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Warten auf den Urknall

Basketball-Superstar LeBron James hegt Wechselabsichten – offenbar sieht er sein Vermächtnis in Gefahr. Entscheidet er sich zum Transfer, wird das die ganze NBA in Aufruhr versetzen.

Im Zentrum des Transfersommers: LeBron James. Foto: Jason Miller (Getty)
Im Zentrum des Transfersommers: LeBron James. Foto: Jason Miller (Getty)

Es herrscht Chaos im Kosmos Basketball. In der NBA, der besten Liga der Welt, sind derzeit zahlreiche Stars vertragslos, in dieser Sommerpause müssen all diese neu sortiert werden. Und auf eines warten die Leute vor allem: den Urknall, der alles in Bewegung setzen wird.

Denn der Stern in der Mitte, um den sich alles dreht, das ist LeBron James. Er muss bis zum 29. Juni entscheiden, ob er seine Option ziehen und für ein Gehalt von 35,6 Millionen Dollar noch eine weitere Saison bei den Cavaliers bleiben möchte. Sollte er die Option verstreichen lassen, könnte er dennoch in Cleveland bleiben: Am 1. Juni beginnt die sogenannte Free Agency, bei der sich Spieler ohne Vertrag für einen neuen Verein entscheiden dürfen, die Cavaliers könnten ihm dann einen Vertrag vorlegen, der fünf Spielzeiten lang gilt und mit insgesamt 205 Millionen Dollar vergütet wird – alle anderen Vereine dürften ihm laut NBA-Reglement «lediglich» 152 Millionen Dollar für vier Jahre anbieten.

Schon 234 Millionen verdient

Dieser Unterschied von drei Millionen Dollar pro Saison dürfte kaum eine Rolle spielen, James hat in seiner Karriere insgesamt knapp 234 Millionen Dollar verdient und mit seinem Ausrüster Nike sowieso einen auf Lebenszeit gültigen Vertrag abgeschlossen – er dürfte ihm mehr als eine Milliarde Dollar einbringen. Es geht James (33) um viel mehr als Geld. Es geht ihm um sein Vermächtnis, das letztlich auch anhand der Titel bewertet werden dürfte: Trotz neun Finalteilnahmen hat er bislang erst drei Meisterschaften gewonnen, zwei mit Miami Heat und eine mit Cleveland vor zwei Jahren.

Es ist deshalb die Zeit der Sterndeuter, die jedes Gerücht und jeden Eintrag beim Kurznachrichtendienst Twitter zu einem Indiz verklären, stets verbunden mit der Frage: Bei welchem Verein hätte James die grösstmögliche Chance, die Dominanz der Golden State Warriors (drei Titel in vier Jahren) zu beenden?

«Ich will noch immer Titel gewinnen», hat James nach der ernüchternden 0:4-Finalniederlage in diesem Jahr gesagt: «Die Frage ist: Wie stellt man ein Team zusammen, das nicht nur talentiert genug ist, sondern auch die richtige Einstellung hat, um mit Golden State mitzuhalten?» Das war freilich nichts weniger als eine Aufforderung an alle Clubs, die sich um seine Dienste bemühen, sich gefälligst Gedanken darüber zu machen, wie man so ein Kader basteln könnte mit Spielern, die, wie James sagt, «diesen Sport nicht nur spielen, sondern auch denken».

Wohin geht er?

Die Houston Rockets zum Beispiel, das Team von Clint Capela, haben die Warriors im Halbfinal zu einer spannenden Sieben-Spiele-Serie gezwungen. Der am Montagabend als wertvollster Spieler der vergangenen Saison ausgezeichnete James Harden ist langfristig an den Verein gebunden. Die Rockets könnten Spielmacher und LeBron-James-Kumpel Chris Paul einen Maximalvertrag (205 Millionen Dollar für fünf Jahre) anbieten, allerdings hätten sie dann aufgrund der Gehaltsobergrenze kaum noch Spielraum für ein optimales Angebot an James. Der müsste also mit Paul über einen Gehaltsverzicht sprechen, um das Triumvirat Harden-Paul-James in Houston zu ermöglichen. Es heisst, dass James und Paul vor kurzem bereits miteinander telefoniert haben sollen.

Apropos Triumvirat: Davon träumen auch die Los Angeles Lakers. Sie hätten genug Spielraum, um LeBron James und Paul George zu verpflichten und darüber hinaus via Tauschgeschäft noch Kawhi Leonard zu bekommen, der die San Antonio Spurs über seine Wechselabsichten informiert hat. In Los Angeles sind seit Montagabend mehr als 40 überdimensionale Werbeplakate zu sehen, auf denen James und George ein Wechsel zu den Lakers empfohlen wird, der Anwalt und Lakers-Fan Jacob Emrani hat sie gemietet, es heisst, dass James auch bereits mit George telefoniert hat.

Doch – und nun wird es kompliziert: Aus dem Umfeld der Spurs ist nun zu hören, dass sie keine besonders grosse Lust haben, Leonard an einen Verein im Westen abzugeben – weshalb den Cavaliers plötzlich wieder Chancen zugesprochen werden, James doch behalten zu können: Es heisst, dass Cleveland bereits in San Antonio die Konditionen für ein mögliches Tauschgeschäft erbeten und James auch schon mit Leonard gesprochen habe. Allerdings sollen auch die Boston Celtics und die Philadelphia 76ers an den Diensten von Leonard interessiert sein, die 76ers gelten auch als mögliche Optionen für James oder George – 76ers-Starspieler Joel Embiid warb auf Twitter wiederholt um James.

Und wie entscheidet sich der Superstar denn nun? Natürlich hält sich James vor allem bedeckt. Und mit ihm die Konkurrenz. Anlässlich einer Veranstaltung in Los Angeles wurde Thunder-Forward Paul George gefragt, ob er sich zu seinem künftigen Club äussern könne. Er lächelte nur und sagte: «Nächste Frage.» Offenbar hat George keine Eile, sich zu entscheiden. Er wartet – wie viele andere auch – auf LeBron James.

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