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Grossartiger Schweizer Doppel-Triumph zum Ski-Start

Der Walliser Daniel Albrecht gewann 14 Hundertstel vor dem Neuenburger Didier Cuche den Weltcup-Riesenslalom in Sölden. Das Duo war eine Klasse für sich.

Was für ein Auftakt in den Winter: Daniel Albrecht ist im Ziel des Riesenslaloms von Sölden.
Was für ein Auftakt in den Winter: Daniel Albrecht ist im Ziel des Riesenslaloms von Sölden.
Keystone
Triumph: Daniel Albrecht sorgt in Sölden für den ersten Schweizer Sieg seit Steve Locher 1996.
Triumph: Daniel Albrecht sorgt in Sölden für den ersten Schweizer Sieg seit Steve Locher 1996.
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Cuche, Albrecht und Ligety dürfen sich über den Start in die alpine Saison fürwahr freuen.
Cuche, Albrecht und Ligety dürfen sich über den Start in die alpine Saison fürwahr freuen.
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Einen Tag nach dem fabelhaften 5. Rang von Lara Gut legten die Schweizer «Riesen» noch einen Zacken zu und feierten einen denkwürdigen Doppelsieg. Albrecht und Cuche deklassierten ihre Gegner förmlich.

Jahrelang spielten die Schweizer beim sogenannten «Ski Opening» auf dem 3000 m hoch gelegenen Rettenbach-Gletscher nur Statistenrollen. Seit dem (einzigen) Sieg von Steve Locher im Jahr 1996 gelangen nur noch Michael von Grünigen zwei Podestplätze (3. in den Jahren 2001 und 2002). Nun brachen Albrecht und Cuche diesen Bann auf eine Art und Weise, die bei der Konkurrenz nur noch Kopfschütteln auslöst. Albrecht 0,14 vor Cuche, und die Konkurrenz 1,25 Sekunden und mehr zurück - das ist im Skisport beinahe ein Steinzeit-Resultat.

Auch Carlo Janka (9.) im Vormarsch

Während die beiden Überflieger über eine Sekunde vom «Rest der Welt» trennte, klassierten sich dahinter von Rang 3 bis 16 nicht weniger als 14 Fahrer binnen sechs Zehnteln. Darunter befand sich auch der als Geheimtipp gehandelte Carlo Janka, der mit der Nummer 27 über den 20. Platz dank zweitbester Zeit im zweiten Lauf auf den 9. Platz vorstiess (persönliches Bestresultat), unmittelbar vor Bode Miller. Marc Berthod fiel im zweiten Lauf wegen eines Fehlers im Steilhang vom 9. auf den 16. Rang zurück. Und Marc Gini schaffte mit der Startnummer 57 als 30. just noch die Qualifikation für den zweiten Lauf, verkrampfte sich dann aber und konnte sich nur noch unwesentlich verbessern.

Ein wichtiger Grund für das gute Teamresultat war zweifellos das zweitägige Zusatztraining in Saas-Fee Anfang Woche auf einer bewässerten Piste, deren Kosten (ca. 20 000 Franken) die Swiss-Ski- Sponsoren grosszügig übernommen hatten. «Bei mir löste dieses Training zwar vorerst eine eher negative Reaktion aus, weil mir Dani Albrecht derart um die Ohren gefahren ist», meinte Cuche. «Aber offenbar hat es mir doch einiges gebracht, denn bis jetzt fuhr ich in Sölden noch nie auch nur annähernd so gut.»

Gesunde Rivalität - Cuches I-Phone-Probleme

Bisher war für den 34-jährigen Cuche ein 8. Rang das Bestresultat in Sölden. Oft vergab er eine gute Ausgangslage im zweiten Lauf. Diesmal verteidigte er seinen 3. Rang aus dem ersten Durchgang nicht nur mit Bravour, sondern liess sich lediglich von einem über sich hinauswachsenden Daniel Albrecht knapp bezwingen. «So oft bin ich wegen ein paar Zehntel um viele Ränge zurückgefallen», sagte Cuche, «das sollte mir diesmal nicht mehr passieren.» Das hätte ihm an Cuche gefallen, lobte ihn sein Trainer Patrice Morisod, «dass er in seinem Alter noch genau so viel riskiert hat wie die Jungen.»

Die Rivalität zwischen der Morisod-Gruppe (mit Cuche und Défago) und der Brunner-Fraktion (mit Albrecht, Berthod und Janka) wirkte sich positiv aus. «Wir arbeiten nicht gegeneinander», erklärt Morisod diese Gruppen-Dynamik, «wir setzen nur andere Prioritäten.» Cuches Top-Resultat hatte noch eine besondere Vorgeschichte. Weil er an seinem neuen I-Phone die Umstellung auf die Winterzeit falsch einstellte, fand er sich am Morgen plötzlich allein am Frühstückstisch - eine Stunde zu spät. In aller Eile hetzte er zum Gletscher rauf und kalauerte: «Lieber langsam im Hotel und schnell auf der Piste als umgekehrt».

Albrechts dritter Weltcup-Sieg

Cuche pushte letztlich Daniel Albrecht zu seinem 3. Weltcupsieg (nach den beiden in Beaver Creek im Riesenslalom und der Super- Kombination). Schon nach dem ersten Lauf lag der Walliser in Front, obwohl er wegen eines Fehlers vor dem flachen Schlusshang über eine halbe Sekunde verloren hatte. «Vor dem Start zum zweiten Lauf hörte ich über den Laufsprecher, dass Cuche 1,10 Sekunden Vorsprung herausholte. Da wusste ich: jetzt muss ich nochmals Vollgas geben.» Über eine Sekunde Vorsprung trotz eines zeitraubenden Fehlers, das eröffnet Perspektiven im Gesamt-Weltcup. Zumindest ist er jetzt erster Leader. So schnell wird er diese Position nicht preisgeben.

Im Gegensatz zu früher waren diesmal die Ausländer die Statisten, inklusive die Österreicher. Bester war einmal mehr Benjamin Raich als Vierter, doch wartet der Riesenslalom- Olympiasieger weiterhin auf seinen ersten Podestplatz in Sölden. Bode Miller musste sich mit Rang 10 begnügen. Aksel Lund Svindal kam über einen 13. Rang nicht hinaus, und Hermann Maier verpasste sogar die Qualifikation für den zweiten Durchgang. «Ich bin hier wohl der einzige Österreicher, der sich freut», meinte Albrechts Trainer Sepp Brunner verschmitzt.

si/fal

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