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Mit Marc Berthod auf der Streif

Mausefalle, Steilhang, Seidlalm, Traverse, Zielschuss: Der SRF-Experte erklärt, worauf es bei der legendären Abfahrt von Kitzbühel ankommt.

Brettert heute auch als Kamerafahrer über die Pisten: Marc Berthod (vorne) mit Bruno Kernen am Lauberhorn.
Brettert heute auch als Kamerafahrer über die Pisten: Marc Berthod (vorne) mit Bruno Kernen am Lauberhorn.
Keystone

Es ist alles etwas grösser, etwas gefährlicher. Etwas eisiger und holpriger. Und das wird zelebriert. Weil Kitzbühel ist. Am Samstag steht die Abfahrt an. Aksel Lund Svindal sagte einst über sie: «Bei Olympia gibt es Zufallssieger, hier gewinnen immer die Besten.» Nun, die vier olympischen Medaillen, die der Norweger in seiner beeindruckenden Karriere geholt hat, sind gewiss kein Zufall. Doch nicht einmal er konnte hier gewinnen.

Der Rekordsieger heisst Didier Cuche, fünfmal gewann er, er ist der König der Streif. Er meisterte die Schlüsselstellen wie kein Zweiter. Die Mausefalle, den Steilhang, den Seidlalmsprung, die Traverse und den Zielschuss. Marc Berthod hat uns nun mitgenommen auf diese Strecke, auf der Cuche Grosses erreicht hat. Und der SRF-Experte erzählt uns, worauf es in Kitzbühel ankommt.

Der Steilhang

Mit Marc Berthod auf der Streif: der Steilhang. (Video: Tamedia/Marcel Rohner)

Los geht es eigentlich schon am Start. Vor dem Häuschen, aus dem sich die Fahrer stürzen, glänzt das Eis. Es folgen die zwei berüchtigten Schwünge, trotz denen kommt man noch mit über 80 km/h auf die Mausefalle zu und springt – so sieht es von oben aus – gerade ins Leere. Im ersten Video befinden wir uns nach diesem ersten Aufreger und dem folgenden U-Hakerl beim Steilhang, einer weiteren Schlüsselpassage.

Der Steilhang ist nicht wirklich lang. Aber eben, er ist steil. Und etwa so glatt wie ein Eisfeld. Besonders schwierig ist hier die Ausfahrt, denn danach folgt ein langer Weg, auf dem Gleiterqualitäten gefragt sind. Bei der eisigen Ausfahrt also gilt es, trotz der Glätte eine hohe Linie zu finden, mit vollem Druck auf dem linken Ski. Wer das nicht schafft, der landet in den Banden, nimmt kaum Tempo mit und hat das Rennen schon hier verloren.

Der Seidlalmsprung

Mit Marc Berthod auf der Streif: der Seidlalmsprung. (Video: Tamedia/Marcel Rohner)

Nun wird gegleitet. Marc Berthod sagt, der lange Weg diene auch zur Einordnung: Ist der Steilhang geglückt? Bin ich schnell unterwegs? Je nachdem, wie der Fahrer die Ausfahrt aus dem Steilhang nimmt, kommt er hier mit über 110 km/h auf die alte Schneise zu. Es folgt ein Sprung in einen fies abfallenden Hang, direkt auf den nächsten Sprung zu, den Seidlalmsprung.

Bei diesem Sprung verhält es sich eigentlich ähnlich wie bei der Mausefalle. Der Fahrer hat keine Ahnung, wo er hinspringt. Auch darum tummeln sich im Video oben ganz viele Athleten um diese Kante, wir platzen mitten in die Besichtigung. Der Seidlalmsprung befindet sich ziemlich genau bei Rennhälfte. Und ebenfalls nicht zu unterschätzen: die Wellen danach.

Der Lärchenschuss

Mit Marc Berthod auf der Streif: der Lärchenschuss. (Video: Tamedia/Marcel Rohner)

Der Lärchenschuss an sich ist keine besonders grosse Herausforderung für einen Profi. Er ist ein bisschen unscheinbar auf dieser Strecke. Doch hier können Rennen verloren werden. Gilles Roulin schaut sich die Stelle auf der Besichtigung ganz genau an, Trainer Hansjürg Kunz erklärt ihm, worauf es ankommt. Hier wird das Fahren zur Mathematik: Welche Linie nehme ich, um danach den Speed zu halten?

Der Hausberg

Mit Marc Berthod auf der Streif: der Hausberg. (Video: Tamedia/Marcel Rohner)

Die Kante ist Kult mit ihrem Red-Bull-Torbogen. Hier fliegen die Fahrer für die Fotografen. Und sie haben schon eine gehörig ruppige Fahrt in den Oberschenkeln. Die Streif neigt sich langsam dem Ende zu, bringt aber immer noch die eine oder andere Tücke mit sich. Eine ist diese Hausbergkante, die Landung ist hart, der Hang auch hier extrem glatt. Berthod sagt: «Das hier ist Rennfahren am Limit.»

Die Traverse

Mit Marc Berthod auf der Streif: die Traverse. (Video: Tamedia/Marcel Rohner)

Als wäre das alles nicht genug, kommt noch die Traverse. Direkt nach der Landung am Hausberg gilt es bereits, sich auf diese Schlüsselstelle zu konzentrieren. Wer hier keine Kraft mehr hat, der landet im Netz, das Material muss passen, schliesslich drückt der Fahrer mit seiner ganzen Kraft auf den rechten Ski.

Beat Feuz packte die Traverse 2017 nicht, nach einer nahezu perfekten Fahrt. Zwei Jahre später gab es im Zielraum die kurze Ungewissheit um Vincent Kriechmayr. Der Österreicher war gefährlich nah ans Netz gefahren und für das Publikum ganz kurz nicht sichtbar. Als er im Zielhang erschien – kollektives Aufatmen. Die Episoden aber zeigen: Nach eineinhalb Minuten auf der Streif kann es hier jeden erwischen.

Der Zielschuss

Mit Marc Berthod auf der Streif: der Zielschuss. (Video: Tamedia/Marcel Rohner)

Die Traverse ist ein Kampf, es ist ein Durchhalten. Wer noch Kraft in den Beinen hat, der probiert, hier noch einmal eine Ideallinie zu finden, die ihm einige Hundertstel im Rennen um das Podest bringt. Hier erreicht der Fahrer die Höchstgeschwindigkeit, wird zum Teil über 140 km/h schnell. Ist man erst einmal im Zielhang angekommen, gibt es nur noch eines: sich ganz klein machen.

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