Zurückgekämpft

Vor zweieinhalb Jahren erlitt Lars Sollberger einen Schlaganfall. Davon liess sich der 35-Jährige jedoch nicht entmutigen und erbringt nun wieder sportliche Höchstleistungen – wie jüngst am Belpathlon.

Geniesst es wieder Sport zu treiben: Lars Sollberger (Zweiter von links).

Geniesst es wieder Sport zu treiben: Lars Sollberger (Zweiter von links).

(Bild: Iris Andermatt)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Lars Sollberger biegt in die Zielgerade ein. Er schwitzt, leidet, kämpft. Mit letzter Kraft tritt er in die Pedale seines Mountainbikes. Die Konkurrenten haben die anschliessende Radstrecke schon vor einiger Zeit in Angriff genommen. Doch das ist für den 35-Jährigen im Moment zweitrangig. Das Wichtigste ist für ihn, dass er es ins Ziel geschafft hat, dass er seinen Teil des diesjährigen Belpathlons (14,5 Kilometer Inlineskaten, 22 Kilometer auf dem Mountainbike) hinter sich gebracht hat. Sollberger hat gelernt, die schönen Momente zu schätzen, Erfolgserlebnisse zu geniessen. Denn er weiss: Von einer Sekunde auf die andere kann sich das Leben schlagartig verändern.

Wieder laufen lernen

Im Februar 2015 erlitt Sollberger einen Schlaganfall. Der aktive, polysportive Emmentaler war auf einmal völlig hilflos an ein Bett gefesselt. Nachdem er ins Inselspital eingeliefert worden war, fragte er die Ärzte bald einmal, ob er am kommenden Wochenende am Halbmarathon in Berlin werde teilnehmen können. «Ich wusste gar nicht, was dieser Schlaganfall für mich bedeuten würde», sagt Sollberger. Er bedeutete eine grosse Herausforderung für ihn und seine Familie: Sollberger musste wieder laufen lernen, Koordination und Feinmotorik waren stark eingeschränkt. «Das war sehr hart, weil ich nicht wusste, wie es sich entwickeln würde», sagt er.

Auch heute spürt der in Rüfenacht wohnhafte Emmentaler die Auswirkungen des Schlaganfalls im Alltag, es hindert ihn jedoch nicht daran, wieder sportliche Höchstleistungen zu erbringen – im Gegenteil. Sollberger erzählt, dass er sich, als er über Ostern 2015 erstmals aus der Rehaklinik nach Hause gehen konnte, weigerte, einen Rollstuhl mitzu­nehmen. «Ich wollte unbedingt wieder laufen, auch wenn es zu Beginn nur mühsam voranging.»

«Es bringt nichts, zurückzuschauen»

Sport war für Sollberger immer der Antrieb, weitere Fortschritte zu machen. Er wollte so schnell wie möglich zurück auf den Fussballplatz, zurück auf die Inlineskates, zurück aufs Velo. Mit dem Schicksal gehadert hat der ausgebildete Mentaltrainer nicht. «Es bringt nichts, zurückzuschauen», sagt er. Vielmehr will er mit seinen sportlichen Tätigkeiten die Leute sensibilisieren, darauf aufmerksam machen, dass Schlag­anfälle jeden und jede treffen können, auch wenn das im ersten Augenblick, wie bei ihm damals, vielleicht «surreal» wirke.

Sollberger hat sich zurückgekämpft; am Sonntag vor einer Woche bestritt er zum dritten Mal in Folge den Engadin-Inline-Marathon, und am kommenden Wochenende steht der Berlin-Marathon auf dem Programm, bevor er im Oktober dann mit seinen Inlineskates am Start des Marathons in Paris stehen wird. «Es ist viel los im Moment», sagt Sollberger und schmunzelt. Den Schweiss, das Leiden und den Kampf nimmt er gern auf sich.

Berner Zeitung

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