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Der spektakulärste Slalom im Skizirkus

Die Slalomfahrer kommen nicht zum Verschnaufen. Zwei Tage nach Kitzbühel folgt heute (ab 17.45 Uhr) bereits ein weiterer Klassiker.

Wer die Planai von weitem betrachtet, dem bleibt nur das Staunen.
Wer die Planai von weitem betrachtet, dem bleibt nur das Staunen.
zvg
Bereits weit oben am Zielhang stehen die Zuschauer und feuern die Fahrer frenetisch an.
Bereits weit oben am Zielhang stehen die Zuschauer und feuern die Fahrer frenetisch an.
Martin Huber/Expa/freshfocus
Daniel Yule ist der Mann der Stunde im Slalom. In dieser Saison gewann er bereits drei Slaloms.
Daniel Yule ist der Mann der Stunde im Slalom. In dieser Saison gewann er bereits drei Slaloms.
Juergen Feichter/Expa/freshfocus
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Was war das für ein Slalom in Kitzbühel. Gleich mehrere Geschichten sorgten bei den Skifans für Begeisterung: zum einen der dritte Saisonsieg von Daniel Yule. Zum anderen sorgte auch die Personalie Giuliano Razzoli für Aufsehen. Der Olympiasieger von 2010, seit längerer Zeit auf Formsuche, wechselte wenige Tage vor dem Rennen seinen Ausrüster und fuhr mit Rang 7 sogleich sein bestes Saisonresultat heraus.

Dann waren da aber auch die starken Resultate der jungen Wilden. 9 der 26 klassierten Fahrer waren 23-jährig und jünger. So viele Youngster positionierten sich in dieser Saison noch nie gleichzeitig in den Punkterängen. Mit Lucas Braathen und Atle Lie McGrath holten zudem erstmals zwei Fahrer mit dem Jahrgang 2000 im selben Slalom Weltcuppunkte.

Schlag auf Schlag

Sich auf den Lorbeeren auszuruhen, ist aber niemandem erlaubt, denn mit dem Slalom von Schladming folgt am Dienstag (ab 17.45 Uhr) bereits das nächste Highlight. Das Nachtrennen auf der Planai ist etwas vom Spektakulärsten, was der Skizirkus zu bieten hat. Jahr für Jahr lockt es Zigtausende Zuschauer an. Bis zu 50’000 Personen werden erwartet. So viele wie bei kaum einem anderen Austragungsort im Weltcup. Super Voraussetzungen für ein Skifest der Sonderklasse. Und trotzdem steht nur ein weiteres Nachtrennen im Kalender der Profis – jenes von Madonna di Campiglio.

Es ist nicht nur die Zuschauermasse neben dem Stangenwald, was den Slalom von Schladming ausmacht. Dadurch, dass die beiden Läufe unter Flutlicht stattfinden, sind die Lichtverhältnisse für alle am Start stehenden Athleten gleich. Der letzte Fahrer erkennt die Tücken der Strecke so gut wie der erste. Insbesondere bei einem so ausgeglichenen Fahrerfeld, wie es zurzeit der Fall ist, kommt es dem Spektakel nur zugute.

Dass es nicht überall gleich ist, hat Adelboden gezeigt. Als sich die Sonne vom Chuenisbärgli verabschiedete, standen die besten fünf des ersten Laufs noch oben. Doch ausser Yule und Zenhäusern konnte niemand seinen Platz behaupten. Noch eklatanter war es am Tag zuvor im Riesenslalom, da fielen die ersten fünf des ersten Laufs deutlich zurück.

Die Fairness ist eine Sache – der Hexenkessel die andere. Bei einem Nachtrennen sind die Skifans noch zahlreicher, noch lauter, noch frenetischer und noch gewillter, die Fahrer bis ins Ziel zu unterstützen. Auch aus werbetechnischen Gründen dürften solche Rennen interessant sein. Der Zuschauer ist inzwischen gewohnt, Sport am Abend zu verfolgen. Ob direkt vor Ort oder zu Hause auf dem Sofa, ist ihm meist egal. Er will Spektakel sehen. Und Rennen mit Flutlicht bieten von dem noch mehr als jene, die am frühen Morgen anstehen.

Liebeserklärung nach Schladming

Der Slalom auf der Planai ist auch für die Fahrer etwas «Grosses», wie der Franzose Clément Noël sagt. Dass die Freude auch bei den Fahrern riesig ist, ein Nachtrennen zu fahren, bestätigt Yule. «Ich liebe diese Atmosphäre und diesen Druck.» Der Mann der Stunde im Slalom hat sich bereits im vergangenen Jahr mit lobenden Worten geäussert: «Dieser Hang, diese Stimmung – das gefällt mir. Vor diesem Publikum am Abend zu fahren, ist einfach unglaublich.» Der Dritte von 2018 und 2019 ist aber nicht der Einzige, der diesem Hang bereits eine Liebeserklärung gewidmet hat.

Auch Henrik Kristoffersen mag die Stimmung, obwohl er nicht nur gute Erfahrungen mit dem dortigen Publikum gemacht hat. Bei seinem Sieg 2018 kam Kristoffersen völlig verärgert im Ziel an, denn während seines zweiten Laufs wurde er mit Schneebällen beworfen. Der Norweger hat dennoch lobende Worte für das Nachtspektakel bereit: «Schladming ist für mich wie ein Heimrennen. Es ist einfach sensationell, vor dem besten Publikum auf der Welt zu fahren.»

Yule und Kristoffersen gehören im achten Rennen dieser Saison – dem sechsten im Kalenderjahr 2020 – zu den grossen Favoriten auf den Tagessieg. Kaum einer ist so konstant wie die beiden. Der Norweger (452 Punkte) führt in der Disziplinenwertung 17 Punkte vor dem Unterwalliser. Dahinter gibt es abgesehen von Clément Noël (400) eine riesige Lücke. Zenhäusern liegt mit 249 Punkten auf Position vier.

Doch das frenetische Publikum von Schladming kann jeden zum Sieg führen. Auch einem jungen Wilden ist ein Exploit durchaus zuzutrauen. Obschon hier zuletzt erfahrenere und abgebrühte Slalomspezialisten gewonnen haben.

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