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«Wer kein Diplom hat, muss Muskeln haben»

Amadou Konez kam 2009 vom Senegal in die Westschweiz, arbeitet als Türsteher und wird am Sonntag beim Schwingfest in Freiburg den Kanton Genf vertreten. Ein Porträt.

«Ich fühle mich als Schweizer, stehe aber auch für meine eigenen Traditionen ein»: Amadou Konez.
«Ich fühle mich als Schweizer, stehe aber auch für meine eigenen Traditionen ein»: Amadou Konez.
Olivier Vogelsang, «Tribune de Genève»

Mit einer Grösse von 1,93 Meter und seinen 120 Kilo ist Amadou Konez kaum zu übersehen. Fragen wir besser nicht nach seinem Brustumfang oder dem Durchmesser seiner Armmuskeln: Viele Bodybuilder würden vor Neid erblassen. Konez selbst interessiert sich nicht besonders für seine Körpermasse, viel mehr zählt der Wettkampf. Muskeln sind für ihn nur eins der vielen Tools, um den Gegner schneller zu bezwingen.

«Es gab schon Gegner, die mir die Hand nicht schütteln wollten»

Am Sonntag wird Amadou Konez den Kanton Genf beim jährlichen Schwingfest in Freiburg vertreten – eine Premiere für den Senegalesen. Fühlt sich Amadou Konez als «Afrikaner bei den Helvetiern»? «Es ist bestimmt nicht ganz einfach, man muss viel einstecken. Es gab schon Gegner, die mir nach dem Wettkampf die Hand nicht schütteln wollten.» Solche Schwierigkeiten spornen den Senegalesen aber nur noch mehr an: «Es ist motivierend, einen Gegner zu schlagen, der einen nicht mag.» Für Furore zu sorgen, liegt jedoch nicht in Konez’ Art. «Traditionen am Leben zu erhalten, ist sehr wichtig», ergänzt er diplomatisch.

Von Traditionen kann Konez ein Lied singen. «Ringkämpfe sind im Senegal so etwas wie Fussball in Brasilien – man erlernt es schon als Kind», erzählt Konez, der seine Anfänge mit seinen «viel kräftigeren» Brüder gemacht hat. Was ist in der Schweiz anders? «Im Senegal teilt man auch Hiebe aus, es ist ein wenig wie Boxen. Wenn du am Boden bist, hast du verloren. In der Schweiz findet der Wettkampf auf dem Boden statt», erklärt Konez.

«Ich will Schwingerkönig werden»

Amadou Konez kommt 2009 in die Schweiz mit dem Ziel, sein Training fortzusetzen und sportlich erfolgreich zu sein. «Das Schwingen ist ein sehr technischer Sport», erklärt Konez. Seit seiner Ankunft in der Schweiz trainiert er im Schwingerverein von Carouge. Tagsüber schleppt er Kisten für eine Umzugsfirma, abends geht er zum Training und nachts arbeitet er als Türsteher. «Wenn du in Genf kein Diplom hast, musst du halt Muskeln haben.»

Konez’ Wettkampftraining hat vor 20 Wochen begonnen und beinhaltet Lauf- und Krafteinheiten, Ringkämpfe und eine proteinhaltige Ernährung. Zum Frühstück verdrückt Konez zehn Eier, dazu Brot mit Konfitüre sowie Müesli und in Milch aufgelöstes Proteinpulver. Trotz dieser grossen Kalorienzufuhr wurden dem Senegalesen die Umzüge irgendwann zu viel: «Neben den Trainings war es einfach zu anstrengend.»

Amadou Konez will ganz hoch hinaus. «Im Senegal gibt es Ringkämpfer, die nicht so gut sind wie ich und trotzdem mehr verdienen. Das stimmt mich natürlich nachdenklich, aber ich weiss, dass auch ich es schaffen kann. Ich möchte Schwingerkönig werden!» Auch an Wettkämpfen im Senegal möchte Konez teilnehmen. «Bei einigen Wettkämpfen liegen bis zu 700'000 Euro drin! Ringkämpfe sind im Senegal ein riesiges Business.» Ertönt am 24. Juni der Startschuss für Konez’ sportlichen Erfolg? Der Senegalese zeigt sich zuversichtlich: «Ich habe viel trainiert und bin gut vorbereitet.»

Mit Glücksbringern zum Erfolg?

Konez bereitet sich nicht nur körperlich, sondern auch mental auf die Wettkämpfe vor. «Meine Mutter hat im Senegal einen Wunderheiler besucht und mir Glücksbringer geschickt, die ich während der Kämpfe manchmal auch trage – aber immer versteckt», erzählt Konez. Ein Schwinger mit afrikanischen Glücksbringern, ein Senegalese als Vertreter des Kantons Genf, ein Afrikaner als Verfechter der Schweizer Kultur – ein Widerspruch? «Nein. Ich fühle mich als Schweizer, stehe aber auch für meine eigenen Traditionen ein», erklärt der Senegalese.

Manchmal führt das Zusammentreffen der beiden Kulturen aber auch zu merkwürdigen Situationen: So verschweigt Konez beispielsweise sein Geburtsdatum, um den Zorn anderer Glücksbringer nicht auf sich zu ziehen. Auch uns hat er nur sein Geburtsjahr preisgegeben.

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