Wenn Hoeness fördert – und blockt

Der Bayern-Präsident hat beim Hallensport seine zweite Liebe entdeckt. Das weckt Begehrlichkeiten: Jetzt wünschen sich auch die Handballer mehr Unterstützung durch den FCB.

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Uli Hoeness liegt in den Armen des Trainers. Er verdrückt sogar einige Tränen. Später sagt er, wie die Mannschaft das Vereinscredo verinnerlicht hat: «Mia san mia». Und er macht deutlich, welch Fan des Teams er ist: «Jeder, der das Spiel gesehen hat, wird sich weiter für Basketball interessieren.»

Jawohl: Basketball. Denn darum geht es hier. Die Basketball-Abteilung des deutschen Fussball-Rekordmeisters hatte sich am Sonntag nach einem zwischenzeitlichen 15-Punkte-Rückstand im dritten Finalspiel gegen Alba Berlin doch noch den Sieg und damit die Meisterschaft erkämpft. Damit verteidigte sie den Titel aus dem Vorjahr – ohne eine einzige Niederlage im Playoff. Die herzhafte Umarmung von Hoeness hatte sich Trainer Dejan Radonjic redlich verdient.

Seit 1946 besteht die Basketballabteilung des FC Bayern München, die beiden ersten Meistertitel gewann der Verein bereits 1954 und 1955. Nach einer längeren Baisse stieg der FCBB 2011 wieder in die Basketball-Bundesliga auf. 2014 gewann er erstmals nach 59 Jahren wieder die Meisterschaft. Seit dem Aufstieg sind die Bayern im deutschen Basketball nicht mehr wegzudenken, gehören zu den absoluten Spitzenclubs – auch dank Hoeness. Mit den Titeln im letzten und in diesem Jahr wurde zudem die vormalige Dominanz Bambergs (sieben Titel zwischen 2010 und 2017) gebrochen.

Handball bewegt die Massen wieder

Warum aber fördert Uli Hoeness Basketball? Weshalb begeistert ihn der Sport so? Im Frühling 2010 sprachen sich von 20’000 FCB-Mitgliedern rund 14’000 per Fragebogen für eine verstärktes Engagement im Basketball aus. Hoeness selbst sagte bereits 2005, dass er Basketball liebe und er der Erste sei, der richtig anpacken würde. Aber auch, dass es «die Leute wollen» müssten. Sie wollten. Und Hoeness hielt sein Versprechen.

Dass der FC Bayern München in andere Sportarten expandiert, weckt nun auch andernorts Begehrlichkeiten. Nach Fussball ist Handball in Deutschland die Nummer 2 der Mannschaftssportarten in Deutschland. Den Halbfinal an der Heim-WM zwischen Deutschland und Norwegen im Januar 2019 verfolgten knapp 12 Millionen im TV. Nach der Weltmeisterschaft floriert die Sportart weiter, lockt durchschnittlich 4800 Zuschauer pro Spiel an. Der Rekordmeister THW Kiel verzeichnet dabei mit 10’285 Zuschauern im Schnitt die besten Zahlen. Jede seiner Partien in der letzten Saison war ausverkauft.

Aber ein Handball-Spitzenteam in München? Fehlanzeige. Seit den Konkursen des MTSV Schwabing (1989) und des TSV Milbenhofen (1993) fehlt die Region Bayern in der Handball-Bundesliga. Zwar führt der FC Bayern München seit 1945 eine Handball-Abteilung, allerdings ohne hierbei grosse Ambitionen zu hegen. Die 1. Mannschaft der «Bazis» spielt aber lediglich in der sechsthöchsten Liga des Landes.

Bayerischer Bundesligist bis 2024?

Dass man sich in Deutschland über einen Einstieg des FCB im Handball freuen würde, zeigt eine Aussage des Präsidenten der Handball-Bundesliga, Frank Bohmann. Er sagt: «In München herrscht ein grosses Interesse am Handball. Es gibt Gruppen, die sich Gedanken machen.» München war eine der WM-Spielstätten im Januar 2019 und lockte über 135’000 Zuschauer an die insgesamt 15 Gruppenspiele. Das ergibt einen Schnitt von knapp über 9000 Zuschauern pro Spiel – und Deutschland war nicht einmal in dieser Gruppe. Die DHB-Auswahl absolvierte ihre Vorrunde in Berlin.

Frank Bohmann hofft deshalb auf einen Einstieg des FC Bayern München, der als «Topmarke» die Region handballerisch auf Vordermann bringen könnte. Im Januar 2024 wird Deutschland wieder Schauplatz des verharzten Balls sein: Als Ausrichter der Handball-EM. Vom Timing her, so Bohmann, wäre es sensationell, bis dann eine Bundesliga-Mannschaft aus dem Raum Bayern zu haben.

Keine Wirtschaftlichkeit, dafür mediale Aufmerksamkeit?

Uli Hoeness sagte allerdings einmal deutlich, was er vom Handball hält: Der Sport sei international wirtschaftlich nichts wert. Dafür erntete er scharfe Kritik, er entschuldigte sich anschliessend auch. Er schätze Handball sehr und wolle nichts Negatives über diesen tollen Sport sagen. Ein Engagement im Bereich Handball komme aber nach wie vor nicht in Frage, dem FC Bayern fehle schlicht die Manpower für die Sportart.

Hoeness’ Aussage konterte Liga-Boss Bohmann: «Die Medienreichweite der Basketballer des FC Bayern München hat bei uns der Tabellenletzte.» Die Bedeutung der Bayern im Basketball sei vergleichbar mit derjenigen Maribors im Fussball. Handball sei zudem in vielen Ländern Europas bedeutender als Basketball.

Eine ideale Halle fehlt

Bohmanns Idee, dass das Bundesland Bayern in drei bis fünf Jahren wieder einen Handball-Bundesligisten stellt, ist derzeit Wunschdenken. Es fehlt eine geeignete Halle mit einer Kapazität zwischen 2000 und 4000 Zuschauern. Die Olympia-Halle ist mit einem Fassungsvermögen von 12’000 Plätzen schlicht zu gross und zu teuer. Teuer wäre für den FC Bayern München allerdings relativ. Laut der Nachrichtenagentur dpa wird der FCB sein 20-Millionen-Budget im Basketball für die neue Saison noch einmal erhöhen. Im Vergleich dazu setzt der deutsche Vize-Meister im Handball, der THW Kiel, einen geschätzten Jahresbetrag von 10 Millionen Euro um.

cri

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