Höhenflüge unter dem Radar

Die Flying Angels sind das erfolgreichste Ultimate-Frisbee-Team der Schweiz. Die Berner haben am Wochenende beim Auftaktturnier der Schweizer Meisterschaft alle drei Spiele gewonnen.

Die Scheibe im Blick: Lorenz Stauffer (rechts) von den Flying Angels Bern versucht das Frisbee zu fangen. Körperkontakt ist nicht erlaubt.

Die Scheibe im Blick: Lorenz Stauffer (rechts) von den Flying Angels Bern versucht das Frisbee zu fangen. Körperkontakt ist nicht erlaubt.

(Bild: Max Füri)

Wenn sich verrückte Hunde, Engel, fliegende Untertassen und Panther auf einer Wiese versammeln, ist dies weder ein Zeichen für ausserirdisches Leben noch eine alarmierende Meldung für jeden Zoowärter. Nein, vielmehr ist dies ein Indiz dafür, dass die Schweizer Meisterschaft im Ultimate Frisbee ausgetragen wird. Die Crazy Dogs aus Stans treten nämlich ebenso an wie die Flying Saucers aus Luzern und die Panther aus Bern.

Zehn Titel in Serie

Die zweite Berner Equipe, die Flying Angels (fliegende Engel), ist nicht nur der Titelverteidiger, sondern auch das erfolgreichste Team der Schweiz. In der diesjährigen Meisterschaft haben sie die Chance auf den 17. Titel in der Vereinsgeschichte. Seit der Gründung 1984 haben sich die Berner zur dominanten Kraft in der hiesigen Ultimate Szene entwickelt. Zwischen 1997 und 2007 feierten sie zehnmal in Folge den Titelgewinn, und auch auf europäischer Bühne konnten sie bereits mehrere Erfolge bejubeln.

Doch trotz sportlichen Höhenflügen fliegen die Flying Angels unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. «Das ist nun mal so», sagt Präsident Jan Tenger. Die Erfolge änderten wenig an der geringen Popularität der Sportart. «Aber für uns als Team sind sie schön.» Dennoch habe sich seit der ersten Durchführung von nationalen Turnieren 1985 einiges getan. Ultimate sei gewachsen, und in allen Bereichen konnten stets Fortschritte erzielt werden. Die Flying Angels stellen mittlerweile vier Aktivteams und bilden rund 70 Juniorinnen und Junioren aus.

Freilich ist die Schweizer Ultimate Szene meilenweit davon entfernt, mit den Besten der Welt mithalten zu können. In den USA wird Ultimate beispielsweise unter professionellen Bedingungen an Colleges gespielt. Doch dieser Umstand ändert nichts daran, dass die Faszination für das dynamische, schnelle Spiel mit der Plastikscheibe auch hierzulande vorhanden ist.

Angels-Captain und Spielertrainer Severin Ris erwähnt diesbezüglich die Flexibilität, die das Spiel von den Spielern verlangt, da bei einem Verlust des Scheibenbesitzes (Turnover) das Geschehen nicht unterbrochen wird, die Spieler also schnell von offensiven auf defensive Aufgaben umstellen müssen. Der Hauptgrund aber, weshalb er 2008 mit Ultimate angefangen hat, ist das, was die Sportart zu einer Ausnahmeerscheinung macht. Es gibt nämlich keine Schiedsrichter. Die Spieler sind selber dafür verantwortlich, dass das Spiel fair und nach den Regeln abläuft. Manchmal sei man sich auf dem Feld schon uneinig, sagt Ris. «Doch man findet immer eine Lösung.»

Der «Spirit of the Game», wie es offiziell heisst, ist beim Ultimate das oberste Gebot. Fairness und Sportsgeist sind wichtiger als das Resultat. Nach dem Sieg der Angels gegen die Crazy Dogs formen die beiden Teams zusammen einen grossen Kreis und demonstrieren Einigkeit. Nach jedem Spiel bewerten die Mannschaften mittels eines vorgegebenen Rasters das Verhalten ihrer Gegner. Gibt es Unstimmigkeiten, werden diese angesprochen.

Gewinnen ist für die Flying Angels dennoch wichtig, und die Titelverteidigung ist möglich. Sie konnten am Wochenende alle drei Spiele im Auftaktturnier auf der Berner Allmend für sich entscheiden und steigen ungeschlagen in die Finalrunde, welche am 1. und 2. Juli in Zürich ausgetragen wird.

Berner Zeitung

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