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Mission Titelverteidigung

Am Wochenende finden die Karate-Schweizer-Meisterschaften in der Aarfit-Halle statt. Die Lysserin Nina Radjenovic will ihren Titel vom letzten Jahr verteidigen – und liebäugelt mit einer Olympiateilnahme.

Marco Spycher
Für einmal mit rotem Gürtel: Nina Radjenovic war letzte Woche noch an der WM in Spanien und kämpft am Wochenende um den Schweizer-Meister-Titel in Aarberg.
Für einmal mit rotem Gürtel: Nina Radjenovic war letzte Woche noch an der WM in Spanien und kämpft am Wochenende um den Schweizer-Meister-Titel in Aarberg.
Beat Mathys

In knapp zwei Jahren geht der Traum für einige wenige Karatekas in Erfüllung: Die japanische Kampfsportart wird in Tokio erstmals olympisch. Auch die Lysserin Nina Radjenovic ist heiss auf einen der begehrten Startplätze. Die 20-Jährige zählt in ihrem noch jungen Alter bereits zu den besten Karatekämpferinnen der Welt.

Aktuell belegt sie den 46. Platz der Weltrangliste. «Eine Selektion für 2020 in Tokio ist wohl nicht realistisch, aber ich ver­suche alles und gebe Vollgas, um dann bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris dabei zu sein.» Am Willen soll es also nicht liegen.

Anders als Radjenovic hatte deren Vorbild nie die Möglichkeit einer Olympiateilnahme. Die aus Aarberg stammende Diana Schwab, heute Tiede, wurde 2011 zur Europameisterin gekürt. Die 36-Jährige bestreitet keine Wettkämpfe mehr, trainiert aber nach wie vor im Karatedo Lyss/Aarberg – am selben Ort wie Nina Radjenovic. «Ihre fröhliche und menschliche Art imponiert mir immer wieder aufs Neue», sagt Radjenovic. Noch heute erhalte sie vor grossen Turnieren eine «Viel Glück»-SMS von Tiede.

Eines dieser Turniere findet an diesem Wochenende statt: Die Karate-Schweizer-Meisterschaften in Aarberg stehen auf dem Programm.

Karate im Blut

Bereits als sie 5 Jahre alt war, begann Nina Radjenovic mit Karate. Seit sechs Jahren trägt sie nun den schwarzen Gürtel. Den Ursprung ihrer Leidenschaft muss man nicht weit suchen: Ihre gesamte Familie widmet sich voll und ganz der alten japanischen Kampfsportart.

Seit sechs Jahren trägt sie den schwarzen Gürtel: Nina Radjenovic. Bild: Beat Mathys
Seit sechs Jahren trägt sie den schwarzen Gürtel: Nina Radjenovic. Bild: Beat Mathys

Ihr älterer Bruder Timo war in der Nationalmannschaft, musste aber aufgrund seines Studiums einen Gang zurückschalten. Durch ihn kam Nina vor fünfzehn Jahren zum ersten Mal in Kontakt mit der Kampfkunst. Ihre Mutter Pia war ebenfalls jahrelang eine Karateka, bevor sie mit dem Sport aufhörte. Und Vater Boris begleitet seine Tochter als Fotograf zu jedem Wettkampf.

Unterstützung der Familie

Am liebsten würde die 20-Jährige vom Karatesport leben können. Obwohl sie von der Schweizer Sporthilfe und einem Sporthilfe-Paten unterstützt wird, reicht dies aber noch lange nicht, um ihre Ausgaben für den Sport zu finanzieren.

Radjenovic hat im Sommer die vierjährige Sporthandelsschule am Feusi-Bildungszentrum in Bern abgeschlossen. Aktuell arbeitet sie in einem 40-Prozent-Pensum in einem kaufmännischen Beruf und absolviert dazu die Berufsmaturität. Sie ist deshalb froh, dass sie auf ihre Eltern zählen kann. «Ich bin ihnen so dankbar. Ohne sie würde ich nicht da stehen, wo ich jetzt bin.» Ihre Familie sei ohnehin eine wichtige Komponente ihres Erfolgs. «Sie fängt mich bei schlechten Leistungen auf und feiert mit mir, wenn ich gewinne.»

