie wunschgemäss in Szene zu setzen, weshalb für ihn klar ist: «Ich werde viel daran setzen, dort vorne dabei zu sein.»

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