Trump feiert lieber allein – und lädt Sportteam aus

Weil er sie für unpatriotisch hält, zieht der US-Präsident eine Einladung an die Superbowl-Sieger Philadelphia Eagles ins Weisse Haus zurück.

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David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Dass sich Präsidenten gerne mit erfolgreichen Sportteams schmücken, hat Tradition. In den USA ganz besonders – schon seit 1865 werden die Meister in den verschiedensten Ligen und Klassen traditionell ins Weisse Haus eingeladen und in einer Zeremonie vom jeweiligen US-Präsidenten geehrt.

John F. Kennedy empfing 1963 erstmals ein Team der Basketball-Profiliga, und spätestens seit Ronald Reagan sind diese Besuche institutionalisiert. Und die ausgesprochenen Sportfans Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama führten die Tradition mit Genuss fort. Schon früher wurde der Anlass dann und wann politisiert – 1984 hatte NBA-Legende Larry Bird keine Lust auf Ronald Reagan. Und 1991 ging Michael Jordan lieber golfen, statt sich mit George Bush Senior zu treffen.

Unter Donald Trump häufen sich die Absagen – und hat auch der Präsident selbst nicht immer Lust. Im vergangenen Herbst zog er die Einladung an den Basketballmeister Golden State zurück, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass die Mannschaft gar nicht kommen würde.

«Hurensöhne» nannte er sie

Ähnliches ist nun im Fall der Philadelphia Eagles passiert. Der überraschende Superbowl-Champion war heute Dienstag im Weissen Haus erwartet worden, doch viele Spieler haben sich gegen eine Visite bei Donald Trump ausgesprochen. Der Präsident hatte protestierende Spieler der National Football League mit scharfen Worten verurteilt und ihnen unterstellt, sie verhielten sich unpatriotisch und verunglimpften das Militär, indem sie während der Nationalhymne knien.

Dass der Protest der Spieler der Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gilt? Interessiert Trump so wenig wie seine konservativen Einflüsterer. Einmal nannte er die protestierenden Akteure gar «Hurensöhne» und forderte die Teambesitzer auf, sie zu feuern. Kürzlich beugte sich die NFL dem Druck Trumps und verabschiedete eine Regel, die es Spielern künftig verbietet, während der Hymne zu knien.

Vor allem Spieler der Eagles kritisierten diese neue Regel deutlich. Als nun klar wurde, dass der traditionellen Einladung ins Weisse Haus weniger als zehn Spieler folgen und der Rest des Teams sich die Zeit in Washington mit Sightseeing und Wohltätigkeitsanlässen vertreiben würden, lud sie Donald Trump wenige Stunden vor dem Besuch wieder aus.

Der Stolz von Philadelphia

Stattdessen will er alleine feiern. Oder besser: mit den rund 1000 Fans, die laut Medienmitteilung des Weissen Hauses erwartet werden. Darin steht auch, wie Trump das tun will: «Wir werden unser grossartiges Land ehren und den Helden unserer Kriege Tribut zollen, indem wir laut und stolz die Nationalhymne singen. Ich werde um 15 Uhr dort sein, um Amerika zu feiern.»

Ob Eagles-Fans dem Aufruf folgen werden, ist unklar: Philadelphia, wo 1787 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verfasst wurde, gilt als liberale Stadt. Der demokratische Bürgermeister Jim Kenney ging auch prompt auf Konfrontationskurs mit Trump nach dessen Entscheid: «Die Eagles nennen den Geburtsort unserer Demokratie ihr Zuhause. Ihre Spieler repräsentieren die Diversität unserer Nation – einer Nation, in der das Recht auf freie Meinungsäusserung besteht. Ich bin stolz auf ihre Haltung.»

Und er attackiert den Präsidenten direkt: «Das Team vom Besuch im Weissen Haus auszuladen, beweist, dass unser Präsident kein Patriot ist, sondern ein schwacher Egomane, der Angst davor hat, eine Party zu schmeissen, auf die niemand Lust hat.»

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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