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Schweizer Aussenseiter trifft auf Klitschko-Bezwinger

Eigentlich hat Sefer Seferi gegen Ex-Schwergewichts-Weltmeister Tyson Fury keine Chance. Warum der Schweizer trotzdem gefährlich ist.

Dario Greco
39 Jahre hat Sefer Seferi alt werden müssen, um diese grosse Chance zu erhalten. Der gebürtige Mazedonier, der seit Jahrzehnten im bernischen Burgdorf lebt und zusammen mit seinem älteren Bruder Nuri ein Box-Gym führt, kämpft am Samstagabend in Manchester gegen Ex-Weltmeister Tyson Fury.
39 Jahre hat Sefer Seferi alt werden müssen, um diese grosse Chance zu erhalten. Der gebürtige Mazedonier, der seit Jahrzehnten im bernischen Burgdorf lebt und zusammen mit seinem älteren Bruder Nuri ein Box-Gym führt, kämpft am Samstagabend in Manchester gegen Ex-Weltmeister Tyson Fury.
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Im November 2015 enttrohnte Tyson Fury sensationell den damals als unschlagbar geltenden Wladimir Klitschko. Seither hat er aber keinen Kampf mehr bestritten, sondern fiel vielmehr in ein tiefes Loch: Einer positiven Dopingprobe folgten Depressionen, der Brite verfiel dem Alkohol und den Drogen. Zwischenzeitlich brachte er 170 Kilogramm auf die Waage. Nun will er wieder angreifen.
Im November 2015 enttrohnte Tyson Fury sensationell den damals als unschlagbar geltenden Wladimir Klitschko. Seither hat er aber keinen Kampf mehr bestritten, sondern fiel vielmehr in ein tiefes Loch: Einer positiven Dopingprobe folgten Depressionen, der Brite verfiel dem Alkohol und den Drogen. Zwischenzeitlich brachte er 170 Kilogramm auf die Waage. Nun will er wieder angreifen.
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Wenn am Samstag gegen 22.30 Uhr Sefer Seferi in der einen Ringecke auf den ­ersten Gong warten wird und Tyson Fury in der anderen, dann stehen sich zwei Boxer gegenüber, deren Vorzeichen unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine wird wahrscheinlich verlieren, sagt aber von sich, er habe bereits gewonnen. Der andere muss gewinnen, könnte aber alles verlieren.

Der eine, das ist Sefer Seferi. Er ist 39 Jahre alt, verheiratet und dreifacher Vater, in Mazedonien geboren, seit bald dreissig Jahren in Burgdorf zu Hause. ­Seferi hat ein Unternehmen, führt mit seinem älteren Bruder Nuri ein Box-Gym und absolviert nebenbei eine schöne Karriere als Boxer im Cruisergewicht. 24-mal stand er in den letzten elf Jahren im Ring, als Verlierer verliess er ihn nur einmal. Das war im September 2016 gegen den Schwergewichtler Manuel Charr. Einen Kampf später feierte Charr seinen grössten Erfolg und stieg in die Bel­etage des Boxsports auf.

Dass Seferi am Samstag in Manchester gegen den einstigen Schwergewichts-Weltmeister Tyson Fury boxen darf, hat viel mit seiner Leistung gegen Charr zu tun. Kaum jemand hatte ihm damals zugetraut, über die volle Distanz von zehn Runden durchzuhalten, weil das für Cruisergewichtler im Schwergewicht normalerweise ein sehr schwieriges Unterfangen ist. Zu gross sind die physischen Unterschiede zwischen Boxern der beiden höchsten Gewichtsklassen.

Die letzten Wochen bestanden für Seferi deshalb nicht nur aus hartem Training, sondern auch aus zahlreichen Mahlzeiten. Er musste an Gewicht zulegen, «das war schwierig», sagt er. Für gewöhnlich beträgt sein Kampfgewicht 90 Kilogramm, etwa 97 Kilogramm sind es jetzt. Damit ist er immer noch mindestens 20 leichter als Fury, der ihn auch bezüglich der Körpergrösse übertrumpft: 185 treffen auf 206 Zentimeter. Seferi ist das egal, auch, dass er noch der grössere Aussenseiter ist als dazumal gegen Charr. «Für mich geht ein grosser Traum in Erfüllung», sagt er. «Fury ist der beste Boxer der Welt.»

Furys schwierige Vergangenheit

Bei dieser Aussage denkt er vermutlich an den Fury von vor zweieinhalb Jahren. Der heute 29-Jährige entthronte im November 2015 sensationell Wladimir Klitschko und fügte dem Dominator im Schwergewicht die erste Niederlage seit elf Jahren zu. Was danach folgte: eine positive Dopingprobe, damit verbunden eine Sperre, Depressionen, ­Alkohol- und Drogenprobleme, der Verlust seiner WM-Gürtel und der Lizenz.

Keinen einzigen Kampf hat Fury mehr bestritten, zwischenzeitlich wog er über 170 Kilogramm. Der Engländer mit der grossen Klappe hatte keine Hemmungen, seinen dicken Bauch in der ­Öffentlichkeit zur Schau zu stellen. Doch in den vergangenen Monaten arbeitete er hart an seinem Comeback – und kürte Seferi zu seinem Herausforderer. «Die ­albanischen Typen sind sehr hart. Er ist ein entfernter Verwandter eines Barbaren, und der war ein mazedonischer ­König», begründete er seine Wahl. Diese hat durchaus ihre Logik: Fury suchte einen Gegner, der möglichst über die volle Distanz mithalten kann, ihm aber nicht zu gefährlich wird. Er muss Praxis in einem Ernstkampf sammeln, um ­längerfristig die Weltmeister Anthony Joshua und Deontay Wilder herausfordern zu können.

Nicht der Beste im Einstecken

Für Fury ist der Kampf ein Zwischenschritt in einem grossen Plan – den ­Seferi durchkreuzen könnte, wenn er gewänne. Furys viel beachtetes Comeback fände ein jähes Ende, seine Karriere vermutlich ebenso. «Er steht unter enormem Druck», sagt Seferi. «Ich habe bereits gewonnen.» Seferi boxt nicht nur um die bisher höchste Kampfbörse, es ist der Höhepunkt seiner Karriere. Seine Taktik will der Berner nicht verraten: «Ich habe einen Plan A und einen Plan B. Ich bin zuversichtlich.»

Bei normalem Kampfverlauf dürfte Seferi kaum eine Chance haben, obwohl hinter Furys Fitness ein Fragezeichen steht. Für Seferi spricht, dass der Brite nicht der Beste im Einstecken ist und schon einmal gegen einen Gegner aus dem Cruisergewicht auf die Bretter musste: 2013 gegen Steve Cunningham in der zweiten Runde. Fury siegte trotzdem und ist in seinen 25 Kämpfen ungeschlagen. Und so geht es für Seferi, ­dessen Bruder morgen in Libreville in Gabun im Ring steht, am Samstag primär darum, möglichst über die volle Distanz von zehn Runden durchzuhalten. Sich mit einer guten Leistung für weitere Auftritte zu empfehlen. Wirklich verlieren kann nur Tyson Fury.

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