Zum Hauptinhalt springen

Wacker siegt erstmals europäisch

Im dritten Gruppenspiel des EHF-Cups gewinnt Wacker erstmals Punkte – ausgerechnet gegen BM Granollers, den stärksten Widersacher. Die Thuner siegen 26:23.

Adrian Horn
Entschlossen: Mit Wucht stösst Nicolas Suter in die gefährliche Zone vor.
Entschlossen: Mit Wucht stösst Nicolas Suter in die gefährliche Zone vor.
Patric Spahni

Nicolas Suter hat sein Lächeln wieder. Und Michael Suter ärgert sich vielleicht gerade grün. Am Donnerstag veröffentlicht Nationaltrainer Michael Suter das Aufgebot für den Zusammenzug Mitte März. Darin fehlt der Name von Nicolas Suter. Der Aargauer war Ende Dezember für den Yellow-Cup in Winterthur als Folge seiner exzellenten Darbietungen bei Wacker erstmals nominiert worden, bestritt drei ­Partien für die Landesauswahl. Diesmal berücksichtigte ihn der Coach nicht, es handelte sich vornehmlich um eine Reaktion auf die jüngsten Auftritte des Regisseurs, mit welchen dieser mehr irritiert denn begeistert hatte.

«Hätt ich das Kader doch bloss ein paar Tage später zusammengestellt!», sagt sich der Trainer des Schweizer Ensembles möglicherweise, als er sieht, dass der 24-Jährige in der EHF-Cup-Gruppenpartie gegen den spanischen Spitzenclub Granollers gross aufspielt. Sechs Treffer erzielt der Rechtshänder. Er agiert wieder, wie er dies zu Saisonbeginn getan hat, als er so sehr überzeugte, dass wir bereits die Frage aufwarfen, ob Suter der beste Zuzug in der Vereinsgeschichte der Berner Oberländer sei: unbekümmert, erfolgreich, mit einer Menge Zug zum Tor – und einem nie weichen wollenden verschmitzten Lächeln, das ihn auszeichnet und die Widersacher zuweilen auf die Palme bringt.

Suter bestreitet nicht, schwierige Wochen hinter sich zu haben, als er Auskunft gibt. Die Erleichterung, zurück zu sein, wieder der zu sein, der er war, ist offensichtlich. Womit das Tief in Zusammenhang gestanden sei, könne er nicht sagen, er habe keine Erklärung dafür gehabt, sagt der in Zürich Banking and Finance studierende und in Thun wohnhafte Aargauer. Die Kollegen hätten ihm erzählt, seine Aktionen seien nicht mehr so zwingend, nicht mehr so rund, wie sie dies zuvor gewesen seien. «Ich habe mir vorgenommen, Freude auszustrahlen, die Partie zu geniessen – das hat zuletzt wohl gefehlt.»

Ein Genuss ist der Match für Wacker zu Beginn nicht. Die Thuner wirken hochgradig verunsichert, sie haben zuletzt viermal verloren, und eine Kanterniederlage erscheint in der Startphase wahrscheinlicher als ein Coup gegen den Fünftklassierten der Liga des Europameisters, gegen jenen Club, der diesen Wettbewerb zweimal gewonnen hat. Suter seinerseits verzeichnet zum Auftakt ein Fehlzuspiel. Und als Schlüsselkraft Lukas von Deschwanden mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen bleibt, droht die Veranstaltung ein Reinfall zu werden, sie birgt gerade so manchen Ansatz zur Frustration.

3 Begegnungen, 2 Zähler, 1 guter Auftritt

Die Thuner aber bleiben dran, irgendwie, vorab dank Keeper Marc Winkler, der einen Sahnetag erwischt, 43 Prozent aller Würfe der Katalanen pariert. Und als sie sich gleich mehrmals ungerecht behandelt fühlen von den Unparteiischen, laufen sie zu Hochform auf. Sie gleichen aus, gehen in Führung und verteidigen den Vorsprung mit bemerkenswerter Souveränität. 26:23 gewinnen sie vor 1120 Zuschauern, es sind die ersten Punkte in der Gruppenphase, in der sie drei Partien absolviert haben. Errungen haben sie diese ausgerechnet gegen den stärksten Gegner – ein Beleg dafür, dass sie gegen Chambéry (25:29) und vor allen Dingen gegen Azoty-Pulawy (29:31) weit davon entfernt gewesen waren, das Potenzial abzurufen.

Alles geklappt hat auch am Sonntag nicht – wodurch der Exploit an Wert gewinnt. Von Deschwanden kehrte auf die zweite Hälfte hin aufs Feld zurück und verzeichnete einzelne starke Aktionen, war aber nicht der Anführer, der er normalerweise ist. Auch Lenny Rubin, der andere künftige Bundesligaspieler in den Reihen des fünfmaligen Cupsiegers, tat sich vergleichsweise schwer. So hat der Coup bloss ein Gesicht: jenes von Nicolas Suter. Und es lächelt verschmitzt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch