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Der Countdown läuft

Monoskifahrer Christoph Kunz startet in die Weltcupsaison. An den Paralympics im März in Pyeongchang peilt der Reichenbacher seine vierte Medaille an.

Im Schnee im Element: Christoph Kunz will sich im Weltcup den Feinschliff für die Olympischen Spiele in Südkorea holen.
Im Schnee im Element: Christoph Kunz will sich im Weltcup den Feinschliff für die Olympischen Spiele in Südkorea holen.
zvg

Christoph Kunz hat sich herausgeputzt. Der Anzug sitzt, die Schuhe glänzen. Im Hotel Schweizerhof ist alles angerichtet für die Swiss Night, an der die erfolgreichsten Behindertensportler des Jahres geehrt werden. Kunz lächelt in die Kameras und erzählt in die Mikrofone von seiner erfolgreichen Saison. 2017 konnte der Reichenbacher Monoskifahrer endlich eine Lücke in seinem Palmarès schliessen. An der WM in Tarvisio (ITA) gewann der 35-Jährige den Super-G und holte somit seinen ersten Weltmeistertitel überhaupt.

Andere Athleten hätten an diesem Punkt wohl einen Schlussstrich gezogen, gesagt, dass mit drei paralympischen (zweimal Gold, einmal Silber) und ebenso vielen WM-Medaillen (einmal Gold, zweimal Bronze) alles erreicht sei und es am schönsten sei, die Karriere mit einem Höhepunkt abzuschliessen. Christoph Kunz ist anders. Er hat den ­paralympischen Rhythmus verinnerlicht. Die Winterspiele in Pyeongchang im kommenden März sind seit Jahren fester ­Bestandteil in der Planung des gelernten Bankkaufmanns.

Der Countdown läuft, bis die ersten Athleten über die Piste in Jeongseon flitzen, dauert es noch genau 87 Tage. «Ich fühle mich gut», sagt Kunz, der in dieser Woche in St. Moritz in die Weltcupsaison startet. Zu Beginn einer Saison sei es immer schwierig, abzuschätzen, wo man stehe, sagt Kunz, und besonders im Hinblick auf den Höhepunkt in Südkorea sei es wichtig, sich auch im Weltcup mit Athleten auf hohem Niveau zu messen.

Nahe am Optimum

«Erfolg lässt sich nicht einfach planen», sagt er, dennoch will er mit akribischer Vorbereitung alles dafür tun. Kunz ist ein Tüftler, der viel mit seinem Material ausprobiert und nichts unversucht lässt, um die schnellstmögliche Fahrt in den Schnee zu bringen. Vor zwei Jahren wechselte er sowohl die Skimarke als auch den Monoski, in dem er sitzt und an dem der Ski befestigt ist.

«Erfolg lässt sich nicht einfach planen.»

Monoskifahrer Christoph Kunz

Damit ging der Berner Oberländer ein nicht unwesentliches Risiko ein. Rückblickend ist für ihn jedoch klar: «Die Wechsel haben sich ausbezahlt.» In erster Linie denkt Kunz bei dieser Aussage natürlich an den Weltmeistertitel im Januar, aber auch im Weltcup konnte er mit guten Resultaten Selbstvertrauen holen und zur Gewissheit gelangen, bezüglich Material nun «nahe am Optimum» zu sein.

Offiziell selektioniert für die Paralympics ist Kunz, der vor knapp vier Jahren in Sotschi als Fahnenträger amten durfte, zwar noch nicht. Die Bekanntgabe, wer in Pyeongchang an den Start gehen kann, erfolgt erst Anfang Februar. Aufgrund seiner konstanten Leistungen im Weltcup, seiner Goldmedaille an der WM sowie seiner bisherigen Resultate unter den paralympischen Ringen sollte dies jedoch nur Formsache sein.

Grosse Fortschritte im Slalom

Im Rahmen des Weltcupfinales im März letzten Jahres hat Kunz übrigens die Piste südöstlich von Pyeongchang sogar schon mehrmals befahren. Im Super-G wurde er Vierter und Siebter, im Riesenslalom, seiner Paradedisziplin, Dritter, im Slalom schied er aus. «Die Strecke liegt mir», sagt Kunz, denn sie sei nicht allzu steil und insgesamt fairer, als es diejenige in Sotschi gewesen sei, die zudem wegen des warmen Wetters immer mit suboptimalen Schneeverhältnissen zu kämpfen hatte.

Voraussichtlich werde er in diesem Winter alle Disziplinen bestreiten, meint Kunz, also auch den Slalom, seine nominell schwächste, denn er rechnet sich nicht nur in den klassischen Disziplinen Chancen aus, sondern auch in der Kombination, in der er auch schon im Weltcup triumphiert hat – letztmals im Januar im österreichischen Innerkrems. «Im Slalom habe ich grosse Fortschritte gemacht», sagt Kunz, der seine dritte Saison als Profi bestreitet.

Der sportliche Ehrgeiz ist beim 35-Jährigen nach wie vor gross – selbst wenn er in den nächsten Tagen zum dritten Mal Vater wird. Bis zur WM 2019 in Obersaxen will er sicher noch weiterfahren, was danach kommt, wird sich zeigen. Für seine vierten Paralympics setzt sich Kunz eine Medaille zum Ziel. «Welche Farbe sie hat, ist nicht so wichtig», sagt er. Das passende Outfit für die Siegerehrung hat er ja bereits.

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