Wenn der Final nicht gut genug ist

Die am Mittwoch beginnende EM in Stettin ist für Benjamin Gischard bereits der achte Grossanlass auf höchster Ebene. Er reist mit grossen Erwartungen nach Polen.

Benjamin Gischard ist fit wie lange nicht mehr und peilt eine Medaille an.

Benjamin Gischard ist fit wie lange nicht mehr und peilt eine Medaille an.

(Bild: Marcel Bieri)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Benjamin Gischard klopft auf den Tisch. «Im Moment bin ich fit, so fit wie schon lange nicht mehr», hält er fest. Für einen 23-Jährigen ist das an und für sich keine überraschende Aussage.

Aber Gischard ist Kunstturner, und als solcher betreibt er gewissermassen Raubbau am eigenen Körper. Allerdings beklagte er in den letzten Jahren doch besonderes Verletzungspech, weil er selten in bester körperlicher Verfassung an einen bedeutenden Wettkampf antreten konnte, es ihn entweder in den Schultern oder den Füssen zwickte. Tempi passati.

Trotz seines jugendlichen ­Alters ist der Oberaargauer im Nationalkader einer der erfahrensten Turner. Die am Mittwoch beginnende EM in Stettin ist für ihn bereits der achte Grossanlass auf höchster Ebene. Und Gischard reist mit grossen Erwartungen nach Polen.

Weniger ist mehr

Zweimal hat er einen Gerätefinal erreicht, an den Europameisterschaften 2015 in Montpellier und 2016 in Bern, zweimal schaffte er dies am Sprung. «Bis jetzt habe ich jeweils das Ziel gehabt, den Final zu erreichen.

Doch nun reicht mir das alleine nicht mehr, ich möchte im Kampf um die ­Medaillen auch etwas reissen», sagt Gischard. Die Aussage passt zum Energiebündel aus Herzogenbuchsee. Gischard ist ein ehrgeiziger Athlet – und einer, der selten um einen Spruch verlegen ist.

In Stettin allerdings setzt er auf sein zweites Paradegerät – den Boden – um das Ziel zu erreichen. Dies, weil er an einem neuen Sprung tüftelt. Auch seine Bodenübung hat er angepasst, macht neu einen Doppel-Salto vorwärts mit halber Schraube ­gehockt anstatt einen Doppel-Salto rückwärts mit eineinhalb Schrauben.

In seinem Fall ist ­weniger mehr. Weil Gischard ­dadurch sicherer landet, «und auf das legen die Kampfrichter extrem viel Wert.» Die Übung sei auf ihn zugeschnitten, meint Bernhard Fluck.

Wobei sich der Nationaltrainer bezüglich Zielsetzung zurückhaltender gibt als der ­Athlet: «Er hat das Potenzial, um in den Final zu kommen. Aber man darf nicht vergessen: Die Konkurrenz ist extrem gross.»

Medaille im Visier

Doch es spricht für Gischard und seine Teamkollegen, dass sie grosse Erwartungen an sich ­haben. Es ist das Ergebnis der ­erfolgreichen Auftritte in den letzten Jahren.

Gischard lächelt und meint dann: «Früher hätte vor einer EM kaum jemand von einer Medaille gesprochen, nun rechnet man damit.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt