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Wenn die Liebe mitwischt

Alina Pätz und Sven Michel zählen zu den besten Curlingspielern. Das Liebespaar lebt einen ungewöhnlichen Alltag.

Auch auf dem Eis ein Team: Alina Pätz und Sven Michel spielen neu auch im Mixed-Doppel zusammen. Foto: zvg
Auch auf dem Eis ein Team: Alina Pätz und Sven Michel spielen neu auch im Mixed-Doppel zusammen. Foto: zvg

Er packt seine Tasche, zieht die Jacke an. Ein Kuss, «bis später». Es ist eine Szene aus dem Alltag, wie sie sich Hunderte Male abspielt. Doch Alina Pätz und Sven Michel, der sich an diesem Abend zum Fussballtraining verabschiedet, sind kein gewöhnliches Paar. Die beiden spielen Curling auf höchstem Niveau. Sie ist mittlerweile dreifache Weltmeisterin, er wurde schon Europameister und gewann im Mixed-Doppel zuletzt 2018 den WM-Titel.

Ab Sonntag bestreiten die beiden in Thun die Schweizer Meisterschaft – sie mit Aarau, er mit Genf. Es ist gewissermassen ein Heimspiel, weil sie in Matten bei Interlaken wohnen. Die Sieger werden die Schweiz anschliessend an der WM vertreten. Und für Michel und Pätz gibt es nur dieses eine Ziel.

Es funkt in der Szene

Sobald die Saison begonnen hat, sind Pätz und Michel primär Reisende. Sie war alleine in der letzten Spielzeit 120 Tage unterwegs, er hat seit Herbst bereits acht Wochen in Kanada verbracht. «Würde einer von uns nicht curlen, wäre das viel», sagt Pätz. Dann beginnt er zu lachen, und meint: «Eigentlich ist es sogar gut, so sehen wir uns öfters.» Denn an den grossen Grand-Slam-Turnieren in Kanada spielen – wie im Tennis – Männer und Frauen am selben Ort.

Was jedoch nicht bedeutet, dass sie ihren Alltag gemeinsam bestreiten. Es kommt öfters vor, dass sie gar getrennt fliegen, obwohl sie dieselbe Reise vor sich haben. Nicht weil sie es so wollen, sondern weil sowohl im Team Aarau wie im Team Genf andere für die Planung zuständig sind. «Aber wir können manchmal zusammen Abendessen gehen oder uns die Spiele des anderen anschauen», sagt er.

Wobei: Gerade Letzteres ist für sie eher eine Qual. «Am liebsten würde ich jeweils meine Augen schliessen und warten, bis sie gewonnen haben», meint die Zürcherin lachend. So nervenstark sie auf dem Eis gilt – auf der Tribüne wird sie schnell nervös.

Pätz und Michel sind seit über elf Jahren ein Paar. Zusammengeführt hat sie – natürlich – Curling. Pätz’ Bruder Claudio spielte an einer Junioren-WM mit Michel, so führte das eine zum anderen. Damit stehen die beiden exemplarisch für die Szene, in der es öfters funkt. Erwähnt seien Yannick Schwaller und Briar Hürlimann – beide Spitzencurler und Nachfolger traditionsreicher Curler-Familien. Oder Jenny Perret und Martin Rios, deren Liebe zwar verflossen ist, was sie aber nicht daran hinderte, 2018 im Mixed-Doppel Olympiasilber zu gewinnen.

«Irgendwie liegt das auf der Hand», sagt Michel. «Wenn du so viel Zeit zusammen auf der World Tour verbringst, bietet es sich fast an.» Der 31-Jährige jedenfalls schätzt den Umstand, dass seine Partnerin den gleichen Sport wie er betreibt. «Ich hätte mehr Mühe, wenn ich immer erklären müsste, was ich mache und weshalb ich so viel unterwegs bin.»

Vom Sport leben können Pätz und Michel trotz internationaler Meriten nicht. Deshalb arbeitet er im Stundenlohn als Maurer-Vorarbeiter, sie als Freelancerin im Marketingbereich. Zählt man die rund 20 Stunden dazu, die beide in einer durchschnittlichen Woche für den Sport investieren, ist die Zeit ziemlich ausgefüllt.

Und doch kommt es vor, dass sie schon mal einen Abend lang über Taktik diskutieren. Zuletzt sogar vermehrt, weil die beiden sich entschlossen haben, nebenbei im Mixed-Doppel zusammenzuspielen. Ende Februar werden sie sich an der Schweizer Meisterschaft messen. «Wir hatten noch kein Zielsetzungsmeeting», meint Michel schmunzelnd, angesprochen auf ihre Pläne.

Kritik muss Platz haben

Wer zusammenspielt, führt unweigerlich Diskussionen – auch kritische. Man denke nur an Perret und Rios, welche sich zuweilen gehörig die Meinung geigen. «Wir sagen einander, was gut war. Aber wir sagen einander auch, wenn etwas ein Seich war», meint Michel.

Jüngst waren sie sich an einem Turnier in einer Situation nicht einig. Weil Michel den Stein spielen musste, hatte er das letzte Wort. Der Stein sei perfekt angekommen, sagt Pätz. «Ich würde diese Situation aber auch jetzt noch anders lösen.» Sie könne viel von ihrem Partner lernen, hält die 29-Jährige fest und ergänzt lächelnd: «Umgekehrt ist das ebenso der Fall, auch wenn er das weniger zugibt.»

Die Olympischen Spiele 2022 sind das Fernziel von Pätz und Michel. Was danach kommt, lassen sie offen. Mehr Zeit fürs Plausch-Fussball-Training, oder eine Familie gründen? Vielleicht. Wobei beide wissen: Ganz ohne Curling wird es kaum gehen.

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