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«Ich werde ihn wissen lassen, wie ich über ihn denke»

Finalrundensieger Wacker Thun startet mit einem Heimspiel gegen Gossau in das Playoff. Ein Gespräch mit Reto Friedli, Stefan Huwyler und Nicolas Raemy.

Blicken dem Playoff mit Vorfreude entgegen: Stefan Huwyler, Nicolas Raemy und Reto Friedli (v.l.) während des Talks.
Blicken dem Playoff mit Vorfreude entgegen: Stefan Huwyler, Nicolas Raemy und Reto Friedli (v.l.) während des Talks.
Manuel Zingg

Playoff-Final 2013, das entscheidende Spiel: Iwan Ursic begeht in der 2. Minute eine Tätlichkeit an Ihnen und wird vom Platz gestellt. Womit provozierten Sie ihn, Herr Friedli?Reto Friedli:Wir hatten bis dahin zweimal angegriffen, und beide Male ging Ursic Lukas von Deschwanden an. Ich teilte ihm mit, was ich davon halte, dass er einen meiner Teamkollegen attackiert.

Ursic war damals 36-jährig und ein Monsieur im Schweizer Handball. Dazu, dass so jemand die Nerven verliert, muss schon etwas Spezielles geschehen.Reto Friedli: Ich erinnere mich genau an den Wortlaut. Es war nichts Nettes, nichts, was ich hier wiederholen möchte. Nicolas Raemy: Nun bin ich neugierig: Was hat Ursic getan? Reto Friedli: Er hat mich geschubst. Nicolas Raemy: (schmunzelt) Und da bist du umgefallen? Reto Friedli: Er schubste mich mit aussergewöhnlich viel Wucht. Er hatte sich nicht unter Kontrolle. Es war nicht sonderlich klug von ihm. Nicolas Raemy: Und von dir war es...? Reto Friedli: Ziemlich klug (lacht).

Ereignen sich derlei Dinge bloss im Playoff?Reto Friedli:Ja, ich denke schon. Das sind schon besondere Begegnungen, besondere Wochen. Am Abend vor diesem Spiel waren wir unglaublich nervös, wir machten Dinge, die wir sonst nie tun, wir hörten lächerlich laut Musik. Alle waren kribbelig, unruhig.

Wie üblich ist es, sich für Mitstreiter zu rächen und die Schlüsselspieler zu schützen?Reto Friedli:Das gehört dazu, gerade in den Phasen, da es um den Titel geht. Am Sonntag schlug ­Lucas Meister einen meiner Mitspieler. Das war zwar noch nicht während des Playoff, aber in einem Spiel Wacker gegen die Kadetten, und da ist immer etwas los. Ich werde ihn wissen lassen, wie ich über ihn denke, wenn wir das nächste Mal auf die Schaffhauser treffen.

Wird während des Playoff im Allgemeinen härter gespielt?Stefan Huwyler: Noch ein bisschen härter, ja, und noch ein bisschen intensiver. Es ist eben die Phase, in welcher über Erfolg oder Misserfolg entschieden wird. Da macht jeder noch ein ­wenig mehr als ohnehin schon.

Herr Raemy, Sie kehrten im Februar nach fast eineinhalb-jähriger Pause zurück, Sie hatten an den Folgen eines Schleudertraumas gelitten. Fürchten Sie die Playoff-Härte?Nicolas Raemy: Keineswegs. Es geht mir sehr gut, ich fühle mich fit und bereit. Stefan Huwyler: Die Spiele während des Playoff sind insofern ungefährlich, als du da besonders konzentriert bist. Und wenn du hundertprozentig bei der Sache bist, ist das Risiko, dass du dich verletzt, kleiner, als wenn dein Team mit 10 Treffern Differenz in Führung liegt.

In den Partien gegen Winterthur und Schaffhausen haben Sie gross aufgespielt. Sie sind bereits wieder der Alte.Nicolas Raemy: Nein, zur Topform fehlt noch ein Stück. Aber ich bin bestimmt in der besseren Verfassung als damals, als ich begonnen habe, wieder zu spielen.

Wie wichtig ist es für Wacker, wieder auf Raemy zählen zu können?Stefan Huwyler: Sehr wichtig. Nicolas ist ein aussergewöhnlicher Spieler, ein aussergewöhnlich ­guter. Schon im ersten Training nach dem Unfall hat er gleich wieder Dinge getan, die verblüffen. Er und von Deschwanden machten eine Kreuzung, und prompt war die Abwehr ausgespielt.

