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«Er hat mir den Hintern versohlt»

Phil Taylor hat bei seinem letzten professionellen Dart-Turnier den WM-Final erreicht. Gegen den Engländer Rob Cross blieb die Legende indes chancenlos.

Weltmeister Rob Cross gewann dank des WM-Titel im Darts 400'000 Pfund.
Weltmeister Rob Cross gewann dank des WM-Titel im Darts 400'000 Pfund.
AP
Dem Neuling wird eine grosse Karriere zugetraut.
Dem Neuling wird eine grosse Karriere zugetraut.
AFP
Der Beste aller Zeiten tritt deshalb ohne Titel Nummer 17 ab: Altmeister Phil Taylor.
Der Beste aller Zeiten tritt deshalb ohne Titel Nummer 17 ab: Altmeister Phil Taylor.
AFP
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Irgendwann merkte Altmeister Phil Taylor (57), dass an diesem Abend gegen das Selbstvertrauen, die Präzision und die Nervenstärke von Jungspund Rob Cross (27) nichts auszurichten ist.

Dass es die Dartlegende aus dem englischen Stoke-on-Trent bei seinem letzten professionellen Turnier überhaupt nochmals bis in den WM-Final geschafft hatte, war ja schon ein kleines Wunder gewesen. Und deshalb hegte Taylor, seines Zeichens 16-facher Weltmeister und bester Spieler der Geschichte, trotz klarer Unterlegenheit auch keinen Groll, sondern begann jede Minute auf der grossen Bühne zu geniessen. Er legte dabei sogar Galgenhumor an den Tag, interagierte fröhlich mit den Fans, feierte gegen Ende der Partie erfolgreiche Würfe feixend und demonstrativ jubelnd.

Und als er beim Stand von 1:6 seinen zweiten Satz gewinnen konnte, plusterte sich Phil Taylor nochmals heldenhaft vor den über 3000 Zuschauern im Alexandra Palace in London auf. Seine verkappte Botschaft an die Dartgemeinde: So einen wie mich wird es so schnell nicht mehr ­geben.

Erst seit einem Jahr Profi

«Cross ist wie ich vor 25 Jahren. Er ist engagiert, unerbittlich und aggressiv. Er hat mir heute richtig den Hintern versohlt. Ich bin froh, dass ich im Final nicht 0:7 untergegangen bin», sagte Taylor nach dem einseitigen Endspiel, das er mit 2:7-Sätzen verlor. Tatsächlich gibt es zwischen Taylor, der ab diesem Jahr nur noch Showkämpfe (geplant sind über 150 Veranstaltungen) bestreiten wird, und seinem 30 Jahre jüngeren Finalgegner Cross Parallelen.

Wie Talyor gelang es Cross gleich in seinem ersten Jahr, in welchem er voll auf die Karte Dart setzte, bei der ersten WM-Teilnahme den Titel zu gewinnen. Bis vor einem Jahr war Cross, der aus dem englischen Pembury stammt, in der Szene ein unbekannter Spieler ohne Weltranglistenposition, ehe er seinen Job als Elektriker aufgab und professionell zu trainieren begann.

«Als Taylor 1990 seinen ersten Titel holte, wurde ich geboren. Dass ich nun ausgerechnet bei Taylors letztem Spiel den WM-Titel gewinne, muss Schicksal sein», erklärte ein sichtlich ­gerührter Cross, dessen Leistung eine der besten war, die statistisch je in einem WM-Final erbracht worden war.

Dabei schien es dem dreifachen Familienvater sichtlich unangenehm, vor den Augen seines Vorbilds und dem Übervater des Spiels den Pokal entgegenzunehmen. Mit einer Handbewegung winkte Cross Taylor zu sich, um gemeinsam die Trophäe zu stemmen, was Taylor zunächst jedoch ablehnte.

«Bin froh, ist der Druck weg»

«Dieser Abend gehört Phil. Es wird keinen Sportler mehr geben wie ihn», sagte Cross mit Tränen in den Augen. Taylor hingegen konnte das Brimborium, welches nach dem Final um seinen Abschied gemacht wurde, augenscheinlich geniessen. Er lachte, spielte mit dem Publikum, sang bei einem Rückblick auf seine Karriere aus voller Kehle zu einem Song seiner Lieblingsband Coldplay mit und wirkte gelöst und erleichtert. «Nach all den Jahren, in denen ich immer siegen musste, bin ich froh, dass der Druck weg ist.» Sagte es und posierte doch noch mit dem Pokal und seinem Nachfolger Cross.

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