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Weltspitze sind sie, jetzt wollen sie mehr

An der EM der Springreiter in Rotterdam zählt die Schweizer Equipe zu den Favoriten. Leader Steve Guerdat will gewinnen.

Im Sattel von Bianca will Steve Guerdat (37) abheben und erstmals auch im Einzel den Titel erobern. Foto: Rolf Vennenbernd (Keystone)
Im Sattel von Bianca will Steve Guerdat (37) abheben und erstmals auch im Einzel den Titel erobern. Foto: Rolf Vennenbernd (Keystone)

Die Ausgangslage ist so komfortabel wie noch nie: Die Schweizer Springreiter sind mit dem Weltranglistenleader Steve Guer­dat und der Weltnummer 4, Martin Fuchs, an die EM gereist. Ab heute stehen sie in Rotterdam im Einsatz. Zudem tritt die Schweiz erstmals als Qualifikationssiegerin der Nationenpreis-Serie an.

Die Favoritenrolle möchte Equipenchef Andy Kistler trotzdem lieber den Schweden zuschieben. Sie gewannen diese Saison vier Länderwettkämpfe, etwa in Aachen und Rom. Doch dem Innerschweizer ist klar: «Mit zwei Top-Ten-Reitern liegt einiges drin. Alles andere als ­Medaillen mit dem Team und im Einzel wäre eine Enttäuschung.»

Zumal die Vorzeichen bei den letzten beiden Austragungen deutlich schlechter standen und trotzdem jeweils Bronze resultierte. Für Göteborg 2017 fielen mehrere Leistungsträger aus, und 2015 in Aachen musste das Team ohne Guerdat und Olympiagold-Pferd Nino de Buissonnets antreten. Das Paar war wegen eines Dopingbefundes gesperrt.

Befreit von weiterem Druck

Ohne Teamstützen wie Janika Sprunger oder Werner Muff, denen zurzeit Spitzenpferde fehlen, war das EM-Kader in diesem Jahr noch enger, doch blieb man von Ausfällen verschont. Neben den Stars Guerdat und Fuchs setzen Kistler und Coach Thomas Fuchs auf zwei Routiniers aus dem Kanton Luzern: den 56-jährigen Paul Estermann mit Lord Pepsi und den 53-jährigen Niklaus Rutschi, der mit Cardano CH zum ersten Mal ein Championat bestreitet. Reservereiter ist Beat Mändli mit Dsarie.

Zusätzlichen Qualifikationsdruck haben die vier Teamreiter keinen: Dank dem 4. WM-Rang im Herbst 2018 gehört die Schweiz mit Gastgeber Niederlande, Schweden, Deutschland und Israel zu den fünf europäischen Teams, die sich die Teilnahme an den nächstjährigen Olympischen Spielen in Tokio bereits gesichert haben. Um die drei verbleibenden Plätze kämpfen zehn Nationen, wobei EM-­Titelverteidiger Irland, Olympiasieger Frankreich, Belgien, Italien und Grossbritannien die grössten Chancen eingeräumt werden.

Bisher haben Schweizer Springreiter an kontinentalen ­Titelkämpfen 17 Team-Medaillen gewonnen. Das ist der drittbeste Wert hinter Deutschland und Grossbritannien. Über einen ganzen Medaillensatz verfügt allein Steve Guerdat: Der Jurassier gewann 2003 als 21-Jähriger Bronze in Donaueschingen und 2017 in Göteborg, 2005 Silber in San Patrignano und 2009 Gold in Windsor. Nur im Einzel fehlt dem Olympiasieger von London 2012 und dreifachem Weltcupsieger noch eine Medaille. Um diese Lücke im Palmarès zu schliessen, hat er seine 13-jährige Schwedenstute Bianca minutiös vorbereitet. Bei der WM ging die Rechnung auf: Er ­gewann Bronze hinter Martin Fuchs.

Auch der 27-jährige Zürcher, der beim Nachwuchs Europameister im Einzel und mit dem Team war, hat mit seinem sprunggewaltigen Clooney den Titel zum Ziel – es wäre das zweite Einzelgold für die Schweiz, 26 Jahre nach dem Sieg seines 2018 verstorbenen Göttis Willi Melliger.

In der Dressur Ziel verfehlt

Die erste von vier EM-Teilprüfungen ist das Zeitspringen von heute, dessen Resultate für das Einzel- und das Teamklassement zählen. Am Donnerstag folgt der erste Umgang im ­Nationenpreis, in der Reprise am Freitag die Teamentscheidung. Zum Einzelfinal am Sonntag über zwei Runden treten die 25 punktbesten Paare an.

Den Team-GP bereits beendet haben die Dressurreiter, die ihre EM ebenfalls in Rotterdam austragen. Trotz Exploits von Estelle Wettstein und Birgit Wientzek Pläge verpasst das Schweizer Team die angestrebte Olympiaqualifikation mit Rang 11 deutlich. Die letzten drei Quotenplätze gehen an Dänemark, Irland und Portugal. Gold sicherte sich zum 24. Mal die Equipe aus Deutschland.

Grossbritannien verlor Silber an die Niederlande, weil ihre beste Reiterin Charlotte Dujardin disqualifiziert wurde: Bei ihrem Pferd wurde nach dem Ritt Blut an der Flanke gefunden, verursacht durch eine Sporenverletzung. Den Grand Prix Spécial der 30 Besten bestreitet am Donnerstag Wientzek Pläge als einzige Schweizerin. Wettstein verpasste als 31. den Cut knapp.

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