Individualisten im Kollektiv

Höchstetten ist zum vierten Mal Schweizer Meister geworden. Dem Team aus dem emmentalisch-oberaaurgauischen Grenzgebiet gelingt es immer wieder, gute Einzelschläger in die Mannschaft zu integrieren.

Meisterfeier mit Maskottchen: Den Gorilla erhielten die Höchstetter einst von einem ehemaligen Teammitglied.

Meisterfeier mit Maskottchen: Den Gorilla erhielten die Höchstetter einst von einem ehemaligen Teammitglied.

(Bild: Marcel Bieri)

Reto Pfister

Meisterlich: Mit diesem Wort lässt sich die Leistung des neuen Titelgewinners Höchstetten in der letzten Partie der NLA-Saison umschreiben. Jeder Streich flog mehr als 250 Meter weit und ergab so mindestens 16 Punkte. Beim Abtun bekundeten die Höchstetter keine Mühe. Die Differenz zum Aufsteiger Rüderswil betrug am Ende 333 Punkte. Kurz vor 14.30 Uhr flogen am Samstag die Schindeln in die Luft. Höchstetten hatte sich zum vierten Mal zum Meister gekürt.

Das Höchstetter Modell

Höchstetten hat sich seit einem Jahrzehnt an der Spitze der NLA etabliert. Der Erfolg beruht auf zwei Säulen. Dem Team aus dem emmentalisch-oberaargauischen Grenzgebiet gelingt es immer wieder, Spitzenhornusser zu verpflichten. Diese wechseln zu Höchstetten, weil sie Erfolge feiern wollen. Trotzdem bleibt die Equipe im nur 270 Einwohner zählenden Dorf verankert. Obwohl einige Hornusser mittlerweile nicht mehr aus dem Ort stammen, wirkt die Equipe nicht wie eine lose Ansammlung von starken Individualisten.

Seit dem letzten Meistertitel 2014 sind sieben neue Hornusser zum Team gestossen. Trotzdem wirkt die Equipe homogen und funktioniert als Kollektiv ausgezeichnet. «Es ist eine gute Frage, warum sich die neuen Leute immer so problemlos integrieren können», zeigt sich selbst Spielführer Michael Kummer darüber verblüfft, wie reibungslos die Veränderungen gemeistert werden konnten.

Dann liefert er Erklärungsansätze: «Wichtig ist es, Leute auszuwählen, die zuerst ans Team danken», sagt Kummer. «Ein Topschläger, der zu uns kommt, muss wissen, dass er vielleicht nur noch die Nummer 5 oder 6 in der internen Schlägerwertung ist und nicht mehr der Beste.»

Offensichtlich wurden die richtigen Hornusser verpflichtet. Einer von ihnen ist ­Simon Leuenberger, der von Schüpbach zum neuen Meister wechselte. «Ich habe viele Spieler bereits gekannt», sagt der 26-Jährige. «Es hat mich gereizt, in einem Spitzenteam zu spielen. Der Zusammenhalt im Team ist grossartig», bestätigt auch er.

Keine Patzer

Höchstetten geriet auch nicht aus dem Tritt, als das Team in der 3. Runde gegen Recherswil-Kriegstetten eine Nummer kassierte. In der Direktbegegnung Ende Mai wurde Konkurrent Wäseli mit 108 Punkten Differenz bezwungen. Dieser kassierte später selbst noch eine Nummer und verlor nach Schlagpunkten gegen Bern-Beundenfeld. Höchstetten aber leistete sich in den letzten 12 Runden keinen Patzer mehr. «Die Nummer kam früh in der Saison», sagt Spielführer Kummer. «Wir wussten, dass wir noch eine Chance auf den Titel hatten, und haben Ruhe bewahrt.»

Für die nächste Saison mit dem eidgenössischen Fest in Wäseli/Walkringen als Höhepunkt bleibt das Team unverändert. Mit Stefan Studer kehrt ein Spitzenschläger ins Team zurück. Studer, als Kantonalkranzer auch ein sehr guter Schwinger, zog sich vor der Saison im Training in dieser Sportart einen Kreuzbandriss zu.

Die Plätze im Team von Höchstetten sind begehrt. Kummer erteilte kürzlich einem Spitzenschläger eine Absage. «Er hätte wohl auch in die Mannschaft gepasst», sagt Höchstettens Spielführer. «Für das eidgenössische Jahr wollten wir aber das Team nicht verändern.» Nach der Saison 2017 besteht auch kein Anlass dazu.

Berner Zeitung

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