Guerdat und Fuchs triumphieren im Finale

Die beiden Schweizer Springreiter beweisen starke Nerven und gewinnen die ersten Schweizer WM-Einzelmedaillen.

Martin Fuchs (links) und Steve Guerdat (rechts) posieren mit der Goldmedaillengewinnerin Simone Blum. Bild: Keystone

Martin Fuchs (links) und Steve Guerdat (rechts) posieren mit der Goldmedaillengewinnerin Simone Blum. Bild: Keystone

Auf dem Podest bei den Weltreiterspielen in Tryon im US-Bundesstaat North Carolina standen nach dem gestrigen Final der Springreiter zwei Freunde. ­Martin Fuchs und Steve Guerdat kennen sich von klein auf, haben mit Martins Vater Thomas Fuchs den gleichen Trainer – und sie hatten gemeinsam eine der grössten Enttäuschungen ihrer Karriere erlebt, erst zwei Tage zuvor, als die Schweizer Equipe zuvor in Führung liegend aus den Medaillenrängen fiel.

Eindrückliche Reaktion

Am Finaltag der besten 25 reagierten die beiden prompt und eindrücklich. Um eine Medaille zu gewinnen, durfte sich Martin Fuchs, auf dem 3. Zwischenrang liegend, keinen einzigen Fehler erlauben. Im Sattel des sprunggewaltigen Westfalen-Schimmels Clooney blieb der 26-Jährige im ersten Umgang fehlerlos und verteidigte seine Position in sicherer Manier.

Ebenfalls eine der nur fünf fehlerlosen Runden gelang Steve Guerdat, der von Rang 9 aus gestartet war, mit seiner spektakulär springenden Stute Bianca. Damit stiess der in Elgg wohnhafte Jurassier auf den 4. Zwischenrang vor, die Medaillen in Reichweite. Im zweiten Umgang, der noch 12 Reitern offen stand, gab der zu allem entschlossene Guerdat eine weitere Demonstration seines Könnens und zeigte die beste Leistung ­aller Teilnehmer: Er blieb als Einziger fehlerlos und in der Zeit. Aus eigener Kraft konnte sich der Olympiasieger von 2012 damit nicht vorarbeiten – erst als der Österreicher Max Kühner mit ­seinem Holsteiner Chardonnay zwei Stangen abwarf, war die Medaille für Guerdat gesichert.

Erstmals seit 1994

Mit seinem Ritt setzte er auch Fuchs unter Druck, der mit einem Abwurf hinter seinen Freund ­zurückgefallen wäre. Der Zürcher bewies bei seiner ersten WM jedoch enorme Nervenstärke. Er liess sich von der knapp bemessenen Zeit nicht verrückt machen, ritt ruhig und präzise und sicherte sich souverän Silber. Für Fuchs, der im thurgauischen Wängi einen eigenen Turnierstall betreibt, ist das die erste Einzelmedaille in der Elite. Beim Nachwuchs gewann er sechs Einzel-Medaillen, unter anderem war er 2012 Europameister.

Mit dem Gewinn der beiden Medaillen ging für den Schweizer Pferdesport eine 24-jährige Wartezeit zu Ende: 1994 im holländischen Den Haag gewannen helvetische Springreiter die erste und bisher einzige Medaille an Weltmeisterschaften, die seit 65 Jahren ausgetragen werden. Damals holte die Schweizer Equipe Bronze. Zur Mannschaft gehörten neben Lesley McNaught und Stefan Lauber auch Thomas sowie Markus Fuchs – der Vater und der Onkel des gestrigen Silbergewinners.

Pferdesport-Geschichte schrieb auch die neue Weltmeisterin. Die Deutsche Simone Blum ist die erste Frau, die diesen Titel gewinnt. Die 29-Jährige aus Bayern ist eine überraschende, aber nicht eine unverdiente Weltmeisterin. Ihr Pferd Alice war das einzige, das über sämtliche fünf Runden keine Stange abwarf. Die 11-jährige Ausnahmestute, die nach jedem fehlerfreien Parcours eine frische Mango zur Belohnung erhält, hatte ihre Reiterin im vergangenen Jahr innerhalb von nur einer Saison mitten in die Weltspitze katapultiert. Bei der EM in Göteborg vor 13 Monaten war das Paar noch Reserve für Deutschland.

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