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Eine Woche lang im Grenzbereich

Beat «Bidu» Baumgartner ist der einzige Athlet, der alle neun von Swiss Olympic durchgeführten Gigathlons allein bewältigt hat. Am Montag startet der verwegene Berner zu seiner zehnten Abenteuerreise quer durch die Schweiz.

Der Weg ist das Ziel: Beat «Bidu» Baumgartner stellt sich während einer Woche jeden Tag fünf Prüfungen.
Der Weg ist das Ziel: Beat «Bidu» Baumgartner stellt sich während einer Woche jeden Tag fünf Prüfungen.
Iris Andermatt

Es gibt Ausdauersportler, die träumen davon, einmal in ihrem Leben einen Gigathlon als Singleathlet zu bestreiten. Beat «Bidu» Baumgartner nimmt kommende Woche zum zehnten Mal an dieser gigantischen Prüfung teil. Der gebürtige Frutiger ist der einzige Teilnehmer, der alle von Swiss Olympic durchgeführten Gigathlons allein bewältigt hat. Ab Montag kämpft er sich sechs Tage lang als Singleathlet quer durch die Schweiz. Die Abenteuerreise beginnt in Chur; am Samstag, 13.Juli, werden die Sportler am Hauptsitz des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne von ihren Strapazen erlöst. 1120 Aktive in vier Kategorien stellen sich der Herausforderung – allein, zu zweit, im Team of 5 oder im Team 6 to 15 absolvieren sie in fünf Disziplinen (Inline, Laufen, Schwimmen, Mountainbike, Rad) 1068 Kilometer und 17850 Höhenmeter. Am Freitag gastiert der verwegene Tross in Bern, wo auf der Allmend zum City-Gigathlon gestartet wird.

«Ich liebe den Ultrasport», sagt Baumgartner. Der 39 Jahre alte Familienvater aus Mirchel ist schon lange begeistert von Rennen über lange Distanzen. «In diesen Wettkämpfen gilt es, dem Körper Sorge zu tragen, die Kräfte haushälterisch einzuteilen und dennoch an die Leistungsgrenze zu gehen», sagt Baumgartner. «Ich erlebe mentale Hochs, durchschreite Tiefs und messe mich dabei mit Gleichgesinnten. Das finde ich faszinierend.»

Schlüsselerlebnis in Biel

Der Bieler 100-Kilometer-Lauf vor 20 Jahren war das Schlüsselerlebnis gewesen. Als damals 19-Jähriger nahm er zum ersten Mal an einem Ultramarathon teil. Schon nach 20 Kilometern schmerzten ihn Blasen an den Füssen, er hatte Muskelkater, Hunger, später fror er, kurz: Es war ein Abnützungskampf bis ins Ziel. Dort angekommen, musste ihn sein Bruder stützen. «Zu Hause schaffte ich es ohne die Hilfe meines Vaters nicht in die Badewanne», erzählt Baumgartner. Um mit leuchtenden Augen anzufügen: «Trotz allem hatte ich die 100 Kilometer nach über 13 Stunden geschafft. Das war eine besondere Genugtuung.»

Die Leidenschaft zum Ultrasport lebte er später mit Teilnahmen am Inferno-Triathlon aufs Schilthorn aus. 2002, im Rahmen der Schweizer Landesausstellung, brachte Baumgartner den ersten Gigathlon erfolgreich hinter sich – 91:05:57 Stunden benötigte er für die 1477 Kilometer. «Der einwöchige Wettkampf war eine Grenzerfahrung», sagt der 1,82 Meter grosse und 78 Kilo schwere Ausdauerspezialist. Der 15. Schlussrang habe ihn ebenso erstaunt wie der Tagessieg in der letzten Etappe mit Ziel auf dem Expo.02-Gelände in Biel, meint er.

Der Singleathlet mit der ehrenvollen schwarzen Startnummer 105 freut sich auf seinen 10.Gigathlon. «Die Abenteuerreise bringt wunderbare Naturschauspiele hervor», erzählt Baumgartner. Bisherige Höhepunkte seien die Überquerung des Tomülpasses im Kanton Graubünden, die Fahrt mit den Rollerblades über ein Autobahnteilstück am Walensee und der Schwumm in den Wellen des «Qualensees» gewesen, erzählt der Gigathlonjubilar. Man kann nicht behaupten, dass Baumgartner übertrainiert in den Wettkampf steigen wird.

«In der Vorbereitung habe ich im Durchschnitt pro Tag nicht länger als 20 Minuten trainiert», sagt der liebenswürdige Berner mit einem spitzbübischen Lächeln. Das glaubt ihm keiner. Er habe natürlich Ausnahmen gemacht, schiebt er nach. So sei er hin und wieder um 3.45 Uhr in der Früh, wenn seine Familie noch schlief, aus dem Haus geschlichen, habe das Mountainbike bestiegen und eine 3-stündige Tour gemacht. Um 7 Uhr sei er pünktlich bei der Arbeit erschienen.

Mit dem Segen der Familie

Ohne das Verständnis von Ehefrau Heidi und seinen sechs Kindern Andri (Jahrgang 1999), Leonie (2001), Flurin (2003), Janis (2005), Damian (2007) und Silvan (2009) würde er sein schweisstreibendes Hobby nicht ausüben. «Die Balance zwischen Beruf, Familie und Freizeit ist mir sehr wichtig», sagt der Ultrasportler. Heidi Baumgartner gehört am Gigathlon zum dreiköpfigen Betreuerstab. «Sie hat die Kompetenz, für mich das Handtuch zu werfen, wenn sie merkt, dass die Belastungen für meine Gesundheit schädigend wären», sagt Beat Baumgartner. Auch seine Geschwister und die Eltern werden ins Gigathlonprojekt eingebunden – sie schauen nächste Woche zu den Kindern.

Sorgendisziplin Schwimmen

Manchmal verbringe er den Trainingsalltag gemeinsam mit der Familie. Dann jogge er, beladen mit einem schweren Rucksack, mit seiner Frau und den älteren zwei Kindern auf den Niesen. Oder dann lade er seine beiden jüngeren Sprösslinge in den Veloanhänger und spule einige Runden auf dem Bike ab, meint Baumgartner. Auch der 25 Kilometer lange Arbeitsweg von Mirchel nach Thun eignet sich gut als Trainingsstrecke. Baumgartner arbeitet im Spital Thun als Leiter Rettungsdienste und Leiter Pflege Notfallzentrum. Sorgen bereite ihm einzig das Schwimmen. «Zum Glück kann ich mich vom Jägerheim bis ins Eichholz treiben lassen», sagt Baumgartner schmunzelnd.

Nach dem Gigathlon macht sich Beat Baumgartner mit seiner Familie auf zum nächsten Abenteuer: «Wir radeln an die dänische Nordseeküste und zurück. Dieses Mal aber ohne Stoppuhr.»

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