Spiel und Spass im Sand

Am Samstag beginnt in Schwarzsee die Beachsoccer-Meisterschaft. Als einziges Berner Frauenteam ist der BSC Sablun in der höchsten Spielklasse. Die Equipe ist ambitioniert ­– im und neben dem Sand.

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Peter Berger@PeterBerger67

Als Erstes buddelt auf dem Sandplatz der Sportanlage Füllerich in Gümligen eine Spielerin den tragbaren Lautsprecher in den Sand. Danach ertönt daraus Latin-Sound; nonstop. «Beachsoccer ist auch Ferienstimmung», erklärt Selin Lopez.

Die Trainerin coacht den BSC Sablun Bern in der dritten Saison. Nachdem sich Ostermundigen und Biel im vergan­genen Jahr aufgelöst haben, ist Sablun in der Suzuki Swiss Beach Soccer Women League, der NLA, nun das einzige Berner Team.

«Einige Spielerinnen von Ostermundigen haben sich uns angeschlossen. Das hat dazu geführt, dass wir nun plötzlich 20 Girls im Kader haben. Das bedeutet, dass wir nicht nicht alle Spielerinnen an eine Partie mitnehmen können», erklärt Lopez. Das war ­letztes Jahr noch anders, da konnte das Maximalaufgebot von 12 Feldspielerinnen und einem Goalie oft nicht ausgeschöpft werden.

Eine Partie dauert drei Drittel zu zwölf Minuten. Pro Team sind immer vier Spiele­rinnen plus ein Goalie auf dem Feld. Auf dem Trainingsplatz begrüsst die Trainerin immer wieder Frauen, die tröpfchenweise ankommen. Trainingsbeginn wäre eigentlich um 18.30 Uhr. «Aber einige stecken in den Staus.»

Eine der letzten schleppt eine riesige Kühlbox an. Darin hat es Bier. «Das wird selbstverständlich erst nach dem Training getrunken», erklärt Claudia Hirsig. Sie ist Geschäftsführerin der gleichnamigen Hirsig Getränketechnik AG und montiert und reinigt auch selber Bier-Offenausschank-Anlagen. Sie ist damit an der Quelle.

«Beachsoccer macht Spass»: Claudia Hirsig ist Gründerin und Präsidentin des BSC Sablun Bern, dem einzigen Berner Frauenteam in der NLA. Video: Peter Berger

Aber die 33-jährige Belperin ist auch Präsidentin von Sablun Bern und so etwas wie die gute Fee des Clubs. «Zusammen mit meinen zwei damaligen ­WG-Partnerinnen in Bern, Sara Mahnig und Michelle Forni, haben wir 2013 Sablun, was auf Rätoromanisch Sand heisst, gegründet», sagt sie. Alle drei sind immer noch aktiv. Dazu kommt Sandra Maurer aus Bolligen. «Sie wohnte in der WG quasi auf dem Sofa», berichtet Hirsig. Maurer fehlt an diesem Mittwochabend.

Aus gutem Grund. Sie ist zu diesem Zeitpunkt mit einem Berliner Team in Portugal im Einsatz. Maurer ist die einzige Nationalspielerin von Sablun Bern. Eigentlich könnte auch Johanna Brügger für die Schweizer Beachsoccer-Auswahl spielen. Doch sie hat ein Aufgebot ausgeschlagen.

«Zu viel Aufwand», erklärt die Torhüterin, mit Blick auf die Trainings in Basel oder Zürich. Zudem trainiert sie noch auf Rasen. Überhaupt sind viele Spielerinnen nicht nur im Sand anzutreffen, sondern spielen noch in Fussball- oder in Futsal-Teams.

Wir sind zwar das coolste Team, aber wir werden wohl Letzte.Präsidentin Claudia Hirsig

Hirsig spielte vorher Unihockey; NLA bei Höfen und im deutschen Nationalteam. «Bis 2009. Mein damaliger Chef gab mir für die WM in Schweden nicht frei. Aus Frust hörte ich auf und habe seither nie mehr einen Stock in den Händen gehalten.» Jetzt gehört ihre Passion dem Beachsoccer.

«Der Sport ist lässig, man hat nie ausgelernt.» Die Akteurinnen wärmen sich auf. Dann beginnt das Training offiziell. Jonglieren ist angesagt. Das ist im Sand ziemlich schwierig. Mittlerweile sind rund 15 Frauen anwesend.

Messi ist da, Lichtsteiner auch, Goalie Brügger trägt ein FCZ-Shirt. Ein Teammitglied ist verletzt. Es sitzt auf der Bank und schaut abwechselnd aufs Feld und in ihre Studienunterlagen. Die Berufe der Frauen sind unterschiedlichst: Psychologin, Juristin, Analystin, Sozialpädagogin, Schreinerin oder Kosme­tikerin.

Dann lässt Lopez im Sand Eins-gegen-eins-Situationen üben. Die Verteidigerinnen scheinen dabei im Vorteil zu sein. Kann sich mal eine Angreiferin durchsetzen, zeigt Goalie Brügger, warum sie eine Anfrage für das Nationalteam erhalten hat. Die Köpfe der Girls röten sich, der Sand bleibt ihnen im Gesicht kleben.

«Beachsoccer ist auch Ferienstimmung»: Selin Lopez ist Trainerin des BSC Sablun Bern, der einzigen Berner Frauenequipe in der NLA. Video: Peter Berger

«Lauft nicht so frontal an», korrigiert Lopez. Die Trainerin ist die Einzige, die eine kleine Spesenentschädigung erhält. Ab Mitte April wird trainiert, immer in Gümligen auf dem Feld, das einst die Sable Dancers erbaut haben. Das Berner Männerteam hatte 2013 und 2014 zweimal das Double gefeiert (Meistertitel und Cupsieg).

Danach löste es sich auf. Jetzt gibt es in Bern nur noch Sablun. Von einem Meistertitel ist die Frauenequipe weit weg. «Wir sind zwar das coolste Team, aber wir werden wohl Letzte», sagt Hirsig.

Wenn am Samstag in Schwarzsee die bis Mitte August dauernde NLA-Meisterschaft mit nur noch sieben Teams startet, sind erneut die Chargers Baselland, der Grasshopper Club Zürich und die Havana Shots Aargau Favorit. Sabluns beste Platzierung ist der sechste Rang.

Doch vielleicht gibt es eine Überraschung. Denn plötzlich zaubert Messi. Im Dress des Superstars steckt Seline Imhasly. Die 23-Jährige praktiziert einen Fallrückzieher nach dem anderen – in bester Ronaldo- oder Bale-Manier. Das erstaunt. Denn die Kickerin des FC Naters hat noch kein einziges Spiel im Sand absolviert und ist neu im Team. Jeden Mittwoch kommt sie aus Mörel nach Gümligen.

«Im Wallis gibt es weder ein Beachsoccer-Feld noch einen Club», begründet sie, warum sie die Reisestrapazen auf sich nimmt. Imhasly will «nur Spass haben. Aber ich hoffe trotzdem, dass wir nicht Letzte werden.» Trainerin Lopez bleibt diesbezüglich optimistisch.

«Das Niveau in der Liga ist zwar gestiegen, doch wir sind auch besser geworden. Aber wie gesagt: Wir wollen nicht nur erfolgreich sein, wir wollen auch Spass haben.» Und dazu gehört selbstverständlich das Bier aus der Kühlbox nach dem Training; natürlich immer noch zum Sound aus dem Lautsprecher.

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