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Eitel Sonnenschein

Letzten Sommer dachte Mirco Gerson mit erst 24 Jahren an Rücktritt. Nun überrascht der Belper an der Seite seines neuen Partners Adrian Heidrich. Am Freitag treffen sie am Gstaad-Major im Achtelfinal auf die Vorjahressieger Lucena/Dalhausser.

Alles im Griff: Mirco Gerson (links) und Adrian Heidrich haben es als einziges Schweizer Männerteam in den Achtelfinal geschafft.
Alles im Griff: Mirco Gerson (links) und Adrian Heidrich haben es als einziges Schweizer Männerteam in den Achtelfinal geschafft.
Keystone

Wie es denn bezüglich Zukunft aussehe, wollte Philippe Saxer, der Direktor Beachvolleyball beim Verband, letzte Woche von Adrian Heidrich und Mirco Gerson wissen. Genauer gesagt ging es ihm darum, den Puls beim Duo zu spüren. Ist es zufrieden, oder besteht Handlungsbedarf? Gerson lacht, als er diese Begebenheit erzählt. «Wir haben ihm gesagt: ‹Diese Frage kannst du dir selbst beantworten.›»

Des Belpers Laune korrespondiert in diesen Tagen bestens mit dem Sommerwetter in Gstaad. Was kaum überrascht, schliesslich sind er und der Zürcher ­Heidrich am Freitag als einziges Schweizer Team im Achtelfinal des Gstaad-Major vertreten. Als Gruppensieger genossen die beiden am Donnerstag gar einen freien Tag und hatten damit viel Zeit für die Regeneration und Vorbereitung auf das Duell gegen Nick Lucena und Phil Dalhausser. Das ist nicht annähernd eine alltägliche Situation für das Duo, muss es sich doch meistens bis zu dieser Phase eines Turniers vorkämpfen.

Der Schlüsselmoment

Heidrich – der Bruder von Anouk Vergé-Déprés Partnerin Joana – und Gerson spielen erst seit diesem Jahr zusammen. Doch sie haben sich rasch gefunden und mit dem 3. Platz am 3-Sterne-Turnier in Luzern bereits einen Podestplatz feiern können. In der Weltrangliste haben sich Heidrich/Gerson dadurch so weit nach vorne gearbeitet, dass sie nun nahe dran sind, direkt im Hauptfeld starten zu können. Was auffällt, ist die Konstanz: Den letzten «Abschiffer» gab es bei einem europäischen Satellite-Turnier Ende März in Göteborg, wo sie gegen bescheidene Konkurrenz in der Qualifikation scheiterten.

«Das war der Schlüsselmoment», sagt Gerson. «Wir wussten beide, dass so etwas nicht passieren darf. Von diesem Zeitpunkt an haben wir noch härter, noch konsequenter gearbeitet.» Seither haben Heid­rich/Gerson an jedem Turnier ­sowohl die Qualifikation als auch die Gruppenphase überstanden. Als «extrem erfolgsorientiert» bezeichnet Gerson die Zusammenarbeit. «Wir versuchen uns konstruktiv zu pushen, wir sind beide sehr fordernd, aber die Kritik ist nie persönlich gemeint. So stelle ich mir das vor.»

Aus der Krise gelernt

So gelassen und entspannt sich der 25-Jährige in diesen Tagen am Heimturnier präsentiert, so enttäuscht und wütend war er vor einem Jahr an selber Stätte und nach dem Aus in der Gruppenphase. Mit seinem damaligen Partner Michiel Zandbergen kam er überhaupt nie auf Touren, verlor den Anschluss an die Weltspitze, und wegen der raren Auftritte auf der World Tour wurde es auch finanziell eng.

Gerson also stellte alles in Frage, dachte ­sogar über einen Rücktritt nach. Letztlich kam es nach der Saison zur Trennung von Zandbergen. «Ich war zwar nie ein Fan von häufigen Partnerwechseln. Aber wir haben beide gemerkt, dass das nicht das ist, was wir uns vorgestellt hatten», sagt er. Selbiges galt auch bei Heidrich und dessen damaligem Partner, dem Aarberger Gabriel Kissling. «Deshalb wussten wir beide: Jetzt oder nie», sagt Gerson.

Heute wertet er diese schwierigste Phase seiner Karriere als positiv, weil er dadurch viel gelernt habe. Und weil die Preisgelder auf der World Tour heuer ­wieder etwas höher sind, die Sporthilfe das Duo des Weiteren unterstützt, hat sich auch seine finanzielle Lage entspannt.

Für ihn und Heidrich geht es nun Schlag auf Schlag: Bereits am Montag beginnt in Holland die Europameisterschaft, vorerst aber gilt ihre ganze Aufmerksamkeit dem heutigen Achtelfinal gegen Lucena und Dalhausser – den letztjährigen Siegern des Gstaad-Major. «Wir sind die ­Underdogs, das ist uns bewusst. Aber wir haben nichts zu verlieren, wollen keinen Respekt zeigen», sagt Gerson und lacht einmal mehr.

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