Schnell wachsend, aber nicht überall

In Bern findet am Samstag das Finalturnier der City-Sevens-Serie statt. Der Schweizer Verband tut sich schwer, die olympische Rugby-Variante zu fördern.

Attraktives 7er Rugby: Lukas Steiger von den Midland Hawks (l.) stoppt Tim Wildi vom RC Bern.

Attraktives 7er Rugby: Lukas Steiger von den Midland Hawks (l.) stoppt Tim Wildi vom RC Bern.

(Bild: Raphael Moser)

Peter Berger@PeterBerger67

2016 in Rio war das Siebner Rugby erstmals olympisch. Fidschi gewann die Goldmedaille. 2018 ist die Schweizer U-18-Auswahl in ihrer Stärkeklasse Europameister geworden und damit in die höchste Division aufgestiegen. «Das Siebner Rugby wächst schnell», sagt Samuel Steiger. Der Berner hatte bereits 2012 die Midland Hawks gegründet, ein nationales Selektionsteam, das sich ausschliesslich auf die olympische Version Rugby 7 konzentriert. Ein solches Team gibt es nur noch in St. Gallen, im Aargau und in Genf.

Während klassische Rugby-Nationen wie Neuseeland, England oder Frankreich längst 7er-Profi-Teams haben, setzen in der Schweiz die Clubs weiterhin auf das traditionelle Spiel, das mit 15 Akteuren bestritten wird. Selbst die Akteure der Midland Hawks spielen bis auf eine Ausnahme in ihren Vereinen noch 15er Rugby.

Schweiz ist Nummer 30

Um sich mit Konkurrenten zu messen, müssen die Hawks öfters im Ausland antreten. Diese Saison machen sie an der von Franzosen organisierten City-Sevens-Serie mit. Nach Paris und Brüssel bildet Bern am Samstag auf dem Sportplatz Spitalacker der dritte und finale Austragungsort. 15 Teams, davon acht aus dem Ausland, kämpfen um den Titel. Auch vier Frauenequipen sind gemeldet, wobei der Veranstalter dem Schweizer Frauen-Nationalteam die Anmeldegebühr von 400 Franken erlassen hat.

Denn der kleine nationale Verband hat finanziell wenig Spielraum. Und vor allem setzt Suisse Rugby weiterhin auf das traditionelle 15er Rugby. Derzeit belegt das Nationalteam in der Rangliste der Männer Rang 30. Die beste Platzierung in der Geschichte basiert indes vor allem auf der Tatsache, dass die Equipe mehrheitlich aus Franzosen, Italienern und Engländer besteht, die eine Schweizer Grossmutter oder einen Schweizer Grossvater haben.

«Einige von ihnen sind aber mittlerweile in Westschweizer Clubs engagiert und tragen so zu einem höheren Niveau in der nationalen Meisterschaft bei», sieht Steiger auch Vorteile. «Zudem wird in vielen Clubs wirklich gute Nachwuchsarbeit geleistet.» Trotzdem wünscht sich Steiger, dass die Vereine stärker auf das 7er Rugby setzen.

Kein Personal für 7er Rugby

Für Norbert Li-Marchetti ist das derzeit jedoch illusorisch. «Es fehlt nicht am guten Willen, sondern schlicht am Personal», sagt der frühere CEO des Schweizer Verbandes. Der aktuelle Präsident des Nordschweizer Rugbyverbandes rechnet vor: «Für eine 15er Mannschaft braucht es 35 bis 40 Spieler, für ein 7er Team sind 20 zusätzliche Spieler nötig, weil diese andere Qualitäten haben müssen als im 15er Rugby.

Das ist für einen Club schlicht unmöglich.» Dabei sieht auch Li-Marchetti, der auch schon den RC Bern präsidierte, die Attraktivität der olympischen Version. Schneller und anstrengender sei die 7er Variante. Damit dieser in der Schweiz der Durchbruch gelingen könnte, wären für Li-Marchetti alle zwei Wochen Turniere mit acht bis zwölf Teams nötig, um am Ende einen würdigen Meister zu ermitteln. «Doch der Verband hat kein Geld, um eine solche Liga aufzubauen. Deshalb bleibt das Wunschdenken.»

Bern bleibt im Kalender

Nicht für Steiger. «Eigentlich wären die beiden Varianten keine Konkurrenz, sondern könnten gegenseitig massiv profitieren», ist er überzeugt. Steiger erwähnt, dass die City-Sevens-Serie nächstes Jahr sogar ausgebaut werden soll. Natürlich weiterhin mit Bern als Austragungsort.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt