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Olympia trotz Corona? Das Spiel mit dem Feuer

Während der Sport bald auf der ganzen Welt stillsteht, glauben Thomas Bach und sein IOK trotzig an Tokio 2020. Oder doch nicht?

Die Flamme für Tokio 2020 brennt – die Vorfreude auf den Grossanlass ist aber eher klein. Bild: Getty Images
Die Flamme für Tokio 2020 brennt – die Vorfreude auf den Grossanlass ist aber eher klein. Bild: Getty Images

Fussball-EM, Eishockey-WM oder die Formel 1 – Corona hat alle Sportarten fest im Griff. Und die Olympischen Spiele? Beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK) dominiert das Thema zwar auch, aber Präsident Thomas Bach hält unvermindert am Fahrplan fest und zweifelt anscheinend kein bisschen, dass am 24. Juli in Tokio die Eröffnungsfeier steigt. In weniger als fünf Monaten.

Das bekräftigte er am Donnerstagabend erneut, als er der ARD ein Interview gab (hier können Sie es sich ansehen). Dabei wurde ersichtlich: Während das Virus bald Menschen auf der ganzen Welt infiziert hat, gilt seine grösste Sorge der Olympia-Qualifikation. Dort bestehe ein ernsthaftes Problem, weil in diesem Frühling viele Wettkämpfe abgesagt werden mussten. Laut Bach haben deshalb erst 55 Prozent der eigentlich erwarteten 11'000 Sportlerinnen und Sportler die Qualifikationsnormen erfüllt.

Aber das lässt sich ja lösen, auf dem Planeten Bach jedenfalls. «Chinesische Athleten zum Beispiel bereiten sich in anderen Ländern vor», weiss Bach und erklärt mit vollem Ernst, wo: «In Europa.» Da also, wo sich das Virus gerade zur Pandemie ausweitet und das öffentliche Leben grösstenteils lahmlegt. Da also, wo für Bürger gewisser Länder Einreisesperren herrschen. Wo inzwischen alle grossen Teamsport-Ligen ihren Betrieb eingestellt haben. Wo immer noch mehr Tennis-Turniere, Badminton-Events, Kunstturn-Meisterschaften, Velo-Rennen oder Marathons ausfallen.

Natürlich: Bach ist zu Optimismus verpflichtet, eine Absage des grössten und teuersten Sportanlasses des Jahres hätte weitreichende Folgen – also zögern ihn die obersten Olympier so lange wie möglich hinaus. Das langjährige IOK-Mitglied Richard Pound sagte kürzlich, für den Entscheid bleibe bis Ende Mai Zeit. Und dass es keinen Plan B gebe.

Absagen unmöglich, heisst es

Denn nachholen lässt sich Tokio 2020 nicht – auch dies hatte Pound klargestellt. «Einen Anlass wie diesen verschiebt man nicht. Den sagt man ab», hatte der Kanadier gesagt. Damit ginge viel Geld verloren: Unabhängigen Schätzungen zufolge hat Japan für die Vorbereitung der Spiele umgerechnet fast 30 Milliarden Franken investiert. Rund 10 Millionen Olympiabesucher hätten die Summe (oder einen Teil davon) zurück ins Land bringen sollen. Hinzu kämen geprellte TV-Partner des IOK, die sich die Rechte viel Geld haben kosten lassen.

Also spielt Thomas Bach auf Zeit – und gibt ein eher klägliches Bild ab. Wie jemand, dem jeder Realitätssinn abhandengekommen ist. «Wir arbeiten mit vollem Engagement auf den Erfolg dieser Olympischen Spiele hin», schwärmte er in der ARD. Während am Donnerstag eine Vielzahl Sportevents weltweit abgesagt wurden, entzündete das IOK in der antiken Olympia-Stätte in Griechenland die Flamme für den olympischen Fackellauf.

Donnerstag, 12. März: Thomas Bach hält in Olympia ein flammendes Plädoyer für Tokio 2020. Bild: Getty Images
Donnerstag, 12. März: Thomas Bach hält in Olympia ein flammendes Plädoyer für Tokio 2020. Bild: Getty Images

Aber: Experten rechnen damit, dass der Höhepunkt der Pandemie erst gegen Sommer erreicht und die Seuche noch länger andauern wird. Reisebeschränkungen, wie sie zum Beispiel die Schweiz gegenüber Italien eingeführt hat (oder die USA gegenüber ganz Kontinental-Europa), wird es eher mehr als weniger geben. Und gerade Japan, das das Virus besser unter Kontrolle bekommen hat als andere Länder, wird kaum ein Interesse daran haben, dass die Keime mit den Olympiabesuchern zurückkehren.

Bach weiss das. Er sagt, das IOK stehe in engem Austausch mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), welche die Verbreitung des Coronavirus vor wenigen Tagen als Pandemie einstufte. Trotzdem weigert sich der Deutsche standhaft, das Szenario einer Absage auszusprechen – mit einer Ausnahme. Auf zweifache Nachfrage des ARD-Interviewers, ob wenigstens dann klein beigegeben werde, falls die WHO die Absage empfiehlt, räumte er wortkarg ein: «Wir werden dem Rat der WHO folgen.»

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