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Sempach, der Sibesiech

Pfingstsamstag war in Niederbipp Dreikönigstag – und Matthias Sempach hat sich die Krone aufgesetzt. Der 31 Jahre alte Alchenstorfer gewann das «Oberaargauische» zum siebten Mal.

Festsieger Matthias Sempach wird von Stephan von Büren und Bruder Stefan Sempach auf Schultern getragen.
Festsieger Matthias Sempach wird von Stephan von Büren und Bruder Stefan Sempach auf Schultern getragen.
Andreas Blatter
Sieger Matthias Sempach mit Muni «Legumo».
Sieger Matthias Sempach mit Muni «Legumo».
Andreas Blatter
Schwingfans bereiten sich aufs Fest vor. Dazu gehört bei dem Wetter auch Eincrèmen.
Schwingfans bereiten sich aufs Fest vor. Dazu gehört bei dem Wetter auch Eincrèmen.
Andreas Blatter
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Das Schwingpublikum im Bernbiet geniesst seit dieser Saison ein besonderes Privileg: Es darf je nach Fest gleich drei Berner Schwingerkönigen bei der Arbeit zusehen. So war es Mitte Mai am «Emmentalischen» in Heimenschwand, so ist es über Pfingsten am «Oberaargauischen» in Niederbipp, so wird es das nächste Mal in zwei Wochen beim Bergfest am Schwarzsee sein. Zum ersten Mal in der Neuzeit messen sich drei Berner Könige in derselben Ära, was bedeutet, dass die im Prinzip so seltenen, speziellen Königsduelle für die Zuschauer bald zum Usus werden.

Wegweisender Auftakt

Das Fest vom Pfingstsamstag in Niederbipp wird denn auch von zwei Königsduellen geprägt. In zweierlei Hinsicht wegweisend ist der Vergleich im Anschwingen zwischen Matthias Sempach, dem Gewinner des «Eidgenössischen» 2013, und Matthias Glarner, dem amtierenden Schwingerkönig. Glarner zieht früh, landet aber am Ende auf dem ­Rücken. Mit einem Wurf hat Sempach das Selbstvertrauen gefunden, welches ihn für den Rest des Tages begleiten wird.

Glarner hingegen wird bis zum Ende nach seiner Form suchen. Wegen eines Gestellten gegen Gustav Steffen verpasst der 31 Jahre alte Meiringer gar den Kranz. Schliesslich verlässt er das Festgelände unmittelbar nach dem Schlussgang enttäuscht, geduscht, deprimiert, in Einsamkeit.

Sempach hingegen zeigt sich nach dem geglückten Auftakt beschwingt und in ausgezeichneter Verfassung: Er bodigt mit dem formstarken Bruno Gisler und dem Mittelländer Willy Graber zwei weitere «Eidgenossen» auf sehenswerte Weise und geht mit einem schönen Vorsprung in den letzten Gang des Tages, wo mit Kilian Wenger der dritte Schwingerkönig im Berner Bunde wartet.

Der Oberländer bringt den Alchenstorfer zwar einmal in Rücklage, in der Folge geht er aber kaum mehr in den Angriff. So genügt Sempach der Gestellte zum Festsieg. «Hätte ich frecher geschwungen, wäre ich in einen Konter geraten», sagt Wenger nach seinem 70. Kranzgewinn. «Ich bin sicher nicht ganz zufrieden. Aber Mätthu war klar der beste Schwinger auf dem Platz.»

Sempach und Gasser

Sempach erweist sich in Niederbipp fürwahr als König unter den Königen. Er hält nun mit sieben Siegen am «Oberaargauischen» den Rekord vor Niklaus Gasser (sechs Erfolge). «Jeder Rekord wird einmal gebrochen. Aber natürlich macht mich das stolz», sagt Sempach. Es handelt sich bereits um seinen 35. Kranzfestsieg, aber den ersten als zweifachen Vater. Seit März gehört Töchterchen Paula zur Familie. «Es läuft wunderbar», sagt Sempach. Und mit dem Schlafen gebe es keine Probleme. Den Beweis liefert er in Niederbipp. «Ich bin kein Übermensch, brauche Erholung und kann nur gut schwingen, wenn die Batterien voll sind.»

Das grosse Saisonziel folgt für Sempach aber erst Ende August. Der Sieg am prestigeträchtigen Unspunnenfest fehlt noch im Palmarès des Alchenstorfers. Auch in dieser Hinsicht könnte sich Sempach an Niklaus Gasser orientieren: Der sechsfache «Eidgenosse» triumphierte 1987 am Unspunnen. Seither warten die Berner auf einen Sieg in Inter­laken.

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