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Frech und frisch frisiert

Simon Getzmann hat in der ersten Saisonhälfte beim BSV Bern Muri überzeugt und ist ins Nationalteam zurückgekehrt. Der 25-Jährige ist mit seinen spektakulären Aktionen auch beim Publikum sehr beliebt.

Reto Pfister
Im Coiffeursalon entspannt sich Simon Getzmann oft. Dieses Mal legt seine Frau Jasmin nicht die Hände an seine Haare.
Im Coiffeursalon entspannt sich Simon Getzmann oft. Dieses Mal legt seine Frau Jasmin nicht die Hände an seine Haare.
Urs Baumann

Haareschneiden ist an jenem Dienstagvormittag nicht angesagt. Dennoch hat sich Simon Getzmann in den Coiffeursalon in der Berner Innenstadt begeben. Seine Frau Jasmin arbeitet dort, gerade ist sie damit beschäftigt, einer Kundin die Haare mittels Extensions zu verlängern. «Ich gehe häufig hierhin, trinke einen Kaffee», sagt der 25-Jährige. Getzmann ist in Steffisburg aufgewachsen, aber längst in der Bundesstadt heimisch geworden.

Hierhergezogen ist er des Handballs wegen. Seit 2014 spielt er für den BSV Bern Muri, sein Vertrag läuft bis 2018. In der ersten Hälfte der Saison 2016/2017 hat sich Getzmann stark verbessert. Gemeinsam mit Tobias Baumgartner führt er die interne Skorerliste an. Beide haben 84-mal getroffen. Nur weil B und nicht G im Alphabet zuerst kommt, wird sein Kollege und nicht Getzmann morgen gegen Pfadi Winterthur das Topskorerleibchen tragen.

Halbprofi geworden

Noch im letzten Frühling war Getzmann ein Spieler, dessen Potenzial zwar erkennbar war, der dieses aber selten ausschöpfte. Er agierte zuweilen taktisch undiszipliniert, legte sich im Frust mit Gegenspielern und Schiedsrichtern an. «Ich habe nirgendwo mehr meine Leistung gebracht», blickt er selbstkritisch auf die Vergangenheit zurück. Der rechte Flügel arbeitete in einem ­Treuhandbüro, studierte an der Fachhochschule Betriebswirtschaft und spielte in der NLA Handball. Diese Dreifachbelastung bekam Getzmann nicht gut.

Der Arbeitgeber ermunterte den 25-Jährigen im letzten Sommer, den Schritt zum Halbprofi zu wagen. «Ich hätte dort weiter arbeiten können», sagt Getzmann. «Sie hätten mich nicht entlassen. Sie sagten mir aber, dass ich die Zeit als Leistungssportler auch geniessen soll. Ich fand das sehr schön.»

Der Linkshänder konzentriert sich seither auf den Sport und das Studium. «Ich habe nicht gedacht, dass sich das so positiv auswirkt», sagt Getzmann. «Ich gehe jetzt ganz anders in ein Training.» Früher hetzte er in die Halle und war mit den Gedanken oft noch bei der Arbeit. Während der Übungseinheiten fühlte er sich oft müde. «Jetzt kann ich mich gezielt auf die Trainings einstimmen», sagt Getzmann. «Ich kann mich schon zuvor damit beschäftigen.»

Schnell und trickreich

Vom ersten Spiel an überzeugte der Rechtsaussen in der Saison 2016/2017. Simon Getzmann, für einen Handballer mit 1,78 m klein gewachsen, ist in Bestform ein frecher Spieler, der für Spektakel sorgen kann. Mit seiner Schnelligkeit ist er dafür prädestiniert, Gegenstosstore zu erzielen. «Ich liebe das Spielerische, probiere gerne Tricks aus», sagt Getzmann. Oft schaut er sich auch Videos von Basketballern an und lässt sich dadurch inspirieren.

Seine Leistungssteigerung ist auch Nationaltrainer Michael Suter nicht verborgen geblieben. Am Yellow-Cup im Januar kehrte er in die Schweizer Auswahl zurück, für die er zwei Jahre nicht im Einsatz gestanden war. «Dies ist ein grosse Ehre», sagt Getzmann. «Ich würde nie ein Aufgebot ausschlagen.» Er sei sich bewusst, dass er wohl nicht Stammspieler werde. «Man baut mit den ganz Jungen etwas auf, Cédrie Tynowski von Pfadi Winterthur ist vier Jahre jünger. Ich stehe aber jederzeit bereit, wenn ich gebraucht werde.»

Eine gute Rolle spielen

Den Coiffeursalon wird Getzmann wohl heute Freitag wieder aufsuchen. «Dann werde ich sehr wahrscheinlich von meiner Frau die Haare machen lassen», sagt er. Frisch frisiert steigt er dann ins erste Spiel im neuen Jahr. Der BSV startet morgen mit einem Heimspiel gegen Pfadi Winterthur in die Finalrunde. Der Abstand auf die Playoff-Plätze ist gross. «Wir wollen dennoch eine gute Rolle spielen», sagt der schnelle Flügel. Auf dem Feld will er wieder eine Hauptrolle einnehmen.

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