Erster Gegner im Playoff ist Gossau. Die Ostschweizer spielen daheim vor wenig Leuten und verfügen über ein vergleichsweise schlechtes Kader. Kann da Playoff-Atmosphäre aufkommen?Reto Friedli: Es muss. Nicolas Raemy: Es mag sein, dass das nicht der Gegner ist, der dir die Halle füllt. Aber das darf uns nicht kümmern.

Gossau macht aus bescheidenen Möglichkeiten sehr viel. Dass sich solch ein Club in der Nationalliga A halten kann, ist bemerkenswert.Stefan Huwyler: Den Gossauern gelingt es immer wieder, sich in den wichtigen Momenten zu steigern. Im Frühling 2016 mussten sie in die Relegation und spielten dort gegen Endingen. Wir dachten schon: Toll, wir müssen nie wieder dorthin. Aber Gossau konnte sich auch da oben halten.

Begrüssen Sie die Modusänderung, die zur Folge hat, dass Playoff-Viertelfinals ausgetragen werden?Reto Friedli: Es ist merkwürdig, dass noch Meister werden kann, wer in die Abstiegsrunde musste. Nicolas Raemy: Aber die Verlängerung des Playoff ist mit Sicherheit ein Gewinn.

Als Wacker 2016 das erste Spiel in der Halbfinalserie gegen Pfadi verlor, sagten Sie, Herr Raemy, zu einem Winterthurer Journalisten, Sie machten sich keine Sorgen, mit der Unterstützung des Publikums und ein bisschen Trashtalk würden Sie Partie zwei gewinnen. Wie meinten Sie das?Nicolas Raemy: Es ist für die Gegner nicht besonders angenehm, in unserer Halle zu spielen. Du hast unter Umständen 2000 Zuschauer gegen dich. Und wer will das schon? Reto Friedli: Unser Publikum ist ein Riesenplus. Der Heimvorteil ist hier wirklich einer. Nicolas Raemy: In der Lachenhalle einzulaufen, vor all diesen Zuschauern, ist das Grösste, was es in dieser Liga gibt. Auf den Moment, dies wieder tun zu können, freute ich mich am meisten, als ich pausieren musste. Und die Stimmung war einer der Hauptgründe gewesen, weshalb ich zu Wacker gewechselt bin.

Heuer sind Sie nicht auf enthusiastische Fans angewiesen. Wacker hat das beste Kader.Stefan Huwyler: Das beste Kader? Das beste Team sind wir vielleicht, ja. Und wir haben auch hervorragende Individualisten. Aber viele von uns sind keine Überhandballer. Was uns auszeichnet, ist die Leidenschaft.

Die Leidenschaft wird vorab von Ihnen vermittelt, Herr Friedli. Und von Viktor Glatthard. Welche Bedeutung haben die beiden Vorkämpfer?Stefan Huwyler: Sie reissen uns mit, sie pushen uns. Dass sie dies tun, ist zentral für uns. In der Qualifikation vielleicht noch etwas mehr als im Playoff. Da bist du ohnehin topmotiviert. Es gibt Auswärtsspiele in der ersten Saisonhälfte, da denkst du während des Warmmachens: Ach, das wird schon gut gehen. Glatthard hingegen dreht auch vor so einem Match fast durch. So etwas macht Eindruck, treibt dich an.

Wichtige Spieler werden den Verein im Sommer verlassen. Es wird schwieriger werden, Meister zu werden. Erhöht dies den Druck, diesmal zu reüssieren?Nicolas Raemy: Ich spüre keinen Druck, sondern Vorfreude. Reto Friedli: Du bist ein Gute-Laune-Bär. Nicolas Raemy: Wir gehen nicht jeden Tag am Abend in die Halle trainieren, um am Ende nicht zu gewinnen, klar. Aber eine Pflicht, Meister zu werden, besteht nicht. Stefan Huwyler: Von uns wird nicht verlangt, Meister zu werden. Es mag Leute geben, die das von uns erwarten. Aber es ist nicht so wie in Schaffhausen, wo du einen Präsidenten hast, der vom Team den Titel fordert.

Wacker ist so gut aufgestellt wie nie – der Titel muss das Ziel sein.Reto Friedli: Wir sind bestimmt eins der besten Teams, die Wacker je hatte. Aber es wäre dreist, zu behaupten, wir seien stärker als die Generation vor uns mit Spielern wie Martin Friedli und Sven Zbinden. Wir sind besser als 2013, als wir Meister wurden.

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