Radikaler Neuanfang von Noemi Zbären

Die WM-Sechste 2015 verlässt ihr Umfeld – wie Selina Büchel und Géraldine Ruckstuhl.

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Am Ende gab es für Hürdensprinterin Noemi Zbären nur zwei Optionen: aufhören oder alles ändern. Nach zwei von Verletzungen geprägten Jahren mit einem Kreuzband- und mehreren Muskelfaserrissen stellte sich für die Emmentalerin die Sinnfrage, und sie gelangte zur Erkenntnis: «Ich muss ganz von vorne anfangen.»

Elf Jahre hatte Zbären unter Anleitung von Gabi und Stefan Schwarz sowie Ueli Lehmann trainiert, im Umfeld des SK Langnau reifte sie zur Spitzenathletin. Auf dem bisherigen Höhepunkt sorgte sie an der WM 2015 in Peking mit Rang 6 für das erfolgreichste Schweizer Resultat, in jener Saison blieb sie 15-mal unter 13 Sekunden.

Bekannte Trainer

«An diesen Punkt möchte ich wieder gelangen», betont die 24-Jährige. Ab sofort schliesst sie sich der Trainingsgruppe von Maggie Mantingh im LC Zürich an. Darüber hinaus wird Zbären alle zwei Wochen mit Henk Kraaijenhof (Sprint) in Zürich respektive mit Sven Rees (Hürden) in Stuttgart trainieren.

Der Holländer wie der Deutsche sind keine Unbekannten. Kraaijenhof führte vor Jahrzehnten Merlene Ottey (SLO), Sandra Farmer-Patrick (USA) oder auch Tennisspielerin Marie Pierce (FRA) zum Erfolg. 2017 trainierte er Mujinga Kambundji, wobei die Zusammenarbeit nach nur zwei Monaten wegen Unklarheiten beendet wurde. «Er sagte, beide hätten daraus gelernt. Und wir haben alles genau definiert», sagt Zbären.

Rees war während Jahren der Coach von Lisa Urech. Die Schweizer Rekordhalterin ist Zbärens erfolgreiche Vorgängerin über 100 m Hürden. Über ihre Wechselabsichten hielt Zbären ihre bisherigen Trainer stets auf dem Laufenden. Beide Seiten ­betonen, im Guten auseinanderzugehen.

Ruckstuhl ins Ausland?

Neue Reize suchen auch Hallen-Europameisterin Selina Büchel und Siebenkampf-Rekordhalterin Géraldine Ruckstuhl. 800-m-Läuferin Büchel hat sich nach zehnjähriger Zusammenarbeit von Marlis und Urs Göldi in ­Bütschwil getrennt, ihr neuer Coach ist Louis Heyer, der Cheftrainer Mittel- und Langstrecken bei Swiss Athletics. In einer Saison, die von gesundheitlichen Problemen ­beeinträchtigt war, vermochte Büchel nie unter zwei Minuten zu laufen. Will sie an die WM und an die Spiele 2020, «muss sie wieder 1,57 oder 1,58 laufen», sagt Heyer. Und Büchel betont: «Ich habe Lust, neue Reize zu setzen und zu schauen, wie der Körper reagiert.»

Komplexer ist die Situation Ruckstuhls. Ihr Trainer, Rolf Bättig, hat sich entschieden, die Zusammenarbeit zu beenden. Zu gross ist für ihn, der einem anderen Beruf nachgeht, die Belastung geworden. «Hinsichtlich Tokio muss ich mir ein neues, professionelles Team aufbauen», sagt Ruckstuhl. Während der Spitzensport-RS im letzten Winter hat sie realisiert, dass es den Trainingsalltag sehr vereinfacht, wenn alle Trainer an einem Ort sind. Sie wäre auch bereit, ins Ausland zu wechseln.

mob/mos

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