Online-Petition für Semenya startet durch

Gegen den Entscheid des Sportgerichtshofes im Fall Caster Semenya wehren sich Zehntausende im Netz. Die 800-m-Olympiasiegerin selber bleibt zurückhaltend.

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«Können Sie sich vorstellen, Olympiasiegerin zu sein und nicht das tun zu dürfen, was Sie am meisten lieben und am besten tun, zu laufen?» Mit dieser Frage wird konfrontiert, wer auf die Homepage der Online-Petition gelangt, auf die unter dem Hashtag «HandsoffCaster» in den Sozialen Medien aufmerksam gemacht wird. Schon im Februar wurde die virtuelle Unterschriften-Aktion «Let Caster Semenya run» (Deutsch: Lasst Caster Semenya laufen) von Model und Schauspielerin Choice Kate Mathebula lanciert. Die 30-jährige Südafrikanerin mit Wohnsitz im englischen Birmingham hat die First Choice Foundation ins Leben gerufen, mit der sie sich gegen soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten wehrt sowie für die Verbesserung des Lebens der Menschen in Südafrika stark macht.

Ende Februar hatten erst rund 29'000 Personen die Petition unterstützt, nach ersten Medienberichten war der erste Run vorbei. Seit Mittwoch ist die Zahl neuer Registrierter allerdings massiv in die Höhe geschnellt. Denn der Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne hat entschieden, dass 800-m-Olympiasiegerin Caster Semenya ihren Testosteron-Wert reduzieren muss, um wieder Elite-Wettkämpfe bestreiten zu können. Die Südafrikanerin hatte beim CAS Einsprache gegen einen im vergangenen Jahr eingeführten Testosteron-Höchstwert (5 Nanomol pro Liter Blut) für Athletinnen, die über Distanzen zwischen 400 m und einer Meile antreten, erhoben. Mit ihrer Klage erlitt sie aber eine Niederlage.

Dadurch hat die Petition «Let Caster Semenya run» eine neue Dimension erhalten. Seit Mittwoch tragen sich im Sekundentakt neue Personen auf der Homepage ein und unterstützen so Mathebulas Anliegen. Am Donnerstagmorgen kamen innert weniger als einer Stunde über 1000 Unterschriften hinzu, kurz vor dem Mittag war die 68'000-er-Marke geknackt. Mindestens 100'000 Unterzeichnende will die Schauspielerin zusammenbringen und die Petition dann dem Leichtathletik-Weltverband IAAF überreichen, wie sie bereits im Februar gegenüber dem afrikanischen News-Sender eNCA verraten hatte. Diese Zahl dürfte bald geknackt sein.

Gegen die «Hexenjagd» und den «Rassismus»

«Caster entscheidet oder kontrolliert ihren Testosteronspiegel nicht, sie hat nicht entschieden, wer sie ist», steht im Text zur Petition geschrieben. Und weiter: «Es ist dasselbe, als sei es verboten zu rennen, weil du zu gross oder zu klein bist oder ein starkes Herz hast.» Wer sie unterstützt, teilt diese Ansicht. Die Kommentare reichen von «Ich glaube, Caster sollte mit dem Körper laufen, mit dem sie geboren wurde» über «Es war eine Hexenjagd von Beginn ihrer Karriere an» bis hin zu «Das ist Rassismus in seiner hässlichsten Form». Auch in den Sozialen Medien machen entsprechende Einträge die Runde. Prominente Sportler haben sich bislang mit Kommentaren zum CAS-Entscheid zurückgehalten.

Semenya reagierte via Twitter auf den Entscheid des Sportgerichtshofes mit den Worten: «Manchmal ist die beste Reaktion, gar nicht zu reagieren.» Gut zwölf Stunden später postete die Athletin eine weitere Nachricht, in der sie sich mit Stefano Dimera verglich. Die fiktive Figur aus der US-Seifenoper «Days of Our Lives» stirbt in der Serie mehrere Male – entweder täuscht Dimera seinen Tod selber vor, wird für tot gehalten oder von anderen als tot erklärt – und taucht dann wieder lebend auf. Am Donnerstagmorgen stellte Semenya folgenden Spruch auf ihren Twitter-Account:

Übersetzt lautet er: «Zu wissen, wann man gehen muss, ist Weisheit. Dazu in der Lage zu sein, ist Mut. Mit hoch erhobenem Kopf wegzugehen, ist Würde.»

In den Sozialen Medien erhält Semenya viel Rückendeckung und Zuspruch. Hier einige Beispiele:

ddu

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