Kein Applaus für den Mut, dafür Geld für die Schmerzen

In einem kuriosen Kampf hat der Burgdorfer Sefer Seferi gegen ­Rückkehrer Tyson Fury nach vier Runden aufgeben müssen. Der Burgdorfer war überfordert, darf sich aber über eine üppige Kampfbörse freuen.

Ohne Chance: Sefer Seferi (links) gegen den riesigen Tyson Fury.

Ohne Chance: Sefer Seferi (links) gegen den riesigen Tyson Fury.

Angefangen hatte alles mit einem Kuss. Grinsend thronte Tyson Fury mit seinen 2,06 Metern über Sefer Seferi (1,80), der Ringrichter wollte die beiden gerade auf den Kampf einschwören, als der Brite den Burgdorfer tatsächlich grinsend auf den Mund küsste.

Es war nur ein Akt in einem von Mätzchen, Kuriositäten und Showeinlagen geprägten Schwergewichtskampf an diesem Samstagabend in Manchester. Zu Oasis’ «Don’t Look Back in Anger» schritt Fury, der tief gefallene Weltmeister von 2015, zum Ring, einerseits gedachte er mit diesem Lied der Opfer des Terroranschlags vor einem Jahr in Manchester, anderseits natürlich sollte es auch eine kleine Hymne auf ihn sein.

Auf diesen Boxer, der in letzter Zeit vor allem ein Ringer war – weil er mit Drogen, Doping, Depressionen und Dämonen rang, ein geplagter Geist in diesem aussergewöhnlichen Körper. 924 Tage nach seinem WM-Kampf 2015 gegen Wladimir Klitschko kehrte Fury am Samstag auf die Bühne des Profiboxens zurück.

Schlägerei nur neben dem Ring

«Er ist immer für Überraschungen gut», sagt Oliver Dütschler, Szenekenner und Boxorgani­sator. Dass der 39-jährige Sefer Seferi aus Burgdorf, zu Hause eigentlich im Cruisergewicht und für den Kampf gegen den 29-jährigen Fury (120 Kilogramm) mit für ihn schweren 95 Kilogramm gewogen, an diesem Abend in Manchester im Ring stehen durfte, war für ihn per se ein Erfolg.

«Irgendwann wurde mir  ziemlich übel.»Sefer Seferi

Trotz der deutlichen Vorzeichen: So dürfte sich den Kampf kaum jemand vorgestellt haben. Fury ging ihn demonstrativ gelassen an, zog ständig Grimassen, verwickelte seinen Gegner in Gespräche. Seferi, der für Albanien kämpfende Burgdorfer, liess sich nicht beirren, spielte gar kurz mit und tänzelte, wich den lustlosen Versuchen Furys vorerst noch problemlos aus. «Er ist ein Showman, ich wusste, was auf mich zukommt», sagt Seferi am Sonntag nach seiner Landung in Basel.

Wirklich geboxt wurde in Manchester jedoch selten, das Pub­likum bekundete entsprechend Unmut. Ein-, zweimal wurde Seferi hart getroffen, ansonsten hielt ihn Fury lustlos auf Distanz, während Seferi ein paar verzweifelte Angriffe landete. Bezeichnend, dass in der zweiten Runde neben dem Ring eine Massenschlägerei unter Zuschauern das deutlich grössere Spektakel darstellte.

Und so endete dieser Kampf für die Fans enttäuschend: mit einer Aufgabe Seferis bereits in der vierten Runde. «Ende der dritten Runde wurde ich von einem harten Uppercut an der Schulter getroffen», sagt Seferi, «die Schmerzen wurden stärker, irgendwann wurde mir ziemlich übel.» Die Entscheidung, zum ersten Mal in seiner Karriere einen Fight abzubrechen, habe er von sich aus getroffen. «Natürlich ist das hart.»

Wegen Verspätungen im Flugverkehr landete Seferi am Sonntag erst am Abend in der Schweiz, heute wird die Schulter eingehender untersucht. «Sportlich ist das bestimmt enttäuschend für Sefer», sagt Dütschler, «aber der Kampf an und für sich ist ein Erfolg.»

Für «The Real Deal» ist es der bislang grösste Deal seiner Karriere: Die Kampfbörse liegt um die 100'000 Franken. «Ich hätte gerne über die volle Dauer geboxt. Aber die Niederlage ist kein Weltuntergang», sagte Seferi, dessen Bruder Nuri am Wochenende seinen Cruisergewichtskampf gegen den Gabuner Taylor Mabika nach Punkten verlor.

Fury, die lukrative Figur

Und Fury? Er hat auf seinem langen Weg zurück in die Elite einen ersten Schritt gemacht. Schon im August soll er wieder kämpfen, womöglich gegen Manuel Charr, gegen den Seferi seine bis Samstag einzige Profiniederlage einstecken musste.

Das Fernziel der Promoter ist ein WM-Kampf gegen Anthony Joshua, aber wie nah Fury einer Form ist, in der er dem amtierenden Weltmeister gefährlich werden könnte, ist auch nach diesem Kampf schwer abzuschätzen. «Die Figur Fury ist lukrativ. Die Promoter werden alles daransetzen, dass er noch einen grossen Kampf bestreitet», sagt Dütschler.

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