Internationale Wettkämpfe

Damit Nina Radjenovic so erfolgreich sein kann, benötigt sie viel Disziplin. Vor einer grossen Veranstaltung wie einer Welt- oder Europameisterschaft investiert sie gut 20 Stunden pro Woche in ihr Training. Auch sonst ist sie wöchentlich 16 bis 18 Stunden am Üben.

Das Training zahlt sich aus: Nina Radjenovic bestreitet Wettkämpfe auf der ganzen Welt. Allein in diesem Jahr war sie unter anderem in Dubai, Marokko und der Türkei. «Es ist spannend, sich mit Kämpferinnen aus dem Ausland zu unterhalten. Nicht nur, um neue Freundschaften zu knüpfen, sondern auch, um neue Taktiken und Techniken kennen zu lernen und sich weiterzuentwickeln.»

«Bei einer Europameisterschaft zuoberst auf dem Podest zu stehen, war für mich unbeschreiblich.»

Nina Radjenovic

Auf die Frage, wo sie sich verbessern könnte, hätte sie zwar eine Antwort bereit: «Aber das sage ich jetzt lieber nicht, ansonsten wissen meine Gegne­rinnen, wie sie mich besiegen können.»

Titelverteidigung als Ziel

Besonders fasziniert ist die junge Karateka von der Vielseitigkeit, die der Sport mit sich bringt. Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft, Präzision – nur wer diese Komponenten in Perfektion miteinander verbindet, kann um die Spitze mitkämpfen. «Dieses Gefühl, dieser Adrenalinschub, der bei jedem Kampf durch meinen Körper geht, das macht Lust auf mehr.» Aber ebenso wichtig wie die Wettkämpfe ist ihr die Zeit mit ihrem Team. «Durch all die Jahre sind wir zu einer kleinen Familie geworden.»

Am vergangenen Wochenende bestritt Radjenovic ihre erste Weltmeisterschaft in der Elite, als jüngstes Mitglied der Schweizer Equipe. Nina Radjenovic und ihre Mitstreiterinnen beendeten das Turnier in Spanien auf dem fünften Rang von insgesamt 64 antretenden Nationen.

Ihr grösster Erfolg geht aber zurück auf den Februar dieses Jahres. In der russischen Olympiastadt Sotschi konnte sie sich in der U-21-Kategorie den Europameistertitel sichern. «Dieses Erlebnis, bei einer Europameisterschaft zuoberst auf dem Podest zu stehen, das war unbeschreiblich für mich. Das harte Training zahlte sich einmal mehr aus.»

Der Olympia-Traum

Um an der Schweizer Meisterschaft in Aarberg vom kommenden Wochenende teilnehmen zu dürfen, musste sich aber auch die Europameisterin zuerst qualifizieren. Die Schweizer Meisterschaft sei für sie ebenfalls ein spezieller Anlass. «Es ist immer ein megacooles Erlebnis.»

Radjenovic darf in den beiden Kategorien U-21 und Elite um den Titel kämpfen. Ihr Ziel ist klar: Sie will die Goldmedaille in der U-21-Klasse verteidigen. Und in der Elite schauen, was möglich ist.

Im Februar steht dann der nächste grosse Wettkampf auf dem Programm. In Dänemark strebt sie die Titelverteidigung an der U-21-Europameisterschaft an. Und da ist ja auch noch der Traum einer Olympiateilnahme. «Natürlich ist es mein Ziel, mich für Olympia zu qualifizieren. Jedoch ist die Konkurrenz stark, und pro Kontinent und Kategorie dürfen nur zwei Karatekas antreten.» Aber wie heisst es so schön: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

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