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Vor der Titelverteidigung voller Tatendrang

Am Samstag tritt die 38-jährige Bernerin Aniya Seki zur Titelverteidigung an. Gegnerin im Kampf um den WBC-Silbertitel ist die Ungarin Kleopatra Tolnai.

Die Berner Boxerin Aniya Seki und ihr Trainer Bruno Arati über den Vorbereitungen zum WBC-Silbertitel-Kampf am Samstag.

Aniya Seki ist bereit für den Kampf am Samstag. Daran lässt der Augenschein am Dienstagmorgen im Trainingsraum des Boxclubs Bern keine Zweifel. Sie absolviert eine Einheit mit dem Kubaner Liesser Guzman. Ihr Trainer Bruno Arati hält sich derweil im Hintergrund. Die 38-Jährige schlägt ihre Kombinationen schnell und präzis.

Obwohl völlig verschwitzt, hält die in Japan geborene Bernerin inne und meint entschuldigend: «In der Woche vor dem Kampf ist nur noch leichtes Training angesagt.» Während einer Stunde trainiert sie mit Guzman. Der frühere Amateurboxer von der Karibikinsel gibt den Takt vor, treibt sie an, bis am Schluss die Kraft- und Rumpfübungen erledigt sind. «Er hilft mir», sagt Seki. «Alle hier im Boxclub helfen mir.»

Während zweier Monate hat sie sich auf den Kampf vorbereitet, jeweils zwei Stunden pro Tag. «Ich bin bereit», betont die Bernerin. Und Arati fügt an: «Sie ist besser vorbereitet als im Juni.» Technisch und konditionell sei sie weiterhin sehr gut. In der Schweiz gebe es keine Frau, die auch nur annähernd ihr Niveau habe, meint Arati.

«Viel aufgestaut»

Aniya Seki will am Samstag den WBC-Silbertitel verteidigen.
Aniya Seki will am Samstag den WBC-Silbertitel verteidigen.
Christian Pfander
Während zweier Monate hat sie sich auf den Kampf gegen die Ungarin Kleopatra Tolnai vorbereitet, jeweils zwei Stunden pro Tag.
Während zweier Monate hat sie sich auf den Kampf gegen die Ungarin Kleopatra Tolnai vorbereitet, jeweils zwei Stunden pro Tag.
Christian Pfander
«Es hat sich viel aufgestaut in letzter Zeit, deshalb freue ich mich jetzt auf den Kampf», sagt Aniya Seki
«Es hat sich viel aufgestaut in letzter Zeit, deshalb freue ich mich jetzt auf den Kampf», sagt Aniya Seki
Christian Pfander
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Seki ist voller Tatendrang. «Es hat sich viel aufgestaut in letzter Zeit, deshalb freue ich mich jetzt auf den Kampf.» Schon im März war ein geplanter Kampf nicht zustande gekommen. Im Juni musste sie dann die Titelverteidigung gegen Eva Voraberger kurzfristig platzen lassen, weil sie sich im Training einen Bänder- und Sehnenriss am Fuss zugezogen hatte. Das hat ihr viel Kritik von der Österreicherin eingebracht. «Ich habe nichts falsch gemacht», hält Seki fest.

Jetzt soll es am Samstag in der Mooshalle in Gümligen gegen die bald 21-jährige Ungarin Kleopatra Tolnai klappen mit der Titelverteidigung des WBC-Silbergürtels. Über die Gegnerin weiss Seki nicht viel: «Ich kenne sie nicht und beschäftige mich eigentlich nie mit der Gegnerin. Wichtig und entscheidend ist, dass ich konzentriert bin.»

Das bedeutet nicht, dass sie nur auf sich fokussiert ist. «Das wäre nicht gut, ich muss auch spüren und antizipieren, was die Gegnerin vorhat.» Obwohl fast doppelt so alt, ist Seki überzeugt, den Kampf zu gewinnen. Denn sie hat noch viel vor. Mit dem Bastelzentrum und dem Rückenzentrum verfügt sie erstmals über fixe Sponsoren. «Dank ihnen ist auch meine nähere Zukunft geregelt. Ich weiss schon jetzt, wie mein Boxplan im Jahr 2018 aussieht. Das erlebe ich zum ersten Mal.»

Goldtitel im Oktober 2018?

Bisher musste sie nach einem Kampf jeweils wieder neu beginnen, Sponsoren und Leute aufzutreiben, die ihr einen nächsten Kampf ermöglichen. Nun weiss sie, dass sie im Dezember am Boxing Day auftreten, im nächsten März noch einmal den Silbertitel verteidigen und dann im Oktober 2018 um den WBC-Goldtitel im Bantamgewicht – ihr grosses Ziel– kämpfen wird.

Dann könnte sie vielleicht auch etwas verdienen. Der Event am Wochenende gegen Tolnai kostet 15'000 Franken. «Ich erhalte keine Gage», sagt Seki. Dafür lebt sie ihren Traum. Geld verdient sie mit dem Fitnessboxen an den Migros-Kursen. Dazu leitet sie das Schülerboxen im Club.

Seki trainiert auch mit Parkinsonkranken. «Das soll dereinst meine zweite Karriere werden», sagt sie. Sie träumt davon, einmal ein richtiges Boxgym mit installiertem Boxring für ihre Patienten zu haben. Aber derzeit ist sie noch diejenige, die trainiert.

Und auch wenn sie das an diesem Morgen gedrosselt tut, ist der Beobachter doch froh, dass nicht er ihr am Samstag im Ring gegenüber stehen muss.

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