Wacker ist nicht unterzukriegen

Wacker gleicht die Playoff-Halbfinal-Serie mit einem begeisternden Auftritt aus. 27:19 schlagen die Thuner Pfadi Winterthur. Nicolas Raemy feiert sein Comeback.

hero image
Adrian Horn

Als er Nicolas Raemy auf dem Feld erblickt, als er registriert, dass sich dieser auf die bevorstehende Begegnung vorbereitet, da ahnt der Wacker-Anhänger: Das wird ein toller Abend.

Dass der Luzerner tatsächlich auch mittun wird, steht zu diesem Zeitpunkt nicht fest. Erst nach dem Einlaufen entscheidet der Akteur in Absprache mit Physiotherapeut Cyril Dähler, dass er spielen wird. Vor neun Tagen war der Linkshänder an selber Stätte heftig gefoult worden, Partie 4 der Viertelfinalserie gegen Suhr konnte Raemy nicht zu Ende spielen.

48 Stunden später reiste der Aufbauer nicht mit der Mannschaft nach Aarau an den entscheidenden Match um den Einzug in die Vorschlussrunde, nachdem ihm während eines Spaziergangs schwindlig geworden war.

Eineinhalb Jahre hatte der Nationalspieler einst wegen eines Schleudertraumas verpasst, er drohte erneut auszufallen. Anfang Woche unterzog er sich in Zürich Untersuchen. Stundenlang dauerten diese; aber sie fielen positiv aus. Und als Raemy am Donnerstag um 19.30 Uhr nach «eineinhalb Trainings» den Platz betritt, als er die 1430 Zuschauer jubeln hört, da kriegt er Gänsehaut. «Das hat mich bewegt; es war wunderschön», erzählt der 26-Jährige.

Topskorer stellt die Weichen

Raemy sitzt zunächst auf der Bank. Die Hauptrolle nimmt Ivan Wyttenbach ein, der Topskorer, den die Winterthurer nicht in den Griff kriegen. Die vier ersten Thuner Treffer erzielt der Regisseur, den fünften bereitet er gekonnt vor. 8:4 führt Wacker gegen Pfadi nach 11 Minuten, Wyttenbach hat bereits fünf Tore geworfen und zwei unmittelbar eingeleitet.

Acht Minuten vor der Pause wird Raemy eingewechselt – und damit just zu dem Zeitpunkt, zu dem er vor neun Tagen ausfiel. Gut fügt er sich nicht ein. Einem Fehlzuspiel folgt eine 2-Minuten-Strafe. Danach ist der nach Andy Schmid wohl begabteste helvetische Handballer eine zentrale Kraft. Glücklich sei er, sagt der Innerschweizer, «aber ich bin nicht euphorisch, denn ich weiss: Morgen können die Kopfschmerzen wieder da sein».

Es ist einer dieser Abende, an denen man in der Lachenhalle eher nicht gastieren möchte. In ihrem unnachahmlichen Mix aus Maximalleidenschaft, Tempohandball und Spielwitz führen die Hausherren die Zürcher in der zweiten Hälfte vor. 27:19 siegt Martin Rubins Team, und Raemy sagt: «Das soll nicht arrogant klingen, aber ich glaube, wir können uns noch steigern.» Der Titelverteidiger gleicht die Halbfinalserie aus, und am Sonntag hat er in Winterthur die Chance, sich einen Matchball zu erkämpfen.

Wacker - Pfadi 27:19 (13:11)

Wacker: Winkler (17. Wick/2 Tore); Dähler (1), Wyttenbach (6/3), Suter (2), Simon Huwyler, Stefan Huwyler (3), Felder (1), Linder (4), Guignet (2), Friedli, Raemy (4), Lanz, Manse (1/1), Krainer (1), Sorgen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt