Sauber geturnt

Lukas Heppler hat sich in der Weltspitze des Voltige etabliert. Den CVI in Bern hat er auf einem neuen, jungen Pferd ­absolviert. Da man mit Voltigieren kein Geld verdienen kann, hat er auch zielstrebig den Berufseinstieg gesucht.

Lukas Heppler auf seinem neuen Pferd Colonel von Forst.

Lukas Heppler auf seinem neuen Pferd Colonel von Forst.

(Bild: Iris Andermatt)

Reto Pfister

Es scheint irgendwie nicht ganz logisch, dass Lukas Heppler gerade jetzt in die Weltspitze aufgerückt ist. Der 24-jährige Burgdorfer Voltigierer kann seine Übungen nicht mehr auf Waimar absolvieren, seinem gewohnten Pferd aus dem Nationalen Pferdezen­trum (NPZ) in Bern.

Waimar ist mittlerweile 18 Jahre alt und wurde Mitte 2016 aus dem Sport verabschiedet. Heppler probierte danach viele verschiedene Pferde aus, bis er im freiburgischen Altavilla auf Colonel von Forst stiess. Der Wallach ist jedoch erst 7 Jahre alt und muss erst an ein hohes Niveau herangeführt werden.

Obwohl im Voltigesport, beim «Turnen auf dem Pferd», das Pferd an einer Longe geführt wird und so «gesteuert» werden kann, bewegt sich nicht jedes gleich. «Ich muss situativ reagieren», sagt Heppler. «Ein junges Pferd geht noch schnell oder langsam, wenn es umgekehrt sein sollte, und strebt zum falschen Zeitpunkt in eine Ecke.» Beim CVI in Bern, wo Heppler zugleich OK-Präsident war, setzte er Colonel von Forst zum zweiten Mal ein.

Er belegte bei seinem Heimturnier nur den sechsten Platz unter sieben Teilnehmern. «In der ersten Prüfung fand sich Colonel nicht damit zurecht, dass die Halle im NPZ anders aussah als im Training», schildert Heppler. «Wir fingen uns dadurch einen so deutlichen Rückstand ein, dass ich nicht mehr an die Spitze vorstossen konnte.»

Österreichisches Pferd

Die Lösung für die letzten Monate war, sich ein Pferd mit anderen ausländischen Athleten zu teilen. Was im Voltigesport nicht unüblich ist. In Graz fand Heppler den Wallach Ramazzotti. Auf diesem fühlte er sich sofort wohl. «Ich bin nicht der Grösste und Schwerste, der voltigiert», sagt Heppler. «So war es auch für Ramazzotti kein Problem, sich an mich zu gewöhnen.»

Der Burgdorfer wies bis anhin gutes internationales Niveau auf, im letzten Winter startete er Richtung Spitze durch. Heppler gewann bei zwei Weltcupprüfungen und belegte beim Weltcupfinal den zweiten Platz. «Ich hatte den Vorteil, dass ich Übungsteile schon beherrschte, die verlangt wurden», sagt Heppler.

«Dazu gelang es mir, sehr sauber zu turnen und konstante Leistungen zu zeigen.» Mit derart guten Klassierungen hatte Heppler jedoch nicht gerechnet. «Beim zweiten Weltcupsieg bezwang ich den Europameister», sagt Heppler. «Dies ist mir zuvor nie gelungen.»

Medaillen als nächstes Ziel

Mit 24 Jahren befindet sich ­Heppler in einem für Spitzenvoltigierer optimalen Alter. Medaillen an internationalen Titelkämpfen sind das nächste Ziel. Im August findet in Ebreichsdorf (AUT) die EM statt. Die Weltspitze besteht praktisch ausnahmslos aus Europäern und wird daher am Start sein. Es fehlt eigentlich nur ein Voltigierer, der bis jetzt für Mauritius angetreten ist und nach seinem Wechsel ins französische Team noch nicht teilnahmeberechtigt ist.

«An Titelkämpfen aufs Podest zu steigen, ist das langfristige Ziel», sagt Heppler. Ob er auf Colonel von Forst oder Ramazzotti antritt, wird er kurzfristig entscheiden. 2018 schliesslich steht für die nicht olympischen Voltigierer der alle vier Jahre stattfindende grosse Höhepunkt auf dem Programm. In Polk County, North Carolina (USA), finden die Weltreiterspiele statt.

Bis dahin wird der Burgdorfer dem Sport sicher treu bleiben. Die Voltigierer sind Amateure, das Preisgeld für einen Weltcupsieg beträgt nur 700 Euro. Umso wichtiger war es für Heppler, die Ausbildung neben dem Sport zielstrebig voranzutreiben. Er ist daran, die Masterarbeit in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik abzuschliessen.

Eine Stelle in diesem Bereich hat er bereits in Aussicht. «Ich werde in der Nähe arbeiten, sodass ich weiter genug Zeit zum Trainieren haben werde», sagt Heppler. Und dass er die Früchte der langjährigen Bemühungen ernten kann.

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